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Rheinland-Pfalz & Saarland Videos von Ahr-Flut zeigen vom Wasser umschlossene Häuser

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Das Innenministerium hat die aufgetauchten Polizeihubschrauber-Videos aus der Flutnacht von der Ahr verpixelt Journalisten gezeigt. Innenminister Lewentz erklärt, was die dramatischen Aufnahmen nicht zeigen. Und die Polizei nimmt Fehler auf sich.

Mainz (dpa/lrs) - Bis zum Dachgeschoß vom Wasser eingeschlossene Häuser und Menschen, die mit Händen und Lichtsignalen auf sich aufmerksam machen - von Balkonen, aus obersten Stockwerken und von Dächern. Das rheinland-pfälzische Innenministerium hat die kürzlich aufgetauchten und bislang nicht-öffentlichen Polizeihubschrauber-Videos aus der Flutnacht vom Ahrtal am Dienstag Journalisten in Mainz gezeigt. Menschen und Hinweise auf bestimmte Häuser sind zuvor in den insgesamt drei Videos verpixelt worden. Die Filme zeigen Aufnahmen von den Ahr-Orten Mayschoß bis Schuld zwischen 22.14 Uhr und 22.43 Uhr in der Flutnacht am 14. Juli 2021.

Ganze Landstriche stehen auf den Filmen unter Wasser. Zu sehen sind auch (verpixelte) Menschen auf einem Garagendach und ein Auto, das mit eingeschaltetem Heckscheibenwischer und Innenbeleuchtung durch die Wassermassen treibt. Gegen die Scheiben eines von den Fluten eingeschlossenen Hauses klatschen Wellen.

Ein Mensch, der im Wasser treibt, sei jedoch an keiner Stelle zu erkennen, sagte Christoph Semmelrogge, Chef des Präsidiums Einsatz, Logistik und Technik, zu dem die Hubschrauberstaffel gehört. Das Auto mit den laufenden Heckscheibenwischern sei nach den Erkenntnissen der Polizei leer gewesen.

Innenminister Roger Lewentz (SPD), der die Videos nach eigenen Angaben zum ersten Mal am 23. September im Untersuchungsausschuss des Landtags bei seiner zweiten Befragung gesehen hat, betont: "Das geht jedem sehr nahe, wenn man diese Bilder sieht." Der SPD-Politiker ergänzt aber auch, die "hauptausschlaggebenden Elemente für diese Katastrophe" sehe er auf den Videos nicht.

So seien keine toten Menschen zu sehen. Lichtzeichen von Einsatzkräften vor Ort hingegen schon. Auf den Videos fänden sich auch keine eingestürzten Häuser und bis auf den einen Pkw keine der insgesamt mehr als 9000 bei der Flut zerstörten Autos. Es seien nur ganz wenige Gas-Öl-Tanks und an einer Stelle möglicherweise ein Wohnwagen zu erkennen. Die Flut- oder Tsunamiwelle lasse sich nicht erkennen und auch nicht die Zerstörung von mehr als 60 Brücken sowie die Verklausungen, also aufgestautes Treibgut - inklusive Wohnwagen und Inneneinrichtungen - an den Brücken. Aus den Videos lasse sich genauso wenig wie aus den vier Fotos, die ihm aus der Flutnacht vorlagen, und den Berichten der Hubschrauberbesatzung ableiten, was er an den Ahr in den Tagen nach der Flutnacht gesehen habe.

"Ich sehe hier ein ganz großes starkes Hochwasser", sagte Lewentz. Bei seinem Besuch in der Technischen Einsatzleitung (TEL) des Kreises Ahrweiler am Abend sei er auch von einem Hochwasser ausgegangen, das höher sein würde als das bisherige sogenannte Jahrhunderthochwasser von 2016. Denn es sei ein Pegel von vier Metern angekündigt gewesen, nach 3,71 Metern 2016. Damals seien 800 Häuser in Mitleidenschaft gezogen worden und es habe keine Toten gegeben. Bei dem Besuch in der TEL habe er auch den Eindruck gehabt, dass "das aufbauende System" - und damit die Warnung der Bevölkerung an der Unteren Ahr stehe.

Für das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe am 14./15. Juli mit 134 Toten habe er keine Hinweise gehabt. Er habe lediglich den Hinweis auf sechs eingestürzte Häuser und möglicherweise Tote in Schuld erhalten. In diesem von den Wassermassen stark verwüsteten Ahrort kam jedoch niemand ums Leben.

Der CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende Christian Baldauf forderte erneut den Rücktritt von Lewentz. "Seine Behauptung im Untersuchungsausschuss, die Situation sei nicht "ansatzweise erkennbar" gewesen, ist falsch."

Warum die Videos erst vor kurzem aufgetaucht sind, erklären Semmelrogge und der Koblenzer Polizeipräsident Karlheinz Maron mit einem Dokumentationsfehler und einem Missverständnis. Die Videos seien erst kürzlich auf der externen Festplatte eines Mitarbeiters der Hubschrauberstaffel gefunden worden, sagte Semmelrogge. Es habe aber nie die Absicht gegeben, die Aufzeichnungen unzugänglich zu machen. Dennoch: "Diese hätten am 18. Februar vorgelegt werden müssen." Damals hatte der Untersuchungsausschuss bereits die Beiziehung weiterer Akten, darunter auch möglicher Lagefilme angefordert. Einzelheiten dazu kläre derzeit die Staatsanwaltschaft.

Quelle: dpa

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