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Dienstag, 30. Oktober 2018

Netze, Tüten, Flaschen: Riesige Plastikinseln treiben im Meer

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1997 durchfährt der Ozeanograph Charles Moore auf der Rückfahrt von einer Regatta in Hawaii den Pazifik. (Foto: David Burdick / NOAA)

1997 durchfährt der Ozeanograph Charles Moore auf der Rückfahrt von einer Regatta in Hawaii den Pazifik.

1997 durchfährt der Ozeanograph Charles Moore auf der Rückfahrt von einer Regatta in Hawaii den Pazifik.

Dabei stößt er auf ein Areal, in dem es von schwimmendem Plastik nur so wimmelt.

Die Müllstrudel im Ozean, bis zu diesem Zeitpunkt eher eine theoretische Annahme von Strömungsforschern, sind damit erstmals praktisch belegt.

In den mehr als 20 Jahren seit dieser Entdeckung hat sich im Umweltbewusstsein der Menschen einiges getan.

Waren früher verölte Seevögel das Sinnbild für die Verschmutzung der Meere, ...

... ist es heute die Plastikflasche.

Inzwischen ist klar, fünf dieser gigantischen Müllstrudel treiben auf den Weltmeeren.

Alle befinden sich in der Nähe des Äquators, dort nämlich, ...

... wo unterschiedliche Meeresströmungen zu gigantischen Wirbeln zusammenlaufen. Das ist im Nord- und Südpazifik der Fall, im Nord- und Südatlantik sowie im Indischen Ozean.

Jedes Jahr werden weltweit mehr als 300 Millionen Tonnen Plastik produziert.

Davon landen, wie Forscher von der University of Georgia berechnet haben, zwischen 5 und 13 Millionen Tonnen jährlich in den Ozeanen.

Sonne, Salzwasser und Wellen zerfetzen das Plastik.

Es zerfällt in kleinste Teile. Auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche ...

... treiben inzwischen nach Angaben des Umweltprogramms der vereinten Nationen (UNEP) bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlichster Größe.

Besonders viele sind es im Nordpazifik - dort, wo Moore (hier im Bild), der später das Algalita Marine Research Institute gründete, auf einen "Kontinent" aus Plastikmüll gestoßen war.

Die Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA, NOAA, hat inzwischen dargestellt, dass sich der gigantische nordpazifische Müllstrudel (garbage patch) aus einem westlichen und einem östlichen zusammensetzt.

Sechs Mal mehr Plastik als Plankton befindet sich in dieser Region im Wasser.

Berechnungen zufolge zirkulieren rund 100 Millionen Tonnen Kunststoffmüll allein in diesen nordpazifischen Strudeln.

Vermutlich schwimmen inzwischen etwa 140 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren.

Jedes Jahr kommen etwa acht Millionen Tonnen hinzu.

Sobald die Plastikteile in einen Meereswirbel gelangt sind, verlassen sie ihn nicht mehr. Sie werden dort kleiner und kleiner gerieben und schließlich pulverisiert.

Gerade das macht Plastikmüll im Meer so gefährlich.

Denn Muscheln, Krebse und Fische verwechseln die Plastikteile mit Plankton und fressen sie. Auch ernährt sich das Plankton selbst mitunter von kleinsten Plastikteilen. So gelangt der Kunststoff in die Nahrungskette und ...

... landet letztlich bei uns auf dem Teller. Zusammen übrigens mit krebserregenden Chemikalien wie dem Insektizid DDT, denn mit denen saugen sich die Plastikteilchen im Meer voll.

Doch auch große Plastikstücke haben verheerende Auswirkungen auf die Bewohner der Ozeane. Eine umherschwimmende Tüte etwa kann für eine Meeresschildkröte zur lebensbedrohlichen Gefahr werden. Immer wieder ...

... sterben Tiere den Plastiktod. Im Magen dieses Grauwals, an den Strand von West Seattle gespült, fand man ...

... Plastikmüll in allen ...

... Variationen.

Auch dieser Albatros hatte kaum mehr als Müll im Bauch.

Diese Teile fanden sich im Magen eines Artgenossen.

Der NABU schätzt, dass die Überbleibsel unserer Wegwerfgesellschaft inzwischen jedes Jahr bis zu 100.000 Meeressäuger und eine Million Seevögel das Leben kosten

Das Problem beschränkt sich nicht auf den Pazifik. Auch im ... Norden des Atlantiks, im ...

... Süden desselben Ozeans und im ...

... Indischen Ozean ist das Wasser mit größeren und kleineren Plastikteilen durchsetzt.

Sogar in die Nordsee gelangen trotz aller Verbote ...

... jedes Jahr mehr als 20.000 Tonnen Müll.

Der Kunststoff in den Weltmeeren stammt zu etwa 80 Prozent vom Land.

Er wird von Deponien in die Meere geweht, über Flüsse in die Ozeane hineingespült oder gelangt von verschmutzten Stränden ins Meer.

Über das Abwasser werden außerdem feine Kunststoffpartikel in die Meere gespült, sogenanntes Mikroplastik. Es steckt in vielen Kosmetikprodukten wie Flüssigseife oder Zahnpasta.

Zudem verlieren Kleidungsstücke aus Kunstfasern bei jedem Waschgang bis zu 2000 feine Fasern. Auch sie gelangen ungehindert in die Ozeane.

Nur 15 Prozent des auf den Weltmeeren entsorgten Kunststoffs werden wieder an die Küsten gespült.

Weitere 15 Prozent treiben an der Wasseroberfläche oder bis zu 30 Meter darunter.

Die übrigen 70 Prozent Plastikmüll sinken auf den Meeresgrund. Abgebaut werden die Stoffe nicht. Wie man am besten gegen sie vorgeht, ist noch völlig unklar. Denn ...

... in Netzen bleiben natürlich nur die größten Teile hängen. Mikroplastik lässt sich auf diesem Wege nicht aus dem Wasser fischen - zumal dort, wo in hohen Konzentrationen Plastik im Meer zusammenläuft, ...

... oft auch das marine Leben tobt.

Mit den bisherigen Methoden läuft man Gefahr, zusammen mit dem Mikroplastik auch das Plankton aus dem Wasser zu schöpfen.

Hinzu kommt die Größe der betroffenen Gebiete. Allein der Pazifik macht rund 35 Prozent der Erdoberfläche aus. Und wer fühlt sich für die Säuberung verantwortlich? Wer trägt die Kosten? Ein großer Teil der Meereswirbel liegt außerhalb von Hoheitsgewässern und ...

... ausschließlichen Wirtschaftszonen.

Schon 2050 könnte das Gewicht des in den Ozeane treibenden Plastiks größer sein, ...

... als das Gesamtgewicht der dort lebenden Fische, warnt UN- Generalsekretär António Guterres. (sba, asc)

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