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An jedem verdammten Samstag: Die unglaubliche Geschichte der Fußball-Bundesliga

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Die Bundesliga feiert Geburtstag. Sie wollen wissen, wie das alles begonnen hat? (Foto: picture-alliance / dpa)

Die Bundesliga feiert Geburtstag. Sie wollen wissen, wie das alles begonnen hat?

Die Bundesliga feiert Geburtstag. Sie wollen wissen, wie das alles begonnen hat?

Dies ist die unglaubliche Erfolgsgeschichte der höchsten deutschen Spielklasse.

Aber seien Sie gewarnt. Es ist hoch emotional, …

… klebrig und nass, …

… animalisch und …

… ein bisschen sexy, …

… nichts für Memmen, …

… aber trotzdem traurig.

So viel steht fest: Es geht um Kultur, …

… und Gott ist natürlich auch mit von der Partie.

Sie sind bereit für das Blitzlichtgewitter? Na gut, dann los!

Es begibt sich zu der Zeit, als der deutsche Amateur-Fußball an seine Grenzen stößt. Anfang der 60er Jahre sind 74 Vereine erstklassig, zu viele für den noch viel zu kleinen Finanztopf.

Die Stars, wie zum Beispiel der deutsche Nationalspieler Karl-Heinz Schnellinger, wechseln in die lukrativeren und leistungsstärkeren Ligen im Ausland.

Die oberste Spielklasse in Deutschland ist international nicht mehr konkurrenzfähig. Es ist allerhöchste Zeit für eine grundlegende Reform des deutschen Fußballs.

Also macht sich ein aus sechs Herren – Willy Hübner, Hans Passlack, Franz Kremer, Ludwig Franz, Walter Baresel und Hermann Neuberger (v.l.) – bestehender Ausschuss des Deutschen Fußballbundes ans Werk.

Unter 46 Vereinen, die an der neuen Profiliga teilnehmen wollen, wählen sie am Ende 16 aus. Am 24. August 1963 beginnt schließlich die Premierensaison der neu gegründeten Fußball-Bundesliga.

Schon nach 53 Sekunden fällt das erste Tor der jungen Liga. Timo Konietzka schießt das 1:0 für Borussia Dortmund gegen Werder Bremen. Am Ende hat jedoch der 1. FC Köln die Nase vorn und wird erster Bundesliga-Meister. Knapp sechs Millionen Zuschauer verfolgen die erste Saison in den 16 Stadien, das sind durchschnittlich 24.600 pro Spiel.

Einer der ältesten Rekorde der Bundesliga hat schon seit der dritten Saison 1965/1966 Bestand. Schlechter als Tasmania Berlin schließt bis heute keine Mannschaft eine Saison ab. Die vernichtende Bilanz nach 34 Spielen: 8 Punkte und eine Tordifferenz von 15:108.

Die Bundesliga begeistert Deutschland und schreibt ihre eigenen Geschichten. In der Saison 1967/1968 wird der 1. FC Nürnberg Deutscher Meister. Unvergessen ist der Spruch des damaligen Klub-Trainers Max Merkel.

"Im Training habe ich mal die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die Anti-Alkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da war's mir wurscht. Da hab i g'sagt: Saufts weiter". In der folgenden Saison steigen seine Nürnberger ab.

Mit der steigenden Popularität der Bundesliga steigt auch der Sicherheitsbedarf in den Stadien.

Mit Hunden sollen Ordner die Zuschauer zurückhalten, die sich bis zum Spielfeldrand drängen. Doch die Ordner sind überfordert. Beim Derby Borussia Dortmund gegen Schalke 04 kommt es im September 1969 zum Eklat.

Im Durcheinander beißen die Hunde die Schalker Spieler Friedel Rausch und Gerhard Neuser. Besonders unangenehm erwischt es Rausch. Ihn schnappt ein Vierbeiner am Hintern. Verrückte Sachen passieren nicht selten in der Bundesliga.

