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Montag, 02. November 2015

Schmaler Grat zwischen Genuss und Sucht: Alkohol - Himmelsgabe oder Teufelszeug?

Von Jana Zeh

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"Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren" heißt eine volkstümliche  Redensart. (Foto: picture alliance / dpa)

"Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren" heißt eine volkstümliche Redensart.

"Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren" heißt eine volkstümliche Redensart.

Alkoholische Getränke gehören für die meisten zu jeder Feier dazu, damit die richtige Stimmung aufkommt.

Und zum Glas Bier gesellt sich schnell mal ein Schnaps dazu.

Da man aber auf einem Bein nicht stehen kann - auch das eine trinkfreudige Redensart, ...

... gibt es schnell einen zweiten Schnaps dazu.

Egal, ob Karneval, Oktober- oder Schützenfest: Besonders auf Volksfesten ...

... wird die Tradition des Trinkens gepflegt - und vielerorts völlig enthemmt Alkohol konsumiert.

Dann wird schnell mal zu tief ins Glas geschaut und der stimmungshebende Effekt von alkoholischen Getränken wandelt sich in Schwindel, Übelkeit und Orientierungslosigkeit.

Manchmal hilft dann nichts mehr, als den Rausch irgendwo auszuschlafen.

In einem solchen Zustand sind die Funktionsfähigkeit des Gehirns und die motorischen Fähigkeiten bereits stark beeinträchtigt.

Bei einem Vollrausch wird der Alkohol zum Gift und alle Organe und jedes Gewebe im Körper werden dadurch in Mitleidenschaft gezogen.

Zum Glück kann sich der gesunde Körper relativ schnell entgiften. Um den Alkohol wieder abzubauen und sich zu regenerieren, braucht man vor allem eines: viele Stunden Ruhe.

Diese Regenerationszeit kann schmerzhaft sein. Symptome wie Unwohlsein, Kopfschmerzen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit oder Übelkeit werden umgangssprachlich als "Kater" bezeichnet.

Trotz der Unannehmlichkeiten gibt es aber oft bald wieder einen Grund, um Alkohol zu konsumieren. Es scheint, als komme man hierzulande am Gläschen in geselliger Rund gar nicht vorbei, wenn man nicht als Miesepeter oder Spielverderber bezeichnet werden will.

Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dieser gesellschaftlich anerkannten Droge namens Alkohol?

Alkohol ist die Bezeichnung für die chemische Verbindung Ethanol, die mit der chemischen Formel C2H6O zusammengefasst wird.

Ethanol ist bei Raumtemperatur eine farblose, leicht entzündliche Flüssigkeit mit einem brennenden Geschmack, die als Lebergift eingestuft wird und als Desinfektionsmittel eingesetzt werden kann.

Alkohol ist ein in reifen Früchten vorkommender Inhaltsstoff mit berauschender Wirkung. Er entsteht auf natürliche Art und Weise durch eine von Hefen ausgelösten Gärung aus kohlenhydrathaltigen Stoffen.

Sogar im Weltall ist Ethanol vorhanden. Woher dieser kommt, weiß man bisher allerdings nicht.

Doch nicht nur im All oder in reifen Früchten ist Alkohol zu finden. Auch im menschlichen Körper wird Alkohol produziert. Der natürliche Alkoholspiegel beträgt etwa 0,03 Promille.

Bereits 0,5 Liter Bier reichen bei einer 55 Kilogramm schweren Frau aus, um den natürlichen Alkoholspiegel innerhalb kurzer Zeit zu verdoppeln.

Der natürliche Alkoholgehalt in Trauben- oder Apfelsaft, ...

... aber auch im Brot oder Sauerkraut und ...

... in überreifen Bananen ist dagegen so gering, dass er selbst für Kinder und Schwangere unbedenklich ist.

Auch als Lösungsmittel für Arzneien ist Alkohol hervorragend geeignet.

In geringen Dosen kann C2H6O sogar positive Effekte haben, zum Beispiel für Menschen mit der Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus. Es wird zudem vermutet, dass er im Körper antioxidative Effekte anstößt und den Cholesterolspiegel positiv beeinflusst. Wissenschaftliche Nachweise für diese Hypothesen fehlen bisher noch.

Der Konsum alkoholischer Getränke hat aber noch eine Vielzahl anderer körperlicher Auswirkungen. Es führt zunächst zu einer Erweiterung der Blutgefäße, vor allem der äußeren.

Daraus ergibt sich ein Wärmegefühl. Die natürliche Regulierung des Wärmehaushaltes wird bei größeren Mengen Alkohol so außer Kraft gesetzt.

Alkohol hat nicht nur eine berauschende, sondern auch eine enthemmende und betäubende Wirkung.

Je mehr Alkohol man im Blut hat, umso weniger kann man Schmerzen wahrnehmen.

Bereits kleine Mengen Alkohol beeinträchtigen nicht nur das Seh- und Einschätzungensvermögen, sondern auch ...

... die Fahrtüchtigkeit. Das Blickfeld wird verengt und die Reaktionszeiten verlängern sich.

Ein regelmäßiger Konsum führt zu körperlicher Abhängigkeit. Schwere Schädigungen der Organe, vor allem von Leber, Herz und Bauchspeicheldrüse sind die Folgen.

Allein in Deutschland konsumieren laut Drogenbeauftragter der Bundesregierung rund 9,5 Millionen Menschen Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen.

Davon fällt das Trinkverhalten von rund 2 Millionen Menschen in die Kategorie Alkoholmissbrauch. Rund 1,8 Millionen sind bereits abhängig. Bedauerlicherweise ist diese Zahl in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Wer denkt, dass Alkoholabhängigkeit nur nur ältere Erwachsene nach vielen Jahren des Konsums trifft, der irrt. Junge Erwachsene unter 25 Jahren sind in letzter Zeit verstärkt alkoholabhängig.

Unter den Abhängigen gibt es doppelt so viele männliche wie weibliche Alkoholiker.

Obwohl bekannt ist, wie gefährlich Alkohol ist und der Stoff von vielen Experten als "besonders schädlich" eingestuft wird, bleibt er die wohl gesellschaftlich anerkannteste Droge in Deutschland.

Viele Alkoholabhängige sind sich ihrer Sucht nicht bewusst oder streiten sie sogar ab. Das ist Teil des Krankheitsbildes - und gleichzeitig exemplarisch für die Akzeptanz von Alkohol in unserer Gesellschaft.

Dabei verursacht keine andere Droge soziale und gesundheitliche Schäden in dem Ausmaß wie Alkohol.

Bei knapp einem Drittel aller gewaltkriminieller Delikte ist Alkohol im Spiel. Bei schwerer und gefährlicher Körperverletzung liegt der Anteil sogar noch höher.

Die volkswirtschaftlichen Kosten durch direkte und indirekte Folgen des Alkoholmissbrauchs belaufen sich auf rund 27 Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland.

Die körperlichen und geistigen Erscheinungen bei einem Alkoholentzug sollen heftiger sein, als sie das berüchtigte Heroin hervorruft.

Lange Zeit galt der Entzug von Alkoholikern nur als gelungen, wenn danach absolute Abstinenz eingehalten wurde, denn schon eine Schnapspraline kann, so Experten, zum Verhängnis werden und ...

... einen trockenen Alkoholiker wieder zum Säufer machen.

Heute halten auch viele Suchtexperten nichts mehr von dem Therapieziel der völligen Abstinenz, denn dieses schreckt viel Alkoholiker ab. "Kontrolliertes Trinken" ist der neue Therapieansatz ...

... oder: Gar nicht erst damit anfangen.

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