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Donnerstag, 07. Dezember 2017

Judentum, Christentum, Islam: Jerusalem - Zentrum dreier Weltreligionen und Konfliktherd

Von Sonja Gurris

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Jerusalem ist für drei Weltreligionen besonders wichtig: für das Judentum, das Christentum und den Islam. (Foto: Sonja Gurris)

Jerusalem ist für drei Weltreligionen besonders wichtig: für das Judentum, das Christentum und den Islam.

Jerusalem ist für drei Weltreligionen besonders wichtig: für das Judentum, das Christentum und den Islam.

Western Wall und Kotel sind Bezeichnungen für den wichtigsten jüdischen Ort in Jerusalem: die Klagemauer am Tempelberg. Hier beten Männer und Frauen getrennt.

Männer und Jungen müssen beim Beten eine Kippa tragen.

Die Mauer, an der die Juden beten, ist der letzte Überrest (die Westmauer) des zweiten Jerusalemer Tempels. König Herodes baute ab 20 n. Chr. den Tempel prachtvoll wieder auf. 70 n.Chr. zerstörten die Römer ihn.

Aus diesem Grund ist der Ort für die Juden heilig. Doch genau am ehemaligen Ort des jüdischen Tempels stehen heute der goldene Felsendom sowie die Al-Aqsa-Moschee, die den Muslimen heilig sind.

Jeder, der die Klagemauer besucht, sieht jüdische Gläubige, die tief ins Gebet versunken sind.

In den Spalten der Mauer befinden sich zahllose Zettel. Darauf schreiben die Menschen ihre Wünsche und Bitten an Jahwe (Gott).

Vom Aussichtspunkt auf dem Ölberg kann man die Heiligtümer der drei Weltreligionen überblicken.

Denn auch für die Christen ist Jerusalem immens wichtig: Hier soll Jesus Christus gekreuzigt, gestorben und wiederaufstanden sein.

In der Grabeskirche mitten in der Altstadt Jerusalems liegt die Grabkapelle, die von Tausenden Pilgern pro Tag besucht wird. Dort soll der Überlieferung nach die Grabhöhle Jesu gewesen sein. Direkt neben der Kirche führt die Via Dolorosa entlang, der Kreuzweg Christi.

Manche christliche Pilger besuchen das Heilige Land, um auf den Spuren Jesu zu wandeln. Einige tragen dazu sogar ein Kreuz durch die Altstadt von Jerusalem.

Für Millionen Gläubige ist die Grabeskirche ein heiliger Ort. Die Menschen pilgern aus der ganzen Welt hierher. Somit sind es drei Religionen, die in Jerusalem auf engstem Raum in der Altstadt aufeinandertreffen - und manchmal auch aufeinanderprallen.

Der Felsendom ragt direkt über dem Platz an der Klagemauer empor. Nach islamischem Glauben stieg der Prophet Mohammed von dort aus in den Himmel.

Auf dem Tempelberg kommt es immer wieder zu religiös beziehungsweise politisch motivierten Ausschreitungen. Die historische Bedeutung dieses Ortes ist ein zentrales Thema.

Denn Israel eroberte 1967 im Sechstagekrieg unter anderem Ost-Jerusalem und annektierte es später. Die internationale Gemeinschaft erkennt diesen Schritt nicht an (im Bild: israelische Soldaten am Löwentor zur Altstadt Jerusalems). Die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem aber als Hauptstadt eines unabhängigen Staates Palästina.

Vor allem das Erreichen der Klagemauer in Ost-Jerusalem wird von den israelischen Soldaten gefeiert, denn der Zugang war ihnen bis 1967 verwehrt.

Israel beansprucht allerdings ganz Jerusalem für sich - ein zentraler Streitpunkt im Nahostkonflikt. Die Palästinenser sind wütend und unzufrieden mit ihrer Lebenssituation in Flüchtlingslagern und in verarmten Verhältnissen. 1987 kommt es zum ersten gewaltsamen Aufstand von radikalen Palästinensern. Es ist die erste Intifada (Szene in Beit Sahur 1988).