3. April 1971: Im Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen steht es 1:1. Die 88. Minute läuft. Plötzlich bricht der Torpfosten zusammen. Das Spiel wird abgebrochen. Später erklärt das Sportgericht des Deutschen Fußballbundes Werder Bremen zum Sieger. Der Grund: Die Gladbacher hätten kein Ersatztor bereitgestellt und daher die Unbespielbarkeit zu verantworten.

In der gleichen Saison schlittert die Liga in ihre größte Krise. Der Bundesliga-Skandal erschüttert den deutschen Profi-Fußball. Nach dem letzten Spieltag bringt Horst-Gregorio Canellas eine Lawine ins Rollen. Er präsentiert Tonbandmitschnitte verschiedener Telefonate.

Sie geben Bestechungsangebote an den Offenbacher Präsidenten preis. Der Kölner Torwart Manfred Manglitz fordert etwa 25.000 D-Mark von Canellas. Andernfalls werde er gegen Rot-Weiss Essen, den Konkurrenten der abstiegsbedrohten Offenbacher, "einige Dinger durchlassen". Damit nicht genug: Die abstiegsbedrohte Arminia aus Bielefeld erkaufte sich ihren 1:0-Sieg gegen Schalke 04 mit 2300 DM pro Schalker Spieler.

Neben Bielefeld, Schalke und Offenbach sind auch Hertha BSC Berlin, der MSV Duisburg, 1. FC Köln, VfB Stuttgart, Rot-Weiß Oberhausen und Eintracht Braunschweig in den Skandal verwickelt. Insgesamt fließt eine halbe Million D-Mark Bestechungsgeld. 53 Profis werden bestraft. In den Folgejahren fällt die Zuschauerzahl auf fünf Millionen, den niedrigsten Wert seit Bestehen der Bundesliga.

Doch die 70er Jahre sind trotzdem ein tolles Jahrzehnt für den deutschen Fußball. Das liegt vor allem an den Typen, die der jungen Bundesliga ein Gesicht geben. Nach 18 Jahren, 436 Spielen und 403 Toren (1954 – 1963 Oberliga, seitdem Bundesliga) beendet Uwe Seeler 1972 seine Bundesliga-Karriere beim Hamburger SV.

Im selben Jahr beginnt Karl-Heinz Körbel seine Karriere bei Eintracht Frankfurt. Knapp 20 Jahre später ist er – und das bis heute – mit 602 Bundesliga-Einsätzen Rekordspieler der Liga.

Die Saison 1972/1973 ist auch in kommerzieller Hinsicht ein Quantensprung. In der Rückrunde spielte Eintracht Braunschweig als erste deutsche Fußballmannschaft mit Trikotwerbung. Sponsor ist die Marke Jägermeister. Dass die Trikotsponsor-Einnahmen der Liga 40 Jahre später bei fast 130 Millionen liegen werden, weiß noch niemand.

Carmen Thomas schreibt in mehrfacher Hinsicht Liga-Geschichte. Am 3. Februar 1973 moderiert sie als erste Frau das aktuelle Sportstudio. Bekannt ist sie vor allem wegen ihres historischen Versprechers im Juli 1973. Thomas spricht vom "FC Schalke 05". 1974 ist für sie Schluss beim Sportstudio.

Einen neuen Torjäger vom Dienst hat der deutsche Fußball nach Seelers Rücktritt längst gefunden. Gerd Müller ist der "Bomber der Nation".

Mit 365 Treffern führt er die Liste der torgefährlichsten Bundesliga-Spieler bis heute an. Auch sein Torrekord aus der Saison 1971/1972 – Müller trifft 40-mal – ist unangefochten. Der Stürmer wird insgesamt siebenmal Torschützenkönig der Liga.

Mit seinen Toren erobert der FC Bayern München allmählich die Vorherrschaft in der Liga. 1969 sowie 1972 bis 1974 werden die Bayern Meister. Aber Müller trifft nicht nur national aus allen Lagen.

