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Rheinland-Pfalz & Saarland Energieagentur: Zehn Windräder im Pfälzerwald möglich

Windkraftanlagen stehen hinter Bäumen. Foto: Roland Weihrauch/dpa/Symbolbild

(Foto: Roland Weihrauch/dpa/Symbolbild)

Aktuelle Debatte im Landtag Rheinland-Pfalz: Die Freien Wähler wenden sich gegen die Nutzung der Windkraft im Pfälzerwald. Entlang der A 6 und am "Langerkopf" sei das durchaus sinnvoll, entgegnet der Geschäftsführer der Energieagentur.

Mainz (dpa/lrs) - Die Energieagentur Rheinland-Pfalz hält den Bau von etwa zehn Windrädern auf bereits durch menschliche Eingriffe belasteten Flächen im Pfälzerwald für realistisch. Die damit mögliche Leistung von 40 bis 50 Megawatt entspreche einer Kapazität von etwa 0,7 Prozent der bis 2030 angestrebten Windkraftleistung, sagte Geschäftsführer Michael Hauer der Deutschen Presse-Agentur. Die Pläne sind an diesem Donnerstag Thema einer Aktuellen Debatte im Landtag.

SPD, Grüne und FDP haben sich in ihrem Koalitionsvertrag im Mai dazu verpflichtet, die Kern- und Pflegezonen des Biosphärenreservats Pfälzerwald von der Windenergienutzung auszunehmen. In sogenannten Entwicklungszonen, etwa entlang von Autobahnen und Bahntrassen oder in vorbelasteten Konversionsflächen mit ehemals militärischer Nutzung soll aber "eine naturnahe Windenergienutzung" ermöglicht werden. Kritisiert wurden diese Pläne von den drei Oppositionsfraktionen CDU, AfD und Freie Wähler.

Den Antrag für die Aktuelle Debatte zu diesem Thema stellten die Freien Wähler. Fraktionschef Joachim Streit sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Freien Wähler seien für den Ausbau erneuerbarer Energien. Als riesiges Schutzgebiet müsse der Pfälzerwald aber besonders geschont werden. "Das rettet uns überhaupt nicht, wenn dort Windräder gebaut werden." Wenn Klimaschutz als höchstes Ziel ausgerufen werde, dürfe der Umwelt- und Naturschutz nicht unter die Räder kommen.

Der Schutz des Biosphärenreservats stehe außer Frage, sagt Energieagentur-Geschäftsführer Hauer. Aber mit Autobahnen werde bereits weitgehend in die Natur eingegriffen, so dass etwa an der A6 zwischen Grünstadt und Kaiserslautern durchaus Windräder aufgestellt werden könnten. Dort gebe es ein Potenzial von sechs bis acht Anlagen, wobei der Mindestabstand zur nächstgelegenen Siedlung zu berücksichtigen sei.

"Bei Bahntrassen sehen wir relativ wenig Potenzial, weil das Gelände dort meist komplexer ist", sagt Hauer. Realistisch seien dort "zwischen null und fünf Anlagen" möglich. Bei militärischen Konversionsflächen komme vor allem die ehemalige Funkanlage "Langerkopf" der US-Luftwaffe auf dem 610 Meter hoch gelegenen Mosisberg im Kreis Südwestpfalz in Frage - dort seien drei bis fünf Windräder denkbar, sofern Fragen der Flugsicherung und des Artenschutzes geklärt seien.

Angesichts der Dringlichkeit der Klimakrise und der erwarteten Zunahme des Strombedarfs müssten alle potenziellen Flächen genutzt werden, sagt Hauer. Nur bei einer erfolgreichen Drosselung der CO2-Emissionen könne auch der Wald langfristig erhalten bleiben. Dazu müssten alle einen Beitrag leisten. Die ersten Windräder im Pfälzer Wald könnten in drei bis vier Jahren errichtet werden.

© dpa-infocom, dpa:210714-99-384104/4

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