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Sonntag, 30. Januar 2011

"Der Schiedsrichter war grottenhaft": Die Bundesliga in Wort und Witz

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Nuri Sahin war einfach nur glücklich nach dem 3:0 von Borussia Dortmund beim VfL Wolfsburg: "Das war unser zehnter Auswärtssieg, das ist wirklich Weltklasse. Wir haben heute gegen einen starken VfL richtig gut gespielt." (Foto: dpa)

Nuri Sahin war einfach nur glücklich nach dem 3:0 von Borussia Dortmund beim VfL Wolfsburg: "Das war unser zehnter Auswärtssieg, das ist wirklich Weltklasse. Wir haben heute gegen einen starken VfL richtig gut gespielt."

Nuri Sahin war einfach nur glücklich nach dem 3:0 von Borussia Dortmund beim VfL Wolfsburg: "Das war unser zehnter Auswärtssieg, das ist wirklich Weltklasse. Wir haben heute gegen einen starken VfL richtig gut gespielt."

Auch der restliche Teil seiner Spielanalyse fiel äußerst realistisch aus: "Ich mag Wolfsburg sehr, aber ich glaube, die mögen mich hier nicht so sehr."

Da könnte etwas dran sein, schließlich hatte Sahin das 1:0 durch Lucas Barrios (r.) eingeleitet, …

… das 2:0 selbst erzielt …

… und schließlich auch noch Mats Hummels, dem Torschützen zum 3:0, vorbildlich bedient.

Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller zeigte sich überrascht von der Höhe des Erfolgs, hatte aber eine einleuchtende Erklärung dafür: "Wolfsburg hat ein starkes Team, aber es hat für sie nicht gereicht, weil wir noch stärker waren."

Das sah auch Wolfsburgs Noch-Trainer Steve McClaren so: "Dortmund war das beste Team, gegen das wir in dieser Saison gespielt haben. Wir hatten viele Probleme mit Verletzten, und man hat heute gesehen, dass unser Kader zu dünn besetzt ist." Wie gut, dass McClaren vielleicht in Kürze Schalkes Chef-Ethiker Jefferson Farfan in der Autostadt begrüßen kann.

Auch BVB-Trainer Jürgen Klopp mochte nicht mosern: "Ich bin sehr zufrieden damit, wie wir hier aufgetreten sind. Die Mannschaft hat richtig, richtig gut gespielt. Sie hat in keiner Phase nachgelassen und ist dafür belohnt worden."

Arne Friedrich ist zwar Wolfsburger, stimmte aber dennoch zu: "Dortmund spielt momentan in einer anderen Liga als der Rest der Bundesliga." Das lässt sich über die Wolfsburger Abwehr, in der bekanntlich Friedrich spielt, allerdings auch sagen.

Richtig, richtig "glücklich über meine beiden ersten Bundesliga-Tore" ...

... war am 20. Spieltag St. Paulis Charles Takyi: "Drei Punkte und zwei Tore. Einfach super." Stimmt.

Weil auch noch Florian Bruns per Elfmeter traf, stand es am Ende gegen desolate Kölner sogar 3:0.

"Es gibt Tage, an denen es nichts zu beschönigen gibt. Wir haben ein ganz, ganz schwaches Spiel gemacht und auch in der Höhe verdient verloren."

"St. Pauli hat uns ein Lehrbeispiel dafür gegeben, wie man in so einem Abstiegsduell auftreten muss." Falls das in Ihren Ohren resigniert klingt, täuscht sie ihr Eindruck nicht. Denn diese weisen Worte stammen von Frank Schaefer, Köln-Trainer von Beruf.

"Keinen Grund zur Euphorie" sah Pauli-Trainer Holger Stanislawski (r.). Zufrieden war er trotzdem: "Wir haben fast die komplette Partie eine große Dominanz gezeigt. Die Leistungskurve zeigt in die richtige Richtung."

Schonungslos fiel die Analyse von Schalke-Trainer Felix Magath nach der zweiten 0:1-Niederlage im zweiten Heimspiel der Rückrunde aus. "Es war eine enttäuschende Leistung, für die wir auch keinen Punkt verdient hatten."

"Hoffenheim hat wenig zugelassen", fand Magath.

Er wusste allerdings auch genau, warum das so war: "Wir haben auch wenig versucht." Warum aber wiederum das so war, wusste er nicht: "Direkt nach dem Spiel habe ich auch keine Erklärung dafür."

Schalke-Torhüter Manuel Neuer, der viermal in höchster Not retten musste, als seine Abwehr längst ausgespielt war, ...

... fügte lakonisch hinzu: "Das war wohl nix. Das Problem ist schon während der ganzen Saison, dass wir nach ordentlichen Spielen die Leistungen nicht bestätigen können."

Die Jagd auf Europa haben sie in Gelsenkirchen vor dem Gastspiel beim Tabellenführer aus Dortmund, der doppelt so viele Punkte hat, wieder abgeblasen.

