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Donnerstag, 19. Januar 2017

Blick in eine schwarz-weiße Vergangenheit: Robert Haas, der vergessene Fotograf

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Auf die Frage nach berühmten Streetfotografen in den Jahren ab 1930 nennt der eine vielleicht Henri Cartier-Bresson, ein anderer Berenice Abbott oder André Kertesz. Der Name Robert Haas (1898-1997) wird eher selten fallen. (Foto: Wien Museum/Sammlung Robert Haas, Auf dem Motorrad, Burgenland 1937.)

Auf die Frage nach berühmten Streetfotografen in den Jahren ab 1930 nennt der eine vielleicht Henri Cartier-Bresson, ein anderer Berenice Abbott oder André Kertesz. Der Name Robert Haas (1898-1997) wird eher selten fallen.

Auf die Frage nach berühmten Streetfotografen in den Jahren ab 1930 nennt der eine vielleicht Henri Cartier-Bresson, ein anderer Berenice Abbott oder André Kertesz. Der Name Robert Haas (1898-1997) wird eher selten fallen.

Haas war nur wenige Jahre aktiv mit der Kamera unterwegs, wahlweise mit einer kleinen Leica oder einer Rolleiflex (im Bild).

In dieser Zeit aber schoss er faszinierende Bilder - sowohl in seinem Geburtsland Österreich als auch in den USA (im Bild: New York), wohin er vor den Nazis floh.

Das Wien Museum hat nun seinen fotografischen Nachlass erworben und präsentiert unter dem Titel "Der Blick auf zwei Welten" 250 Werke.

Der in Wien geborene Haas hatte sich unter anderem auf Bilder des Alltagslebens (hier eine Szene auf dem Böhmischen Prater in Wien) und Sozialstudien spezialisiert. Zahlreiche Fotoreportagen führten ihn zu den Menschen am Rande der österreichischen Gesellschaft.

In den Zwischenkriegsjahren etablierte er sich als erfolgreicher Fotojournalist, seine Bilder wurden in internationalen Zeitungen und Zeitschriften gedruckt.

Ab 1936 war er als offizieller Fotograf der Salzburger Festspiele tätig und bekam manch prominentes Gesicht vor die Linse, zum Beispiel Hollywood-Ikone Marlene Dietrich.

Mit dem "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland wurde es 1938 für Haas aufgrund seiner jüdischen Herkunft in Wien immer gefährlicher. Er emigrierte in die USA.

Dort, in der Metropole New York, wo er sich niederließ, nahm ihn die Architektur gefangen ...

... und auf mehreren Reisen durch die Vereinigten Staaten dokumentierte er den American Way of Life.

Aber es gelang ihm nicht, als Fotograf in den USA Fuß zu fassen. 1941 gründete der gelernte Grafiker eine auf Kunst spezialisierte Druckerei und nahm Lehrtätigkeiten an verschiedenen Colleges und Universitäten auf.

Fotografische Streifzüge durch seine neue Heimat wurden seltener: Nach dem Zweiten Weltkrieg griff er nur noch gelegentlich zur Kamera. Er habe damit aufgehört, als die Farbfotografie die Welt der Schwarz-Weiß-Bilder zu verdrängen begann, erinnerte er sich später.

Seine Bilder und damit ein Stück österreichisch-amerikanischer Foto- und Kulturgeschichte sind noch bis zum 26. Februar 2017 im Wien Museum am Karlsplatz zu sehen. Der begleitende Katalog ist bei Hatje Cantz (219 Abbildungen, 35 Euro) erschienen. (kse)

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