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Auch an heißen Sommertagen sehr erfrischend: Tee aus Pfefferminze, Grüner Minze oder Marokkanischer Minze.
Auch an heißen Sommertagen sehr erfrischend: Tee aus Pfefferminze, Grüner Minze oder Marokkanischer Minze.(Foto: imago/Westend61)
Samstag, 08. Juli 2017

Minthe aus der Unterwelt: In aller Munde

Von Heidi Driesner

Sie duftet betörend und ist schön anzusehen, hat einen starken und unverwüstlichen Charakter. Wir denken nicht darüber nach, wenn wir sie benutzen – und zwar täglich! Ihr Name aber erinnert an tödliche Eifersucht.

Alles in unserem Leben hat eine Geschichte, auch Kräuter und Gewürze, mit denen wir das Essen schmackhafter machen. Ob die Histörchen immer stimmen, darf bezweifelt werden – lesenswert sind sie meistens. Mal sind die Sagen lustig, mal traurig, mitunter anrüchig oder total verworren; manchmal existieren verschiedene Varianten, die einander auch völlig widersprechen können. Nehmen wir mal die Minze – das Kraut ist schließlich aus unserem Leben nicht wegzudenken. Ihr mentholartiger Duft ist unverwechselbar, der kühle Geschmack der Inbegriff der Frische: Zahncreme und Mundwasser, Kaugummis und Bonbons kommen ohne Minze nicht aus. Tee aus ihren Blättern hilft bei Bauchweh und als Füllung in hauchdünnen Schoko-Plätzchen wurde sie zu einer Berühmtheit. Doch wer weiß schon, woher sie ihren Namen hat?  

Anmutig wie die Nymphe Minthe: Eine Blüte der Krausen Minze.
Anmutig wie die Nymphe Minthe: Eine Blüte der Krausen Minze.(Foto: imago/Manfred Ruckszio)

Die Pflanzengattung Mentha bekam ihren Namen von der griechischen Nymphe Minthe. Der sexbesessene Hades, seines Zeichens Gott der Unterwelt, begehrte die wunderschöne Minthe, verfolgte sie auf Schritt und Tritt und machte sie schließlich zu seiner Geliebten – sehr zum Missfallen seiner Gattin Persephone. Diese war einst von Hades in die Unterwelt entführt worden, da keine Göttin freiwillig mit dem finsteren Gesellen zusammen leben wollte; Zeus bestimmte deshalb, dass Persephone immer wieder mal nach oben zu ihrer Mutter Demeter durfte. Nach dem Urteil des Göttervaters musste Hades stets ein halbes Jahr ohne seine Gattin auskommen. Nichtsdestotrotz war Persephone fürchterlich eifersüchtig, in diesem Falle auf die schöne Minthe. Ihre Rache, die sich natürlich wieder mal nicht gegen ihren abscheulichen Gatten, sondern gegen die unschuldige Nymphe richtete, war fürchterlich: Persephone verfluchte Minthe und verwandelte sie in eine Kriechpflanze, die mit Füßen getreten wurde und die dazu bestimmt war, im Schatten zu leben.

Hades milderte das Schicksal von Minthe, indem er der Pflanze einen wunderbaren Duft gab, der verströmte, sobald Minthe getreten wurde. In einer anderen Geschichten-Variante war es Demeter, Göttin der Fruchtbarkeit, die die Nymphe in Stücke riss und diese am Berg Pylos verstreute. Hades, im Dauerclinch mit seiner Schwiegermutter, gab auch hier der Minthe diesen unbeschreiblich aromatischen Wohlgeruch, der Menschen und Götter gleichermaßen betört. Mentha-Arten bevorzugen auch heute noch schattige Plätze, sind als duftender Bodendecker beliebt und erfreuen uns mit ihrem Aroma.

Ist Minze auch immer Pfefferminze?

Egal, ob eifersüchtige Gattin oder rasende Schwiegermutter – die Herkunft des Namens dürfte geklärt sein. Bleibt die Frage nach dem Unterschied zwischen Minze und Pfefferminze und ob es überhaupt einen gibt. Die Frage ist berechtigt, denn beide Bezeichnungen werden oft synonym verwendet, doch beileibe nicht jede Minze ist eine Pfefferminze. Von Minze zu Minze bestehen gravierende Unterschiede. Zur Mentha-Gattung gehören etwa 30 unterschiedliche mehrjährige Arten, von denen viele auch in Europa heimisch sind.

Die Pfefferminze ist ein natürlicher Hybrid und kein Resultat menschlicher Züchtung. Irgendwann im England des 17. Jahrhunderts wurde diese Mentha x piperita, die aus einer zufälligen Kreuzung zwischen der Wasserminze (Mentha aquarita) und der Grünen Minze (Mentha spicata) entstanden war, entdeckt und erstmals beschrieben. Sie wird deshalb mitunter auch Englische Minze genannt. Die Pfefferminze ist ein sogenannter steriler Bastard: Ihre Blüten bilden keinen Samen aus und die Pflanze kann nur über Teilung und Stecklinge vermehrt werden. Das ist aber absolut kein Problem, denn wer einmal Pfefferminze im Garten hatte weiß, dass sich die urwüchsige Pflanze stark durch unterirdische Ausläufer verbreitet, die sich gut zur Teilung eignen.

