Regionalnachrichten

Rheinland-Pfalz & Saarland Prozess: Tierarzthelferin soll Pferde getötet haben

Eine Statue der Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild

(Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild)

Gab es an einer Pferdeklinik im Saarland einen "Todesengel"? Einer früheren Mitarbeiterin wird vorgeworfen, mehrere ihrer vierbeinigen Patienten getötet zu haben.

Saarbrücken (dpa/lrs) - Weil sie Pferde getötet und gequält haben soll, steht eine frühere Tierarzthelferin aus einer Pferdeklinik in Überherrn vor dem Amtsgericht Saarbrücken. Der 31-Jährigen wird vorgeworfen, in sieben Fällen ohne tiermedizinische Berechtigung und ohne tiermedizinische Indikation den zu behandelnden Pferden Narkosemittel injiziert zu haben. Zwei Pferde seien an dem verabreichten Wirkstoff, der im Blut nachgewiesen wurde, verstorben, zwei weitere mussten wegen der Folgen eingeschläfert werden, drei überlebten. Laut Anklage wurden den Tieren länger anhaltende, erhebliche Schmerzen zugefügt. Dies sei strafbar gemäß Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes.

Die Angeklagte selbst schilderte am Donnerstag alle Patienten-Fälle und äußeren Umstände detailliert, betonte jedoch, mit dem Tod der Tiere nichts zu tun zu haben. Gegen die Frau war ermittelt worden, nachdem sich die Zahl der ungeklärten Krankheitsbilder und Todesfälle in der Klinik gehäuft hatte und schließlich auch das bis dato gesunde Pferd der damaligen Klinikchefin zu den Opfern zählte. Obwohl dieses Tier zunächst nur unter Nasenausfluss gelitten hatte, musste es schließlich nach akutem Herz-Kreislaufversagen eingeschläfert werden.

"Ab da hatte ich ein schlechtes Bauchgefühl", blickte die Tierärztin Bianca Schwarz zurück. Die Europäische Spezialistin für Innere Medizin des Pferdes stellte umfangreiche Recherchen an, um die Ursachen für den Tod der Tiere zu finden. Hinweise auf Verunreinigungen im Heu oder Viren-Erkrankungen fanden sich nicht, stattdessen fand sie bei eigenen Recherchen eine andere Korrelation.

Bei allen Fällen sei die Angeklagte in direktem Umfeld der Pferde gewesen und habe die Patienten und ihre Besitzer persönlich gekannt - entweder aus der Klinik oder aus einem Stall in Dudweiler. Als von dort zwei weitere Pferde mit denselben Symptomen in die Klinik eingeliefert wurden - davon eines offenbar unter Medikamenteneinfluss - und entsprechende Mittel im Auto der Angeklagten gefunden wurden, schaltete sie die Polizei ein. "Das waren zu viel des Zufalls für mich", sagte Schwarz. Insgesamt hatte die Tierärztin 15 Fälle gesammelt, die ihrer Ansicht nach auf dieselben Ursachen zurückgehen.

Dass die Tiere vor ihrem Tod litten, steht für sie außer Frage. Das Schlimme an der falschen Verwendung des Präparates sei, "dass die Pferde noch bei Bewusstsein sind, während die Atemlähmung eintritt", sagte sie. Ein Pferd habe sich in innerer Panik einen halben Unterkiefer in der Box ausgeschlagen. Bis zum 18. Januar 2022 sind noch vier weitere Verhandlungstage angesetzt.

© dpa-infocom, dpa:211202-99-233733/3

Regionales
ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.