Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 237 Fahne oder Flagge?

Ich habe mich immer wieder gefragt, ob es tatsächlich einen Unterschied zwischen der Bezeichnung Fahne und Flagge gibt. Können Sie mir weiterhelfen? (fragt Bodo M. aus Köln)

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Die Fähnchen auf dem Kopf dieser Frau sind eigentlich Fläggchen.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Der Unterschied ist relativ eindeutig", sagt der Vexillologe Jörg Majewski. "Umso ärgerlicher ist es für uns Flaggenkundler, das beide Begriffe in der heutigen Umgangsprache eher verschwimmen. Dabei ist es wichtig, beide Arten zu unterscheiden, haben sie doch unterschiedliche Ursprünge und Entwicklungen durchlaufen."

Eine mögliche, etwas unscharfe Kurzformel lautet: Flaggen werden gehisst, Fahnen getragen. Eine Flagge ist ein einfach gestaltetes Stück Stoff, das als Massenprodukt durch ein gleich aussehendes Stück Stoff ausgetauscht werden kann. Wichtig ist die Symbolik der Flagge, nicht das Tuch. So können Flaggen auch aus Metall oder Papier bestehen. Historisch sind sie erst im Hochmittelalter vor allem als Unterscheidungszeichen an Schiffen entstanden. Sie dienen bis heute der Kennzeichnung der Nationalität von Schiffen.

Aus dieser Eigenschaft entwickelten sich durch den Nationalismus, den vor allem die Französische Revolution hervorgebracht hat, die sogenannten Nationalflaggen. Durch das Zeigen oder Tragen der Nationalflagge seinen Stolz zum eigenen Land zum Ausdruck zu bringen, ist dementsprechend ein verhältnismäßig neues Phänomen.

Fahnen werden getragen

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Fahnenträger bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London war der Ruderer Kristof Wilke.

(Foto: picture alliance / dpa)

Fahnen hingegen sind wesentlich älter als Flaggen. Sie wurden bereits von den Römern als Kampfsymbol verwendet. "Fahnen sind direkt mit Fahnenstangen verbunden. Sie werden damit getragen " erläutert Majewski. Jede Fahne ist ein relativ kostbares Einzelstück, das oftmals besonders verehrt wird.

Vor allem im Militär waren Fahnen nötig, um verschiedenen Truppen die Richtung anzugeben und um sich zu sammeln. Als Fähnriche wurden Männer im Militär bezeichnet, deren Aufgabe es war, das Feldbanner zu tragen, um das sich die Kompanie scharte. Ein Fähnrich durfte unter keinen Umständen die Fahne loslassen oder auf die Erde fallen lassen. Aus diesem Grund wurden für diese Aufgabe besonders treue und tapfere Männer ausgesucht. Der Fähnrich haftet mit seinem Leben dafür.

Viele Vereine und Gemeinschaften legten sich ab etwa Mitte des 19. Jahrhunderts teilweise sehr aufwändig bestickte eigene Fahnen zu. Jede Fahne galt und gilt auch heute noch als verbindendes und zur Treue verpflichtendes Symbol. Den Fahnen im Militär wurden sogar Ehren wie einem Vorgesetzten zuteil. Heute werden Fahnen nur noch für zeremonielle Zwecke verwendet.

Die Bedeutung der Fahne beim Militär spiegelt sich bis heute in dem von Soldaten abzulegenden Fahneneid wider. Auch die Bezeichnung der Fahnenflucht, für das Desertieren von der Truppe, geht darauf zurück.

Übrigens: Der in der DDR an Schulen regelmäßig durchgeführte "Fahnenappell" war - streng genommen - ein Flaggenappell. Was nicht zuletzt daran deutlich wurde, dass der Befehl "Heißt Flagge!" lautete.

Quelle: n-tv.de

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