Auch die Grüne Minze selbst entstand durch Hybridisierung von verschiedenen Minzearten. Diese Kombinationen von unterschiedlichen Minzen, findet man in der gesamten Gattung, deshalb ist eine Abgrenzung der einzelnen Arten mitunter schwierig.

Jedem seine Lieblingsminze

Eine der Stammformen all unserer Minzen: die Grüne Minze.
Eine der Stammformen all unserer Minzen: die Grüne Minze.(Foto: imago/Karl Schöndorfer )

All die Jahrhunderte hindurch wurde und wird Minze sehr geschätzt, vor allem im Nahen Osten und in Nordafrika. Lange Zeit wurde sie als Allheilmittel gegen Verdauungsprobleme geschätzt. Die Ägypter legten Minze-Zweige dem Pharao auf seiner letzten Reise ins Grab; vielleicht gegen Blähungen im Jenseits, wer weiß das schon. Vermutlich war das die Grüne Minze oder ihre krause Version "crispata". Alle Minzen enthalten ätherische Öle, zumeist ist das Menthol, aber nicht immer. Durch Menthol entsteht auf der Haut oder im Mund ein frisches Gefühl. In heißen Ländern wird Minze oft in Türeingänge gehängt, um den Eindruck von Kühle zu vermitteln. Apropos Mund: Wieso gibt es Kaugummi "Peppermint" und Kaugummi "Spearmint"? Sind doch beide "minzig". Der Unterschied liegt ganz einfach in der Geschmacksrichtung. "Spearmint" ist die englische Bezeichnung für die Grüne Minze, sie ist milder als die Pfefferminze ("Peppermint") mit ihrem hohen Gehalt an Menthol, die dadurch pfeffrig-scharf schmeckt. Wer einen natürlichen Minzegeschmack haben will, kaut auf Spearmint herum, wer einen langen Frischeatem im Mund erzeugen will, entscheidet sich für halt Peppermint.

Hat den höchsten Mentholgehalt von allen: die Pfefferminze.
Hat den höchsten Mentholgehalt von allen: die Pfefferminze.(Foto: imago/Manfred Ruckszio)

Bei den Minzen findet jeder seinen Lieblingsgeschmack. Die Grüne Minze (auch die krause Varietät) enthält also weniger Menthol als die Pfefferminze, erinnert aber darüber hinaus im Geschmack ein wenig an Kümmel. Die Orangenminze riecht nach Orangenblüten, die Apfelminze duftet nach frischen Äpfeln. Die Namen sagen aus, wonach die Minze neben dem typischen Pfefferminzgeschmack noch schmeckt: Schoko-, Ananas- oder Erdbeerminze. Ich hatte sie alle schon mal in meinem Garten und musste feststellen, dass nicht alle Sorten winterfest sind. Vielleicht lag es auch nur an meiner zu trockenen Erde in meinem zu sonnigen Garten, dass sich die Minzen mit den exotischen Namen recht schnell von mir verabschiedeten. Denn Minzen lieben wie die Unterweltsnymphe Minthe immer noch einen schattigen Ort in feuchter Erde. Außerdem gehört wahrlich viel Fantasie dazu, aus den Minzeblättern einen Ananas- oder Erdbeergeschmack herauszukauen. Reibt man an den Blättern, duften sie wirklich so – aber schmecken? Na ja.

Von Bananen- und bis zur Rossminze

Ganz neu auf dem Minzen-Markt: die Bananenminze. Wer sich für Marokkanische, Nana- oder Mojito-Minze entscheidet, entscheidet sich richtig. Das sind alles Varianten der Grünen Minze. Sie sind für Tees, Cocktails und "Hugo", für Süßspeisen, Salate und pikante Gerichte gleichermaßen gut geeignet. Die stark aromatische Pfefferminze wäre hier falsch, sie ist zu dominant und beispielsweise besser zur Herstellung von Likör geeignet.

Die Rossminze schmeckt übrigens nicht nach Pferd, sondern riecht unangenehm nach Petroleum. Sie ist nicht giftig, sondern essbar, aber das will eigentlich niemand, denn sie schmeckt streng und muffig. Aus der Ackerminze wird Minzöl gewonnen, das als japanisches Heilpflanzenöl bekannt ist, aus der Pfefferminze hingegen Pfefferminzöl. Auch Katzenminze ist eine Art der Mentha-Gattung. Sie heißt so, weil sie anziehend auf Katzen wirkt. Warum das so ist, weiß keiner genau, zumal längst nicht alle Katzen darauf reagieren. In vergangenen Jahrhunderten wurde Katzenminze auch zu Heil- und Würzzwecken eingesetzt. Heute hat Katzenminze keine wirtschaftliche Bedeutung mehr und kommt höchstens noch als Catnip in Katzenspielzeugen zum Einsatz.

