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Bilderserie: Real Madrid - internationale

 
Bernd Schuster hat in Madrid als Spieler nur nationale Titel gewonnen. Jetzt will er als Real-Coach den bisher neun Titeln im Landesmeister-Wettbewerb den zehnten folgen lassen.

Bernd Schuster hat in Madrid als Spieler nur nationale Titel gewonnen. Jetzt will er als Real-Coach den bisher neun Titeln im Landesmeister-Wettbewerb den zehnten folgen lassen.

Er steht unter Druck, denn nirgendwo auf der Welt bekommen Trainer das Leitmotiv der Erfolgreichen so gnadenlos zu spüren wie in der spanischen Hauptstadt: "Tradition verpflichtet."

Schusters Luxus-Elf ist den gleichen Erwartungen ausgesetzt wie die anderen galaktischen Teams in den Vorjahren.

Denn bei den "Königlichen" hat sie schon ...

... seit Jahrzehnten ihre Berechtigung, die seichte Lieblingsfloskel der Mittelmäßigen:

"Der Star ist die Mannschaft." Nie war das in Madrid deutlicher als zu Beginn des neuen Jahrtausends.

Madrid war und ist Europas erste Adresse für die führungsstärksten Superstars weltweit.

Hin und wieder wurde das sogar mal zum Problem, weil nur noch Häuptlinge auf dem Platz standen.

Allerdings schafften es auch immer wieder viele Spanier und Madrilenen in die Stammelf bei Real. Darauf ist der Verein ebenso stolz wie auf seine Anziehungskraft für die internationale Elite.

Es gibt klare Regeln: Wer zum Fußball-Spielen nach Spanien kommt, geht entweder nach Barcelona oder eben nach Madrid.

Natürlich ist bei der Integration der vielen Fußball-Diven in das "weiße Ballett" Toleranz und Fingerspitzengefühl gefragt, nicht nur von der Klubleitung der "Königlichen".

Schließlich muss der Trainer nicht nur die sportlichen Belange im Blick behalten, sondern auch darauf achten, dass sich zum Beispiel der Metrosexuelle nicht mit dem "Latin Lover" anlegt. Wichtigste Leitlinien sind: "Ruhe auf dem Platz" und "Friede in der Umkleidekabine".

Immerhin ist die tägliche Ganzkörperrasur noch nicht in allen Sportarten und Kulturen etabliert.

Bis vor wenigen Jahren sollen praktizierende Totalrasur-Pioniere auch in noch so progressiv geführten, britischen Männerumkleiden von ihren Mannschaftskameraden gemobbt worden sein.

Einige wechselten daraufhin nach Spanien, denn dort, bei den "Königlichen", ist das kein Problem. Real Madrid hat nämlich andere Probleme:

Real hatte mit seinem teuren Kader in jüngster Zeit international keinen Erfolg.

Der letzte Titel in der Champions League stammt aus dem Jahr 2002. Damals schlugen die favorisierten Spanier Bayer Leverkusen in einem mittelmäßigen Finalspiel.

Michael Ballack feierte damals im Hampden Park von Glasgow seinen dritten von insgesamt vier Vize-Titeln ...

... in dem Sommer, als die Bayer-Elf unter Trainer Klaus Toppmöller und mit Mittelfeld-Ass Ballack das Finale erreichte.

Zuvor war er schon deutscher Vize-Meister und Vize-Pokalsieger geworden, einige Wochen später wurde er noch Vize-Weltmeister, obwohl er im Finale gar nicht auf dem Platz stand.

Den Champions-League-Titel 2002 entriss ihm Superstar Zinedine Zidane durch sein entscheidendes Tor zum 2:1 in der 45. Minute.

Das war's dann aber auch erstmal mit der realen Herrlichkeit. Seit fünf Jahren ist kein europäischer Titel mehr dazu gekommen, und auch national lagen vier dürre Jahre vor dem Titel in der Saison 2006/07.

Dabei fing bei Real wirklich alles ganz großartig an:

Nur zwei Jahre dauerte es, bis der Klub national zum ersten Mal von sich reden machte: Der 1902 offiziell gegründete Verein vertrat Spanien bei der Gründung der Fifa 1904 in Paris.

1905 folgte der erste Titel: Die Copa del Rey - damals die einzige gesamtspanische Meisterschaft - ging nach Madrid. Es folgten vier weitere Siege im Wettbewerb um den nationalen Pokal.

1920 wurde Madrid königlich. Der spanische König (erste Reihe, vierter v.l.) ...

... Alfonso XIII. (hintere Reihe, 2.v.r.) erlaubte den Fußballern, den Zusatz Real (spanisch für königlich) in den Vereinsnamen aufzunehmen.

Nach dem Bürgerkrieg (1936 - 1939) stand der Verein vor der Auflösung, viele Spieler ließen in den Gefechten ihr Leben, das Vereinsheim war ausgebombt, und das Stadion zu Feuerholz zerkleinert. Der Vereinsbetrieb lief erst mal gar nicht.

