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Viel Licht, viel Schatten: DFB-Elf in der Einzelkritik

 

Im ersten Spiel nach seiner Vertragsverlängerung deutete für Bundestrainer Joachim Löw zunächst alles auf einen schönen Abend in Kopenhagen hin. Nach erfolgreicher Flucht vor dem Regen ...

... stimmte die Pose sofort wieder, auch der Pulli um die Schultern war perfekt geknotet.

Und als nach 73 Minuten Mario Gomez und Patrick Helmes getroffen hatten, die Dänen hingegen noch nicht, ...

... da schien der Auswärtssieg nur noch Formsache.

Dass dem Bundestrainer wenig später dennoch die Gesichtszüge derart entgleisten, als ob ihm jemand heimlich eine Kernseife in den Kulturbeutel geschmuggelt hätte, lag natürlich an den beiden Toren für Dänemark.

Es lag aber auch daran, dass beide Tore von DFB-Kickern vorbereitet worden waren, weshalb das Muster ohne Wert vielleicht doch nicht wertlos ist. Die Löw'sche Notelf in der Einzelkritik.

Tim Wiese: Bewahrte sein Team in seinem dritten Länderspiel mit einigen Glanzparaden zunächst vor Gegentreffern, ...

... sah beim Ausgleich aber nicht gut aus. Anders ausgedrückt: Wiese gab die Vorlage zum 2:2. Ärgerlich für ihn, da er zuvor sehr konzentriert und reaktionsschnell agiert hatte.

Zeigte bis zu seinem Patzer mit einer sehr starken Leistung, dass auf ihn Verlass und er im Kampf um die Nummer eins durchaus eine Alternative ist.

Eigentlich ….

Andreas Beck: Steigerte sich nach anfänglichen Schwierigkeiten. Hatte seine Seite ordentlich im Griff und schaltete sich vor allem in der ersten Hälfte immer wieder nach vorne ein. Oftmals fehlte aber die Präzision. So kein Anwärter auf die erste Auswahl, sondern weiterhin nur ein Streichkandidat.

Jerome Boateng: Die Versetzung von der linken Außenbahn wie bei der WM auf seine Lieblingsposition in der Innenverteidigung gab Boateng keine Sicherheit. Die Neuerwerbung von Manchester City zeigte immer wieder Probleme, auch im Stellungsspiel. Konnte seine Nebenleute folglich nicht wie erhofft dirigieren.

Serdar Tasci: Der Stuttgarter, der bei der WM nur eine Minute im Einsatz war, zeigte eindrucksvoll, warum er möglichst nicht mehr als eine Minute spielen sollte. Agierte wenig souverän, zeigte Fehler im Aufbau und teils schlechtes Zweikampfverhalten. Zudem mit einem kapitalen Fehlpass vor dem 1:2. Durfte zuvor trotzdem vom ausgewechselten Hitzlsperger die Kapitänsbinde übernehmen. Fazit: Wäre er kein Stuttgarter, wäre er kein Nationalspieler.

Marcel Schäfer: Nach hinten mit Schwächen, offensiv ohne Ideen. So keine echte Alternative. Ließ sich in der Defensive einige Male überlaufen, war nach vorn nur treffsicher beim Abklatschen. Konnte keine Pluspunkte sammeln.

Christian Gentner: Nach ungestümem Beginn fand er über Zweikämpfe immer besser ins Spiel. Starke Balleroberung, viel unterwegs, schöner Pass zum 2:0. In dieser Form dennoch keine Gefahr für die etablierten Schweinsteiger, Khedira oder Ballack auf der Sechser-Position.

Thomas Hitzlsperger: Als Kapitän mit vielen Ballkontakten, großes Pensum und einige kluge Pässe. Einer davon führte zum 1:0 durch Gomez.

Hat sein WM-Trauma offensichtlich schnell überwunden. Gute Vorstellung.

Christian Träsch: Viel unterwegs, aggressiv in den Zweikämpfen und immer anspielbar. Spielte wie ein Mittelfeldabräumer, war vom Bundestrainer aber überraschend auf der offensiven Außenposition aufgeboten worden.

War dort überfordert. Offenbarte Probleme im Spielaufbau, war offensiv zu fahrig und ließ die nötige Ruhe und Übersicht vermissen. Einsatzfreude allein reicht nicht für mehr. Immerhin ist Träsch Stuttgarter.

Toni Kroos: Bot sich immer wieder an und war bemüht, das Spiel zu lenken und schnell zu machen. Es gelang allerdings nicht immer. Dennoch deutete er sein großes Potenzial an und zeigte auf der Özil-Position gute Ansätze.

Marko Marin: Rannte sich bei seinen Dribblings immer wieder fest, muss einfach schneller abspielen. Auch sonst mit einigen unglücklichen Aktionen. Nach schwacher Leistung vorzeitig raus. Chance vertan.

Mario Gomez: Hatte zunächst gegen Dänemarks Abwehr einen ganz schweren Stand.

Erzielte dann aber in der 19. Minute das 1:0 in Torjäger-Manier.

Insgesamt aber erneut nicht überzeugend und mit zu wenig Bewegung. Vergab zwei weitere Großchancen in im Nationaltrikot gewohnter Mario-Gomez-Manier leichtfertig.

Sascha Riether: Kam in der 56. Minute für Beck zu seinem Debüt. Der 40. Neuling der Ära Löw ließ auf seiner Seite nicht mehr viel anbrennen, konnte aber auch nicht viel Werbung für sich machen.

Aaron Hunt: Führte sich mit schönem Distanzschuss (60.) prima ein. Sörensen lenkte den Ball an den Pfosten. Insgesamt ein belebendes Element auf dem Flügel. War dort wie zu erwarten besser aufgehoben als Defensivmann Träsch. Ist aber kein Löw-Liebling und spielte auch nicht so groß auf, dass er nun einer wird.

Patrick Helmes: Erstes Länderspiel seit April 2009 - und gleich wieder Torschütze. Der Leverkusener kommt nach seinem Kreuzbandriss nicht nur im Verein wieder in Fahrt und zeigt schon wieder alte Knipser-Qualitäten.

Christian Schulz: Wurde in der 78. Minute eingewechselt, setzte in seinem vierten Länderspiel nach fünf Jahren Pause aber keine Akzente mehr. Eine erneute Rückkehr ins Nationalteam scheint für den Rückkehrer ausgeschlossen. Es sei denn, er wechselt von Hannover zum VfB Stuttgart.

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