Die Ingwer-Minze ist stark aromatisch und riecht eigentlich wie die Grüne Minze. Bedeutung hat sie vor allem wegen ihrer gelb-geflammten Blätter als kräftiger Farbtupfer im Gartengrün. Die Zitronen-Minze wird auch Eau-de-Cologne-Minze genannt, weil sie in der Sonne einen starken Eau-de-Cologne-Duft abgibt. Sie hat aber einen feinen Zitronengeschmack und wird daher für mit Honig gesüßte Tees verwendet. Oder aber wegen ihres Geruchs in Duft-Potpourris. Zum Kochen ist sie wie viele der vorgestellten Minze-Arten allerdings ungeeignet.

Allzu viel ist ungesund

Frittata alla menta: Omelette mit Minze ist in Süditalien sehr beliebt.
Frittata alla menta: Omelette mit Minze ist in Süditalien sehr beliebt.(Foto: imago/Michael Eichhammer)

Allgemein gilt: Vor allem die Edel-Minzen mit ihrem milden Aroma sollten nicht mitgekocht oder überbrüht, sondern lieber frisch gehackt im Gericht verwendet werden. Die kräftige Pfefferminze hält da schon eher was aus – sonst müssten wir ja auf unseren beliebten Pfefferminztee verzichten! Zu Recht gilt Minze als heilsames Allroundtalent, besonders für Magen und Darm. Gerbstoffe, Bitterstoffe und das ätherische Öl sind harn- und schweißtreibend und wirken nachweislich krampflösend, beruhigend und schmerzlindernd.

Allerdings kann der Effekt ins Gegenteil umschlagen, wenn man zu viel davon trinkt. Schon bei täglich 4 Tassen kann das Menthol angegriffene Magenschleimhäute zusätzlich reizen. Kein Wunder also, wenn einem dann erst richtig schlecht wird! Auch für Säuglinge, Kleinkinder und Schwangere ist Minze wegen ihres Menthol-Gehalts nicht zuträglich. Vor allem bei der ziemlich bitter schmeckenden Polei-Minze, früher durchgängig als Heilmittel verwendet, sollte man vorsichtig sein, denn ihr ätherisches Öl enthält giftiges Pulegon, das Magen, Haut und Schleimhäute reizt und zu Krämpfen führen kann. Diese Art eignet sich eher für den Garten, sie ist nämlich ein guter trittfester Bodendecker, der einen pfefferminzähnlichen Geruch verströmt.

Abgesehen von Getränken und süßen Verführungen finden Minzen hierzulande als duftendes Küchengewürz viel zu wenig Verwendung. Nur wer gerne asiatisch oder orientalisch kocht, nutzt die Würzkraft der Minze zum Beispiel bei Fleischgerichten, Couscous, Tabouleh oder Suppen. Auch die englische Mintsauce oder das indische Mintchutney gäbe es ohne Mentha nicht. Minze passt zu Gerichten aus Lamm und Ziege sowie zu Hackfleisch, zu Fisch wie Scholle und Kabeljau. Kombinationen mit Knoblauch und Petersilie sind sehr lecker. Vor allem Vegetarier wissen das Aroma von Minze zu schätzen, denn die würzige Frische veredelt zahlreiche Speisen: Joghurtsuppen und -Dips, Gemüse wie Erbsen, Auberginen, Zitrone und Zucchini.

Sommersuppe mit Minze

Zubereitung:

Zutaten (4 Pers):

600 g grüne Erbsen (Tiefkühlware)
250 ml Gemüsebrühe
250 ml fettarme Milch
100 ml Schlagsahne
2 EL Rapsöl
1 Knoblauchzehe
2-3 Zweige Grüne Minze
Salz, weißer Pfeffer aus der Mühle
bei Bedarf 1 TL Speisestärke

Die Knoblauchzehe pellen und pressen. Das Öl in einem Topf erhitzen (nicht zu heiß) und den Knoblauch darin kurz andünsten. Er sollte keine Farbe annehmen. Die Erbsen hineingeben und leicht mit anbraten. Mit Brühe und Milch ablöschen. Die Hälfte der Minzeblättchen abzupfen, klein schneiden und in die Suppe geben. Aufkochen und 10 Minuten bei geringer Hitze leicht sieden lassen. Dann 2 Siebkellen gegarte Erbsen aus der Suppe nehmen und beiseite legen. Nun die verbliebenen Erbsen in der Suppe mit einem Mixstab fein pürieren. Zum Schluss die süße Sahne unterrühren. Wer die Suppe sämiger haben möchte, löst zuvor 1 TL Speisestärke in der Sahne auf. Die beiseite gestellten Erbsen als Suppeneinlage wieder in den Topf geben und alles nochmals erhitzen. Die restlichen Minzeblättchen klein schneiden und in die Suppe geben. Mit Salz und wenig weißem Pfeffer abschmecken.

Guten Appetit wünscht Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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