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Mittwoch, 29. Juli 2009

Design-Schule der Moderne: Das Bauhaus

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Das Bauhaus in Dessau-Roßlau gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Rund 100.000 Besucher begeben sich hier pro Jahr auf die Spuren von Gropius, Klee, Kandinsky, Feininger und Co. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Das Bauhaus in Dessau-Roßlau gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Rund 100.000 Besucher begeben sich hier pro Jahr auf die Spuren von Gropius, Klee, Kandinsky, Feininger und Co.

Das Bauhaus in Dessau-Roßlau gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Rund 100.000 Besucher begeben sich hier pro Jahr auf die Spuren von Gropius, Klee, Kandinsky, Feininger und Co.

Im Jahr 2009 feierte das Bauhaus seinen 90. Geburtstag. (Autobahn-Hinweisschild im Bauhaus-Design zum Bauhausjahr 2009)

Walter Gropius hatte 1919 das Bauhaus in Weimar ins Leben gerufen. (Gropius 1933 in Berlin neben einer Zeichnung des "Chicago Tribune"-Gebäudes)

Es entstand durch die Vereinigung der Kunstschule in Weimar mit der 1907 von Henry van de Velde gegründeten Kunstgewerbeschule Weimar. (Jugendstilvilla Esche in Chemnitz - van de Veldes erstes Bauwerk in Deutschland, entstanden 1902)

Am 1. April 1919 erfolgte die offizielle Gründung der Schule in Weimar. (Bauhaus-Universität in Weimar)

Sie zog 1925 nach Dessau. 1932 erfolgte der Umzug nach Berlin, bevor sie 1933 geschlossen wurde. (Bauhaus-Museum in Weimar)

Obwohl es nur 14 Jahre existierte, wurde das Bauhaus die wichtigste Schule der Moderne ...

... und generell zur bedeutendsten Schule für Architektur, Design und Kunst im 20. Jahrhundert. (Von Gropius bereits 1911 entworfenes Fagus-Werk in Alfeld an der Leine; die Schuhleisten-Fabrik gilt in der Klarheit ihrer Architektur als Schlüsselbau der Moderne.)

Das Bauhaus begann mit der Formulierung einer Utopie: Der "Bau der Zukunft" sollte alle Künste miteinander verbinden. ("Afrikanischer Stuhl" des Bauhaus-Designers Marcel Breuer von 1921)

Die Trennung zwischen freier und angewandter Kunst sollte aufgehoben werden (Kinderwiege des Bauhaus-Schülers Peter Keler von 1922).

Gropius holte daher Künstler aller Richtungen ins Bauhaus-Kollegium, wie z.B. Lyonel Feininger (er wurde als erster Bauhaus-Meister nach Weimar berufen, Foto von 1932) ...

... und Johannes Itten (sein "Turm des Feuers" im Bauhaus-Museum Weimar). Er wurde einer der ersten Lehrer am Bauhaus.

Auch Marcel Breuer, Lazlo Moholy-Nagy, Ludwig Mies van der Rohe, Wassily Kandinski und Paul Klee waren im Kollegium (Kandinsky-Klee-Meisterhaus in Dessau).

Der Ruf dieser interdisziplinär arbeitenden Schule für Architektur, ... (Muche-Meisterhaus in Dessau)

... Formgestaltung, ... (Vorratsgefäße von Erica von Scheel, Schülerin Henry van de Veldes, im Bauhausmuseum Weimar)

... bildende Kunst (Verchromte Messingplastik "kern aus dopplungen" von Max Bill) und ...

... darstellende Kunst (Lyonel Feininger, "Gelmeroda XI" von 1928) ist auch Jahrzehnte nach ihrer Schließung weltweit noch immer groß.

Sie hat bis heute großen Einfluss auf Architektur ... (Orgelmuseum in Windesheim, erbaut 2001)

... Design und die gesamte Kunst. (Wandbild "Schopping III (Do it yourself)" des Künstlers Ronald de Bloeme, 2009).

Das "Staatliche Bauhaus Weimar" war nach Art und Konzeption damals etwas gänzlich Neues. (Ausstellung im Bauhaus-Museum Weimar)

Gropius formulierte in seinem Aufsatz "Grundsätze der Bauhausproduktion" (1925), das Bauhaus solle der "zeitgemäßen Entwicklung der Behausung dienen, vom einfachen Hausgerät bis zum Wohnhaus." (Teekanne von Marianne Brandt, 1924)

Die Bauhaus-Produkte sollten "ihre Funktion praktisch erfüllen, haltbar, billig und 'schön' sein." (Stühle der Bauhausmeister Ludwig Mies van der Rohe, Marcel Breuer und Martin Decker aus den Jahren 1926/27).