Dass der deutsche Fußball nach dem Bundesliga-Skandal wieder auf die Beine kommt, liegt auch an der Nationalmannschaft. Nach der EM 1972 gewinnt Deutschland unter Bundestrainer Helmut Schön 1974 auch die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Die Generation von Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Günter Netzer, Gerd Müller, Wolfgang Overath und Berti Vogts ist bis heute die erfolgreichste im deutschen Fußball.

In der Fußball-Bundesliga sind die 70er Jahre vor allem von einem Duell geprägt.

Der FC Bayern, der zwischen 1974 und 1976 gleich dreimal den Europacup gewinnt, …

… und die Gladbacher Borussia dominieren das Geschehen. Um Spielmacher Günter Netzer baut Trainer Hennes Weisweiler eine Mannschaft auf, die es mit den Bayern aufnehmen kann. 1970 und 1971 wird Gladbach Meister. 1975 verabschiedet sich Weisweiler mit dem erneuten Titelgewinn zum FC Barcelona.

Lattek, bis dahin Trainer beim FC Bayern, ...

... übernimmt das Zepter am Niederrhein und macht den Titel-Hattrick 1976 und 1977 perfekt.

Lattek setzt den Gladbachern und sich selbst – mit acht Meisterschaften bis heute erfolgreichster Bundesliga-Trainer – ein Denkmal, …

… die Stadt Mönchengladbach tut es ebenso. Die Bronze-Figuren von Herbert Wimmer, Berti Vogts und Günter Netzer erinnern an die Gladbacher "Jahrhundertelf".

Was sonst noch Verrücktes geschieht in den 70ern? Im November 1975 pfeift Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlesfelder das Spiel zwischen Werder Bremen und Hannover 96 bereits nach einer halben Stunde zur Halbzeit. Dass der Unparteiische damals angetrunken sein soll, ist natürlich nur ein Gerücht.

Fans des VfL Bochum erinnern sich ungern an den 18. September 1976. Die großen Bayern sind zu Gast im Ruhrstadion.

Eigentlich läuft's ganz gut für die Bochumer. Doch dann verspielen sie eine 4:0-Führung. In der 89. Minute trifft Uli Hoeneß sogar zum 6:5 für die Bayern. Die bis heute größte Aufholjagd der Bundesliga-Historie.

In der gleichen Saison stellt auch Walter Frosch (Foto von 2011) einen Rekord auf. Der Spieler vom FC St. Pauli sammelt im Laufe der Spielzeit fast 20 Gelbe Karten. Der DFB zieht Konsequenzen und führt die Spielsperre nach vier (heute fünf) Gelben Karten ein. Noch mehr Rekorde gefällig?

Na gut, BVB-Fans in Deckung! Am 34. Spieltag der Saison 1977/1978 kommt's knüppeldick für einen gewissen Otto Rehhagel und seine Elf.

Udo Latteks Gladbacher schenken den Dortmundern zwölf Dinger ein. Beim 12:0 trifft allein Jupp Heynckes fünfmal. Jetzt reicht's aber mit den 70ern. Kurios und turbulent geht's aber weiter, versprochen!

Das ist Max Klauser. Im Oktober 1980, beim Spiel zwischen Karlsruhe und Bielefeld, haut es den Schiedsrichter aus den Latschen. Nachdem ihn ein Schuss am Kopf trifft, muss er bewusstlos mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert werden. "Ich kippte nach hinten um und war sofort bewusstlos. Erst später im Fernsehen sah ich, dass ich - beide Arme steif nach vorne ausgestreckt - in einer Abpfiff-Geste eingefroren war", erinnert sich Klauser später.

Ja und dann ist da die Geschichte mit dem Oberschenkel von Ewald Lienen im Sommer 1981. In der 20. Minute schreit der Spieler von Arminia Bielefeld plötzlich wie am Spieß. Die Grätsche eines Spielers von Werder Bremen schlitzt Lienen den rechten Oberschenkel auf. Zurück bleibt eine offene, 25 Zentimeter lange Fleischwunde.