Hoffenheims Coach Marco Pezzaiuoli genoss den Triumph auf Schalke besonders, weil er nach dem Pokalaus in Cottbus Balsam auf die geschundene 1899-Seele und zugleich sein erster Pflichtsieg als Chefcoach war. "Wir haben es über 90 Minuten geschafft, zu Null zu spielen. Wir waren sehr dominant, sehr kompakt, hatten ein sehr gutes Positionsspiel und haben wenig zugelassen."

In Nürnberg freuten sich nach Spielende die Gastgeber.

Und besonders freute sich Gastgeber-Coach Dieter Hecking über das 2:0 gegen den Hamburger SV.

"Heute muss man der Mannschaft einfach ein Kompliment machen, wie sie die letzten Belastungen und die Pokalenttäuschung gegen Schalke weggesteckt hat. Die Mannschaft hat sich reingebissen in die Partie, das war klasse."

Extralob gab es auch noch, für einen Belgier: "Timmy Simons hat sich bei den Elfmetern bislang immer versteckt, heute haben wir ihn beim 1:0 reingeschoben."

Warum er den jungen Markus Mendler überraschend in die Startelf beordert hatte, konnte Hecking auch recht schlüssig erklären: "Das ist mir am Morgen im Bett durch den Kopf geschossen, manchmal hat man im Bett die besten Einfälle."

"Das zeigt, dass ich länger im Bett bleiben sollte", entgegnete HSV-Coach Armin Veh. Fatalerweise war das der beste Hamburger Konter am 20. Spieltag.

Die bis dahin beste Rückrundenmannschaft (zwei 1:0-Siege) agierte in Nürnberg einfach nur lasch, fand Veh: "Ich dachte, dass wir 200 Minuten in den Knochen haben."

In Bremen spuckte Kapitän Torsten Frings Gift und Galle, als die Partie gegen den FC Bayern abgepfiffen und mit dem 1:3 der Bremer Verbleib in der akuten Abstiegszone besiegelt war.

"Der Schiedsrichter war grottenhaft. Da fällt man vom Glauben ab", fand Frings, der gern so schnörkellos redet wie er spielt.

Er spielte damit auf eine Szene in der 67. Minute an, als sich Neu-Bayer Luiz Gustavo im eigenen Strafraum für die deutsche Handball-Nationalmannschaft empfahl, was dem Schiedsrichter aber keinen Elfmeter wert war.

"Bei einem 3:1 denkt man, die Bayern haben klar gewonnen. Aber das Gegenteil war der Fall", fand Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs: "Man muss in einem Spiel auch ein bisschen Glück haben und die richtigen Entscheidungen müssen getroffen werden. Dass wir keinen Handelfmeter bekommen haben, ist absolut lächerlich. Der Linienrichter steht 20 Meter entfernt und sieht das nicht."

Coach Thomas Schaaf haderte lieber damit, dass seine Mannschaft zwar "eine gute Reaktion auf die 0:3-Niederlage gegen Köln gezeigt", nach dem technisch anspruchsvollen 1:0 durch Per Mertesacker aber nicht mehr Druck aufgebaut hatte. Fazit Schaaf: "Am Ende haben wir unglücklich verloren."

Bayern-Coach Louis van Gaal sah das naturgemäß anders, da von ihm trainierte Mannschaften per se den schöneren Fußball spielen und deshalb, sofern es denn mal soweit kommt, immer unverdient verlieren. Eine weitere Maxime, der van Gaal eisern folgt, lautet: Spare nicht mit Eigenlob.

Diesmal klang das so. "Bremen war in den ersten 20 Minuten stärker. Aber dann haben wir taktisch etwas umgestellt und wurden besser. Nach dem 0:1 zu Beginn der zweiten Hälfte hat meine Mannschaft den Druck erhöht und bedeutend aggressiver gespielt."

"Am Ende haben wir verdient gewonnen. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft." Uli Hoeneß hatte bei diesen Worten sicher Tränen in den Augen, Sportdirektor Christian Nerlinger folglich auch.

Die Bayern-Profis wirkten allerdings trotz des insgesamt glücklichen Sieges nicht immer glücklich. Robben und Schweinsteiger meckerten sich beim Gang in die Pause an.

Später diskutierten Müller und Robben, wobei der Niederländer nicht nur verbal argumentierte. "Das Reden auf dem Platz ist immer gut, aber man sollte nicht mit den Händen reden", kritisierte Robben später seine rechte Hand.

Der Mainzer Torwart Heinz Müller musste am 20. Spieltag als Feuerwehrmann aushelfen, ...

... nachdem Fans im Rheinland-Pfalz-Derby beim 1. FC Kaiserslautern Feuerwerkskörper aufs Spielfeld geworfen hatten.

Es war eine der wenigen Szenen, in denen es im Mainzer Strafraum lichterloh brannte, weil der FSV die Lauterer meist gut vom eigenen Tor weghalten konnte ...

... und vorn Lewis Holtby traf - und damit mehr als nur ein Tor schoss. "Der Bann ist gebrochen. Es war für uns perfekt, zu Null gespielt und diesen Derbysieg mit nach Hause genommen zu haben", freute sich der Jung-Nationalspieler, ...