Großer Wert wurde auf eine vielseitige und umfassende Ausbildung der Schüler gelegt. ("Ohne Titel" von Fritz Winter, 1932)

Das Bauhaus wollte "einen neuen Typ von Mitarbeiter für Industrie und Handwerk heranbilden, der Technik und Form beherrscht." (Gropius 1925) (Fensterfront im Bauhaus Dessau)

Eines der Leitbilder des Bauhauses war, die Architektur mit anderen Künsten zu einem Gesamtkunstwerk zu verbinden. (Innenansicht Bauhaus Dessau)

So stand auch im Gründungsmanifest von 1919: "Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau". (Rückansicht des Meisterhauses und früheren Doppel-Wohnhauses der Bauhauskünstler Georg Muche, vorn, und Oskar Schlemmer)

Anfangs mischten sich noch romantische Anklänge an vorindustrielle Zeiten mit modernen Ansätzen. (Jugendstiltreppe in der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar).

Erste Projekte wie das "Haus Sommerfeld" in Berlin-Dahlem (im Krieg zerstört) waren noch sehr expressionistisch geprägt. (Van-de-Velde-Bau der Bauhausuniversität Weimar).

Später entwickelte sich der Bauhausstil immer mehr in Richtung "Neue Sachlichkeit". (Von Carl Fieger 1929/30 entworfenes "Kornhaus" in Dessau im Auftrag der Stadt Dessau und der Schultheiss-Patzenhofer-Brauerei).

Das Musterhaus "Am Horn" in Weimar nach Plänen von Georg Muche wurde 1923 das erste Projekt, das konsequent in Architektur und Einrichtung von der "Neuen Sachlichkeit" geprägt war. (Bild: Nach der Sanierung 1999)

Viele Mensche fanden (und finden) diese "sachlichen" Bauten jedoch zu schlicht, karg, kalt oder "maschinell". Die Ideen des Bauhauses waren der Zeit oft voraus und fanden in der großen Masse damals kaum Anklang. (Zeppelin-Museum im ehemaligen Hafenbahnhof in Friedrichshafen, Baden-Württemberg)

In der Zeit des Bestehens der Schule galten Lehrer, Schüler und Anhänger des Bauhauses als links und "internationalistisch". Rechte Parteien standen in Opposition zum Bauhaus und seinen Ideen.

Zumindest war das Bauhaus ein geistiges Kind der Weimarer Republik und "Teil einer sozialdemokratischen Modernisierungs-Strategie" (Philipp Oswalt, Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau von März 2009 bis März 2014).

Die einzelnen Akteure verhielten sich sehr unterschiedlich. Zumindest Gropius (Foto von 1986) gab sich eher unpolitisch. Sein Nachfolger Hannes Meyer aber war bekennender Marxist. Er brachte die Parole "Volksbedarf statt Luxusbedarf" ans Bauhaus.

Meyer entwarf beispielsweise mit Hans Witwer die ehemalige Gewerkschaftsschule in Bernau bei Berlin. Sie wurde 1930 als Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes eröffnet.

Der gelbe Klinkerbau gilt als herausragendes Beispiel des späten Bauhausstils. Heute nutzt die Handwerkskammer Berlin das Gebäude als Seminar- und Lehrgangshotel.

Ob neutral oder nicht: Ganz konnte sich das Bauhaus der Politik nicht entziehen. Durch einen Machtwechsel in Thüringen 1924 kürzte die neue DVP-Regierung den Bauhaus-Etat um 50 Prozent. (Schachspiel von Josef Hartwig, 1924)

Wegen des finanziellen und politischen Drucks beschloss der Meisterrat 1925 den Umzug nach Dessau. Das Weimarer Bauhaus wurde im selben Jahr aufgelöst.

Im Dezember 1926 wurde das neue, von Gropius entworfene Bauhausgebäude in Dessau eingeweiht. Besonders beeindruckte damals schon der vollständig verglaste Werkstattflügel.

Zeitgleich entstanden dort die auch von Gropius entworfenen "Meisterhäuser", die als Wohnhäuser dienten. (Kandinsky-Klee-Meisterhaus in Dessau)

Nach dem Umzug nach Dessau entstanden die ersten Möbel aus dem neuen Material Stahlrohr und die ersten Freischwinger. (Stahlrohr-Freischwinger von Marcel Breuer aus den 20er Jahren). Eine stärkere Zusammenarbeit mit der Industrie begann.

1928 trat Gropius als Direktor zurück, sein Nachfolger wurde der Schweizer Architekt Hannes Meyer. Von 1930 bis zur Schließung 1933 leitete Ludwig Mies van der Rohe das Bauhaus. (Bild: Van der Rohe 1958)

Van der Rohe, schon damals sehr erfolgreich, wurde zu einem der bedeutendsten Architekten der Moderne. (Sein "Deutscher Pavillon" der Weltausstellung 1929 in Barcelona)

Ihm wird als sein Leitmotiv das Zitat "Weniger ist mehr" (Less is more) zugeschrieben. (Innenansicht des Pavillons)

Nachdem die NSDAP 1931 die Gemeinderatswahlen in Dessau gewonnen hatte, musste das Bauhaus 1932 zum zweiten Mal umziehen, nach Berlin-Steglitz in die Birkbuschstraße 49. Kurz darauf, 1933, wurde es von den Nazis zur Selbstauflösung gezwungen.

