Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 72 Können Raucher ihre Organe spenden?

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Auch Raucher können ihre Organe spenden.

(Foto: AP)

Können auch Raucher Organe spenden? (fragt D. Meyer aus Gräfenhainichen)

Prinzipiell ja, antwortet Dr. Detlef Bösebeck, Geschäftsführender Arzt der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Bei der Lunge allerdings kommt es darauf an, wie lange und wie intensiv der Organspender geraucht hat. Wie bei jedem anderen Spenderorgan auch, wird die Lunge kurz vor der Entnahme zunächst einer Prüfung auf Eignung und Funktionsfähigkeit unterzogen. Ist die Lunge des Spenders durch jahrelanges Rauchen bereits zu sehr geschädigt, wird sie nicht als Spenderorgan genutzt. Ist die Lunge trotz Rauchens noch voll funktionstüchtig, ist sie auch als Spenderorgan geeignet, so Bösebeck. Das eigentliche Problem ist, dass es insgesamt zu wenige Spenderorgane gibt.

Bis zu welchem Alter können Organe gespendet werden?

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Dr. Detlef Bösebeck.

Der älteste Nierenspender in Deutschland war 92 Jahre alt und seine Organe konnten erfolgreich transplantiert werden. In der Praxis ist es so, dass man ältere Organe auch auf ältere Empfänger transplantiert, weil diese Organe nicht mehr dreißig oder vierzig Jahre funktionstüchtig sein müssen. Das ist aber bei einem Empfänger, dessen Lebenserwartung nicht mehr als zehn bis fünfzehn Jahre beträgt, medizinisch zu rechtfertigen, erklärt Bösebeck.

Es gibt ein von Eurotransplant koordiniertes zentrales Programm, das die optimale Verteilung von Spenderorganen und Gewebe in den beteiligten Ländern (Benelux-Staaten, Deutschland, Österreich, Slowenien und Kroatien) anstrebt. Wichtig ist bei einer Transplantation nicht nur, dass die Merkmale des Spenders und des Spenderorgans zum Empfänger passen, sondern auch, dass die Zeit zwischen festgestelltem Hirntod, der Organentnahme und der Transplantation möglichst kurz gehalten werden. Denn je länger ein Organ ohne Sauerstoff ist, umso geringer sind die Erfolgschancen nach einer Transplantation.

Kann eine Frau ihr Herz für einen Mann und umgekehrt spenden?

Das ist prinzipiell möglich und wird auch praktiziert. Aus medizinischer Sicht wäre es jedoch besser, wenn ein Männerherz auch an einen Mann verpflanzt wird. Denn ein Mann ist in der Regel auch größer und schwerer als eine Frau, und so muss das Herz eines Mannes meistens auch eine größere Pumpleistung haben als das einer kleineren und leichteren Frau, erklärt Bösebeck. Leider gibt es allerdings so wenige Spenderorgane, dass Mediziner gezwungen sind, eine Abweichung von ungefähr zehn Prozent bei der Kompatibilität zwischen Spender und Empfänger hinzunehmen, da das Überleben für den Empfänger wichtiger ist als eine möglichst hohe Übereinstimmung der Organwerte.

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In einem Organspendeausweis kann jeder klar und eindeutig seine Entscheidung zur Organspende festhalten, auch wenn er nicht spenden will.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Übrigens: Eine Patientenverfügung, in der man festlegt, dass man keine künstlichen lebensverlängernden Maßnahmen nach Unfall oder schwerer Erkrankung wünscht, um nicht chronisch zu leiden, steht in keinem Widerspruch zu einer Organspende, wenn diese nicht definitiv in der Patientenverfügung ausgeschlossen ist. Die Beatmung des Körpers nach dem festgestellten Hirntod führt nicht dazu, dass dem Verstorbenen Schmerzen oder Leiden zugeführt werden und wird nur für wenige Stunden bis zur Organentnahme aufrechterhalten.

Quelle: ntv.de

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