... der als erster Mainzer nach der Winterpause ins Schwarze getroffen hatte.

Trainer Thomas Tuchel freute sich mit. "Unter dem Strich bin ich sehr zufrieden. Wir haben immer wieder Nadelstiche gesetzt", bilanzierte der 05-Coach nach dem schon siebten Auswärtssieg seiner Mannschaft.

FCK-Coach Marco Kurz haderte mit der 23. Minute, als das entscheidende Gegentor fiel: "In der ersten Halbzeit haben wir nicht so viel verkehrt gemacht, bis auf die schlechte Verteidigung beim 0:1. In der zweiten Halbzeit haben wir durch schlechtes Passspiel den Mainzern die Chance zum 0:2 gegeben."

"Die Mannschaft hat dann aber versucht, den Weg nach vorne zu finden. Das Quentchen Glück hatten wir aber nicht." Weil das so war, traf Top-Torjäger Sdrjan Lakic in der 86. Minute nicht zum 1:1-Ausgleich, sondern nur den Pfosten.

Hannovers Trainer Mirko Slomka machte für die Torlosigkeit seiner 96er nicht den Pfosten, sondern die falsche Einstellung seiner Spieler verantwortlich: "Der unbedingte Wille, ein Tor erzielen zu wollen, hat gefehlt. Und bei den Gegentoren müssen wir einfach besser verteidigen. Leverkusen hat dann die individuelle Klasse, das zu nutzen."

Dies individuelle Klasse verkörperten insbesondere Arturo Vidal ...

... und Kapitän Simon Rolfes, die schon in der ersten Halbzeit Leverkusens Tore zum 2:0-Sieg erzielten.

Und ihren Trainer Jupp Heynckes glücklich machten: "Es standen zwei gute Mannschaften auf dem Feld. Es war viel Arbeit für uns, diese Mannschaft zu schlagen. Sie war sehr laufstark und homogen. Ich denke, dass wir sehr clever gespielt, kompakt gestanden und diszipliniert gespielt haben. Es war auch bedeutend, dass wir zu Null gespielt haben."

Dürfen wir vorstellen: Martin Harnik, der Tor des 20. Spieltages.

Warum? Weil der Österreicher gegen den SC Freiburg eine tausendprozentige Chance vergab. Aus vier Meter schoss er den Ball freistehend an den Außenpfosten.

Das wirkte nicht nur bei Harnik nach, sondern auch bei seinem Coach Bruno Labbadia. Der machte seinem glücklosen Joker aber keinen Vorwurf: "Wir haben die erste Halbzeit verschlafen, wir waren zu mutlos, wir haben nicht nach vorne attackiert und sind zurückgewichen. Da haben wir das Spiel verloren."

Denn was Harnik kurz vor Schluss misslang, glückte Freiburgs Johannes Flum in der 24. Minute. Sein Tor reichte zum Sieg und sorgte dafür, ...

... dass für dieses von der VfB-Führung verteilte Fan-Utensil weiterhin akute Einmottungsgefahr besteht.

Zeit für Durchhalteparolen. Das Wort hat Herr Labbadia: "Wenn man mit zwölf Punkten in die Rückrunde startet, hat man den Druck. Wir liegen am Boden und müssen nun aufstehen."

Freiburgs Coach Robin Dutt freute sich über eine gute und eine glückliche Halbzeit: "Wir waren in der 1. Halbzeit gut im Spiel, hatten gleich zwei gute Chancen und haben ein schön herausgespieltes Tor erzielt. Das war nicht nur schön, sondern wichtig. Denn in der 2. Halbzeit hat sich das Blatt gewendet. Insofern war der Sieg auch etwas glücklich."

Auch in Frankfurt entschied ein einziges Tor darüber, wer die Punkte bekam und wer leer ausging.

Auch in Frankfurt ging die Heimmannschaft leer aus.

Eintracht-Coach Michael Skibbe macht anschließend ein noch knautschigeres Knautschgesicht als üblich: "Wir hatten eine Masse mehr Möglichkeiten und hätten das Spiel gewinnen müssen. Wir hatten das Spiel in der 1. Halbzeit total in der Hand gehabt. Es ist sehr schade, dass wir nach drei Spielen noch immer ohne Punkt dastehen."

Hauptverantwortlich dafür war neben Frankfurts glücklosem Brasilianer Caio (im Bild eine von mehreren vergebenen Chancen) ...

... Gladbachs glücksbringender Belgier Igor de Camargo, der in der 84. Minute das entscheidende Tor traf.

Kommentar Skibbe: "Das war einfach ein guter Konter."

Gladbach-Coach Michael Frontzeck beantragte nach dem Spiel die Umbenennung in Fortuna Mönchengladbach: "Wir haben heute wie auch in Nürnberg das Glück gehabt, was uns in der Hinrunde abgegangen ist. Der Klassenerhalt wird trotzdem eine schwierige Aufgabe, aber wir haben den Anschluss geschafft."

Bleibt nur ein Problem: Gladbach muss demnächst wieder zu Hause ran. Und da warten die Fortunenborussen noch immer auf den ersten Sieg.

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