Bei den Auseinandersetzungen zwischen 1987 und 1994 werden mehr als 1000 Palästinenser und mehr als 150 Israelis getötet. Doch es bleibt nicht bei einem Aufstand.

Der Osloer Friedensprozess beendet die erste Intifada (im Bild: ein israelischer Soldat und ein arabischer Junge 1988). Doch dieses Dokument war kein Versprechen.

Der Tempelberg wurde wieder Auslöser blutiger Zusammenstöße. Nach dem Besuch des damaligen israelischen Oppositionsführers Ariel Scharon im September 2000, der von Palästinensern als Provokation empfunden wurde, begann die zweite Intifada. Es folgen viele Anschläge mit vielen Toten. 2005 endet die zweite Intifada.

Seit dem Jahr 2005 gibt es zwar keine Intifada mehr, dennoch ist und bleibt Jerusalem ein Konfliktherd. Attacken und Anschläge sind in unregelmäßgen Abständen Teil des Alltags, denn die Statusfrage und der gesamte Nahostkonflikt sind weiterhin ungelöst.

Israels Regierung will Jerusalem nicht teilen.

Beim Freitagsgebet kommen Tausende Muslime zusammen, um nahe des Felsendoms zu beten. Oftmals kommt es danach auch zu Gefechten zwischen israelischen Sicherheitskräften und radikalen Palästinensern.

Es gibt Spannungen, teilweise werden auch Zugänge gesperrt.

Die israelischen Soldaten sind präsent.

Beim Freitagsgebet ist die Altstadt voll und die Stimmung kann schnell umschlagen.

Die meisten Palästinenser leben im Osten der Stadt.

Silwan oder Davidstadt? Wie wird ein Stadtteil genannt? Das ist in Jerusalem nicht nur eine geografische, sondern eine politisch-religiöse Frage. Je nachdem, wen man fragt, bekommt man unterschiedliche Antworten.

Ein sichtbares Zeichnung für den Nahostkonflikt ist die Sperranlage - die Mauer, die zum Großteil Israel von den palästinensischen Gebieten trennt. Hier ein Bild aus Ost-Jerusalem. Die Mauer sollte die Bürger nach Angaben der israelischen Regierung vor radikalen Selbstmordattentätern aus den palästinensischen Gebieten schützen. Ab 2002 wurde die Mauer gebaut.

Teilweise wird die Mauer nahe Jerusalem auch von Künstlern besprüht. Sie hinterlassen darauf ihre Friedenszeichen.

So wie "Love break walls" (Liebe bringt Mauern zum Einstürzen).

Oder: "Make Hummus not walls" (Macht Hummus und errichtet keine Mauern).

Jerusalem liegt zwischen dem Mittelmeer und dem Toten Meer und hat mehr als 800.000 Einwohner.

Gerade, weil US-Präsident Donald Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennt, erhöht sich das Konfliktpotenzial in der Heiligen Stadt abermals.

Wenn man von vergleichsweise "ruhigeren" Zeiten in der Jerusalem sprechen konnte, so könnten diese möglicherweise vorbei sein, ...

... falls radikale Palästinenser einen erneuten Aufstand beginnen würden.

Der Anführer der radikal-islamischen Hamas, Ismail Hanijeh, ruft aus dem Gaza-Streifen zu einer dritten Intifada auf. Jerusalem könnte einen erneuten Aufstand als Erstes spüren.

Die Palästinenser wollen ihren eigenen Staat - aber nur mit einer Hauptstadt Ost-Jerusalem. Dafür gehen sie auf die Straße.

Für sie ist Trumps Anerkennung eine Provokation.

Israels Regierung sieht ihre Sicht der Dinge durch die USA bestätigt. Jerusalem bleibt ein Konfliktherd - wie schon seit Jahrhunderten.

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