Aber auch nach der Schließung war und ist der Einfluss des Bauhauses weltweit bedeutend; seine Resonanz hält bis heute an. (Van-der-Rohe-Villa in Krefeld)

In Jerusalem und Tel Aviv bspw. entstanden in den 1930er und 40er Jahren viele Bauten, die sich an der Bauhausbewegung orientierten. (Dizengoff-Straße 10 in Tel Aviv, 2004)

Das liegt vor allem darin begründet, dass etwa 130 Architekten, die am Bauhaus in Weimar und Dessau ... (am Rothschild-Boulevard in Tel Aviv)

... oder in anderen europäischen Metropolen bei den Baumeistern der Klassischen Moderne studiert hatten, ... (Bialik-Straße 18 in Tel Aviv)

... nach ihrer Flucht vor der Nazi-Diktatur hier ihre neue Wirkungsstätte fanden. "Form follows function" - die Leitidee der Moderne ... (Petah-Tikwa-Straße 35 in Tel Aviv).

... wurde im 1909 gegründeten Tel Aviv so konsequent baulich umgesetzt wie nirgendwo sonst. Keine andere Stadt der Welt verfügt über so viele Bauhaus-Gebäude. (Tel Aviv, 2004).

An der "Weißen Stadt" hat allerdings der Zahn der Zeit mächtig genagt.

Viele der Bauten sind renovierungsbedürftig und könnten einen neuen Anstrich gut vertragen.

Auch dieses 1933 in Kingwood (USA, West Virginia) erbaute Gerichtsgebäude des Architekten Francis J. Simons weist Bauhaus-Elemente auf.

Im chilenischen Valparaiso entstand 1936 dieses deutlich vom Bauhausstil beeinflusste Post-Gebäude, welches heute den "Consejo Nacional de la Cultura y las Artes" (Nationalrat für Kultur und Kunst) beherbergt.

Auch das ab 1936 entstandene Gebäude des Berliner Flughafens Tempelhof (das flächengrößte Gebäude der Welt) ...

... kann die funktionale Bauhaus-Tradition nicht verleugnen.

Aber auch auf dem Gebiet des Designs zeigt der Bauhaus-Stil bis heute großen Einfluss. Er hat einige häufig anzutreffende und oft kopierte Klassiker hervorgebracht, wie diesen Clubsessel von Marcel Breuer von 1926, ...

... oder seinen Stahlrohr-Hocker "B 9", ebenfalls von 1926.

Ein großes schwedisches Möbelhaus greift auch gern ...

... auf den reduzierten, funktionalen Bauhaus-Stil zurück.

Auch der "Rote Kubus" (l) nach einem Design von Peter Keler (1925) und der "Sessel 51" von Walter Gropius wurden Designklassiker.

Gropius selbst emigrierte 1934 nach England und 1937 weiter nach Cambridge (Massachusetts, USA). (Sein 1938 gebautes Haus in Lincoln, Massachusetts)

Dort war er Professor für Architektur an der "Graduate School of Design" der Harvard University. (Innenansicht des Gropius-Hauses in Lincoln)

Von 1941 bis 1948 arbeitete Gropius in den USA eng mit Konrad Wachsmann zusammen, der unter anderem das Sommerhaus von Albert Einstein in Caputh bei Potsdam entworfen hatte. (Bild von 2005, nach umfassender Restaurierung)

Die nach ihm benannte "Gropiusstadt" in Berlin entstand in den 1060er-Jahren. Die Trabantensiedlung für 50.000 Menschen am Rande der Hauptstadt wurde von Gropius selbst am Reißbrett entworfen.

1963 wurde Gropius die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin verliehen. Er starb 1969 in Boston, Massachusetts. (Bild von 1961, bei der Verleihung des Goethe-Preises der Stadt Frankfurt/Main).

Das von ihm entworfene Bauhaus-Gebäude in Dessau wurde 1945 zum Teil zerstört und erst 1976 rekonstruiert. 1996 bis 2006 fand eine erneute Restaurierung und denkmalpflegerische Instandsetzung statt.

Der Komplex ist nun fast wieder so, wie er ursprünglich 1925/26 geplant und gebaut wurde, ...

... und kann besichtigt werden (täglich 10 bis 18 Uhr).

In den ehemaligen Studentenwohnungen im Ostflügel kann man sogar übernachten: sie werden als Appartements vermietet. (Aula im Bauhausgebäude) (Text: Andrea Beu)

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