1928 wurde die spanische Liga gegründet. 1931/32 ging der Titel erstmals nach Madrid. Dort ging es schon damals sehr international zu. Die Mannschaft wurde vom Ungarn Lippo Hertza trainiert, sportlicher Leiter war Santiago Bernabéu. Der wurde 1943 ...

... zum Präsidenten gewählt und blieb es bis zu seinem Tod 1978. Er beschloss den Bau einer neuen Arena.

Das heutige Santiago-Bernabéu-Stadion fasste damals 120.000 Zuschauer und war die größte Fußball-Stätte der damaligen Zeit.

Bernabéu galt Kritikern als „geisteskranker" Visionär, sein Stadionprojekt als nicht "REALisierbar", doch mit der Arena war auch die finanzielle Basis für die Verstärkung des Kaders geschaffen.

1953 begannen die erfolgreichsten Jahre in der Vereinsgeschichte: Der Argentinier Alfredo Di Stéfano (2.v.r.) schoss in der Saison 1953/54 27 Tore und war maßgeblich am Gewinn des ersten nationalen Titels seit 21 Jahren beteiligt.

Gemeinsam mit Ferenc Puskas (l.) und dem "weißen Ballett" ließ ...

... Di Stéfano (r.) bis 1964 sieben weitere Titel folgen. Doch die ganz großen Siege waren die fünf Finaltriumphe im Europapokal der Landesmeister zwischen 1956-1960.

Real Madrid ist bis heute der einzige europäische Fußballverein, der in seiner Trophäensammlung ein Originalexemplar des Pokals der Landesmeister ausstellt.

1966 gewann der Klub zum sechsten Mal den Europapokal der Landesmeister. In dem jungen Team waren keine internationalen Superstars: Alle Spieler kamen aus Spanien - der Star war die Mannschaft.

1971 erreichte Madrid das Endspiel im Europapokal der Pokalsieger, musste nach einem 1:1 im Finale gegen den FC Chelsea zum Wiederholungsspiel antreten und unterlag mit 0:1. Das würde den Engländern auch in dieser Saison gefallen.

Zwischen 1970 und 1980 gewann Real insgesamt sechs Mal die spanische Meisterschaft. Angeführt wurde das Team dabei auch von Schlüsselspielern aus Deutschland: Günter Netzer, ....

.... Paul Breitner und ...

... Ulrich Stielike konnten aber keinen internationalen Titel mit Real Madrid feiern.

1981 war das Jahr der Garcías. Madrid erreichte das Finale des Pokals der Landesmeister, unterlag aber dem FC Liverpool mit 0:1. Im Kader von "Madrid de los Garcías" hatten sechs Spieler den gleichen Nachnamen - der Star war García.

Die beiden Uefa-Cup-Siege 1985 und 1986 beendeten die Durststrecke Reals im internationalen Geschäft, und vor Einführung der Champions-League war dieser Pokalsieg auch sportlich noch etwas wert.

Zwischen 1985 und 1990 gewann Madrid fünf nationale Titel, allerdings verpasste auch der heutige Coach Bernd Schuster ...

... in der spanischen Hauptstadt internationale Meriten und damit auch die ganz großen Feten.

Für den satten Klub folgten sieben dürre Jahre mit nur einem nationalen Erfolg und internationalen Pleiten. Nachdem Fabio Capello im Sommer 1996 endlich begonnen hatte ...

... mit Spielern wie Pedrag Mijatovic (Mitte),

... Clarence Seedorf, ...

... Christian Panucci (3.v.l.), ...

... Bodo

Illgner, ...

... und Roberto Carlos den Kader zu verstärken und umzubauen, folgte 1997 wieder ein Meistertitel.

1998 gelang die Rückkehr auf den europäischen Thron, ...

.... als das Team im Finale Juventus Turin mit 1:0 bezwang.

Trainer Jupp Heynckes hatte nicht viel von seinem Erfolg, er wurde nach dem Sieg über den favorisierten Finalisten der Vorjahre 1996, 1997 und 1998 von den Fans kurz gefeiert und von der Klubführung kurzerhand gefeuert.

Es folgten fünf sehr gute Jahre für die Königlichen.

Real Madrid wiederholte den Erfolg von 1998 im Jahr 2000 mit dem 3:0-Finalsieg gegen Valencía und 2002 mit dem Triumph über Bayer Leverkusen.

Doch das ist fünf Jahre her. Die Mannschaft ist zwar trotz der verrenteten Leistungsträger noch immer galaktisch, ....

... doch die europäischen Titel gewinnt der Konkurrenzklub aus Barcelona.

Trotzdem: Die Titelsammlung von Real Madrid ist einzigartig: 29 spanische Meistertitel, 17 Pokalsiege, neun Siege im Europapokal der Landesmeister bzw. der Champions League und zwei Siege im UEFA-Pokal.

Außerdem wurde der Verein im Jahr 2000 von der Fifa offiziell als "Bester Fußballclub des 20. Jahrhunderts" geehrt. Wer in der Champions League an Real Madrid scheitert, der muss sich deshalb wirklich nicht schämen. Das ist anderen Teams auch schon passiert.

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