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Hamburg & Schleswig-Holstein Tourismus-Chefin sieht Branche wieder im Aufwind

Urlauber genießen das Wetter am Ostseeufer. Foto: Ulrich Perrey/dpa/Archivbild

(Foto: Ulrich Perrey/dpa/Archivbild)

Nach monatelangem Stillstand besteht im Tourismus Nachholbedarf. Schleswig-Holstein profitiert davon mehr als andere Länder. Im Länderranking klettert der Norden auf Platz drei. In einem Punkt war kein anderes Land im ersten Halbjahr besser.

Kiel (dpa/lno) - Nach Platz drei im Inlands-Tourismus des ersten Halbjahres hofft Schleswig-Holsteins Branche auf viele Gäste in den kommenden Wochen. "Nach monatelangem Stillstand ist ein Aufwärtstrend im Tourismus erkennbar", sagte die Geschäftsführerin der Tourismusagentur, Bettina Bunge, am Donnerstag zur Tourismusbilanz des ersten Halbjahres. "Überall kamen Gäste in Strömen zu uns, sobald die Beherbergungs- und Freizeitbetriebe wieder öffnen konnten."

Im Zuge der Corona-Pandemie gab es infolge des Stillstandes in den ersten Monaten - so war das wichtige Ostergeschäft weggefallen - aber einen Rückgang der Gästezahl um 22,8 Prozent auf 1,72 Millionen. Bei den Übernachtungen fiel das Minus mit 2,7 Prozent auf 8,79 Millionen deutlich geringer aus. Allerdings durften Hotels- und Ferienwohnungen auch nur sechseinhalb Wochen öffnen, zehn Wochen weniger als 2020. Nur in Bayern und Baden-Württemberg buchten Urlauber im ersten Halbjahr mehr Übernachtungen.

Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) sprach von einer Aufholjagd. Im Vergleich zum Rekordjahr 2019, als 3,93 Millionen Touristen in den ersten sechs Monaten 14,55 Millionen Übernachtungen buchten, gebe es im Norden nur einen Rückgang um 39,7 Prozent. "Damit sind wir mit Abstand das beste Bundesland." In den anderen Ländern betrage der Rückgang mindestens knapp 60 Prozent.

"Die touristischen Modellprojekte ab April haben Schleswig-Holstein im ersten Halbjahr einen strategischen Vorteil für den Urlaubstourismus verschafft", sagte Buchholz. Noch nie habe das Land im Ranking der Länder Platz drei belegt. Im Vorjahreszeitraum war es Rang 5. Rückläufig ist allerdings die Zahl der Unterkünfte. Waren es 2019 vor Corona noch 3957, sank ihre Zahl über 3813 (2020) auf zuletzt 3743. "Wir haben über zwei Jahre mehr als 200 Betriebe verloren, das ist nicht wenig", sagte Buchholz.

Beliebtestes Reiseziel im Inland war Schleswig-Holstein im ersten Halbjahr für Campingurlauber. Sie buchten knapp 1,5 Millionen Übernachtungen auf den 267 Campingplätzen, gut ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum und auch 3,8 Prozent mehr als 2019, im Jahr vor der Pandemie.

Mit Blick auf die kommenden Monate zeigten sich Bunge und Buchholz erwartungsfroh. "Auch für die zweite Jahreshälfte haben sich viele Gäste für Schleswig-Holstein entschieden und schon ein Quartier gebucht", sagte Bunge. Für Juli und August würden Top-Ergebnisse erwartet. Der Branche gehe es aber nicht nur um quantitatives Wachstum. "Wir wollen Schleswig-Holstein weiter als Ganzjahres-Destination entwickeln."

Für Buchholz geht es nicht nur darum, mehr Arbeitskräfte für die Branche zu gewinnen, sondern mehr Tourismusakzeptanz im Land zu erreichen. "Viele Einheimische sorgen sich, dass teilweise zu viele Gäste vor Ort sind und ihre Interessen nicht ernst genommen werden." In der Branche gebe es 160.000 Arbeitsplätze. Hotel-Neubauten seien aber notwendig, weil alte Anlagen ausschieden oder nicht mehr den Ansprüchen der Urlauber genügten. "Aber niemand will Tourismus im Land dadurch erreichen, dass wir die Küsten zubetonieren."

Die Urlauber blieben im Frühjahr im Schnitt 5,1 Tage in Schleswig-Holstein, einen Tag mehr als 2020. Im ersten Halbjahr war die Gemeinde Sylt mit 725.331 Übernachtungen am beliebtesten, gefolgt von Sankt Peter-Ording (455.813) und Lübeck (417.863). Sorgenkind ist weiter die Tagungs- und Veranstaltungswirtschaft.

© dpa-infocom, dpa:210902-99-68560/2

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