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Nordrhein-Westfalen Letzte Impfzentren in NRW schließen

Arbeiter tragen im Impfzentrum in Köln Einrichtungsgegenstände aus den Impfkabinen. Foto: Henning Kaiser/dpa/Archivbild

(Foto: Henning Kaiser/dpa/Archivbild)

In den letzten Impfzentren gehen jetzt die Lichter aus. Sie waren im Eiltempo beispielsweise in Messehallen, am Flugplatz oder am Stadion errichtet worden. Die Impfangebote sollten noch näher an die Menschen ran. Das Konzept Impfzentrum gehört aber nicht in den Papierkorb.

Düsseldorf/Bochum (dpa/lnw) - Nach fast acht Monaten Betrieb schließen die letzten Corona-Impfzentren in Nordrhein-Westfalen an diesem Donnerstag. Im Impfzentrum Bochum ist zum Beispiel die letzte Dosis als Auffrischung für einen 100-Jährigen vorgesehen. Der Mann hatte dort im Februar als erster eine Spritze bekommen. Ein Teil der landesweit 53 Impfzentren hat schon seit Tagen oder sogar einigen Wochen geschlossen. Land und Kommunen betonen aber, dass das Ende der Impfzentren nicht das Ende der Impfungen gegen das Coronavirus ist.

Die Impfungen werden nach dem Konzept der Landesregierung vom 1. Oktober an überwiegend von niedergelassenen Ärzten und Betriebsärzten übernommen. Außerdem sollen verstärkt mobile Impfteams unterwegs sein. Das bekräftigte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwochabend im Gesundheitsausschuss des Landtags. "Jede Impfung hilft uns, vielleicht auch ein Stück weit besser durch den Winter zu kommen", betonte er. Pro Tag würden derzeit knapp 20.000 Erst- und knapp 30.000 Zweitimpfungen in Nordrhein-Westfalen erfolgen.

Bei den über 18-Jährigen sind nach den Ausführungen von Laumann 83,7 Prozent der Menschen im Land geimpft. Das sei ein wesentlicher Grund für die inzwischen wieder entspanntere Corona-Situation, nachdem die Neuinfektionen zum Ferienende kräftig gestiegen waren. Er kündigte weitere Lockerungen durch eine Änderung der Corona-Schutzverordnung zum 1. Oktober an. Es würden keine besonderen Abstände mehr in der Gastronomie vorgeschrieben und mehr Zuschauer bei Großveranstaltungen zugelassen - allerdings nur auf den Sitzplätzen, erläuterte er.

Der Kölner Psychologe und Marktforscher Stephan Grünewald verweist darauf, dass das Impfzentrum in Zeiten der Massenmobilisierung konzipiert worden sei. Mit den vielen freiwilligen Helfern habe das Impfzentrum auch in einer schwierigen Phase der Pandemie das Kollektivgefühl gestärkt nach dem Motto: "Wir bieten gemeinsam dem Virus Paroli". Und angesichts knapper Impfstoffmengen sei es fast schon ein Ritterschlag gewesen, dort an die Reihe zu kommen, sagte er mit Blick auf die Impfphase mit den priorisierten Berufsgruppen.

Diese Rolle der Impfzentren sei jetzt nach etwa acht Monaten vorbei. "Das Impfzentrum ist ein Auslaufmodell geworden, weil es jetzt die Aufgabe gibt, die Unentschiedenen, die nicht notorische Verweigerer sind, zu gewinnen", sagte der Leiter des Kölner Rheingold-Institutes. Das gelinge durch Hausärzte, mobile Impfteams und Sonderimpfaktionen besser. Das für einen Massenbetrieb rund um die Uhr konzipierte Impfzentrum könne bei Unentschlossenen eine Schwellenangst oder ein Unbehagen hervorrufen, man gerate in eine anonyme Maschinerie.

Das Konzept Impfzentrum sei dennoch kein Fall für den Papierkorb. "Die Frage ist, werden wir es irgendwann wieder brauchen", sagt Grünewald mit Blick auf die anstehenden Auffrischungsimpfungen und mögliche weitere Mutationen des Coronavirus. Man könnte auf das Konzept und die Erfahrungen zurückgreifen, sollte es erforderlich werden. "Das Impfzentrum ist so etwas wie ein schlafender Riese."

Nach Ansicht des Städtetages NRW steht die Bewährungsprobe für die geänderte Impfstrategie des Landes aber noch aus. Im Herbst und Winter, wenn Erkältungszeit und Grippeimpfungen anstünden, dürfe die Impfkampagne nicht ins Stocken geraten, betonte der Kommunalverband.

© dpa-infocom, dpa:210929-99-416847/3

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