Noch viel mehr Glück hat Uli Hoeneß im Februar 1982. Mit drei Freunden fliegt er in einem Propellerflugzeug zu einem Länderspiel nach Hannover. Doch dort kommt Hoeneß nicht an.

Die Maschine verunglückt und stürzt ab. Alle Insassen sterben, nur Hoeneß nicht. Ein Förster findet den Schwerverletzten im Wald.

Hoeneß, der seine Fußballerkarriere aufgrund einer Knieverletzung bereits mit 27 Jahren beenden muss, leitet seit 1979 als Manager den FC Bayern.

Nach sechs Jahren ohne Meistertitel formiert er um Spieler wie Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge eine neue Mannschaft, führt die Bayern zurück an die Fußball-Spitze und wirtschaftlich zurück in die schwarzen Zahlen.

Hoeneß, der die Geschicke des Klubs bis heute leitet (seit 2009 als Präsident), macht aus dem FC Bayern München einen der größten und erfolgreichsten Vereine der Welt.

Anlegen sollte man sich mit Hoeneß lieber nicht. Der Weltmeister von 1974 ist bekannt für seine Wutausbrüche.

Vereinsintern ist er jedoch als umgänglicher und zutiefst loyaler Mensch beliebt. Aber zurück zur Geschichte.

In den 80ern ist der Hamburger SV der größte Konkurrent der Münchner.

Um den Engländer Kevin Keegan, …

… Felix Magath, …

... Horst Hrubesch und "Manni" Kaltz bauen die Hanseaten eine schlagkräftige Truppe auf.

Zwischen 1980 und 1982 gibt sich sogar der "Kaiser" noch mal für zwei Jahre die Ehre bei den Norddeutschen.

Das macht sich bezahlt: 1979, 1982 und 1983 wird der HSV Meister.

Die Krönung erfolgt im Finale des Europapokals der Landesmeister: Durch ein Tor von Magath besiegen die Hamburger Juventus Turin mit 1:0.

In den 80ern wächst eine neue Fußballer-Generation heran.

Spieler wie Rudi Völler, Uwe Rahn, Pierre Littbarkski (bester Spruch: "In der ersten Halbzeit haben wir ganz gut gespielt, in der zweiten fehlte uns die Kontinu..., äh Kontuni..., ach scheiß Fremdwörter: Wir waren nicht beständig genug!"), …

… Lothar Matthäus ("Wir dürfen jetzt nicht den Sand in den Kopf stecken"), Andreas Brehme und ...

... Jürgen Klinsmann prägen fortan den deutschen Fußball.

Für andere kommt der schnelle Karriereknick. So hat das Skandalbuch "Anpfiff", in dem Nationaltorwart Toni Schumacher freimütig über das Innenleben des 1. FC Köln sowie der deutschen Nationalmannschaft schreibt, schwerwiegende Konsequenzen.

Schumacher wird im Alter von 33 Jahren aus beiden Teams suspendiert.

In den 80ern tummeln sich neue Vereine in der Fußball-Bundesliga. Bayer Leverkusen, als Betriebssportmannschaft des Bayer-Konzerns entstanden, gelingt 1979 der Aufstieg.

Unter Leitung von Erich Ribbeck gewinnt das Team 1988 den UEFA-Cup.

Im gleichen Jahr wird Reiner Calmund Manager des Vereins mit dem finanzkräftigen Konzern im Rücken.

Unter Führung von Otto Rehhagel spielt sich auch Werder Bremen in den 80ern nach oben. In der Saison 1985/1986 geben die Bremer den Titel noch im letzten Moment aus der Hand. Im Spiel gegen Bayern München am 33. Spieltag verschießt Michael Kutzop in der 88. Minute einen Foulelfmeter. Am Ende werden die Bayern nur aufgrund der besseren Tordifferenz Meister.

Doch mit etwas Verspätung kommt sie, die Ära der großen Erfolge für Rehhagel & Co.

1988 und 1993 wird Werder Deutscher Meister, 1991 und 1994 Pokalsieger und 1992 gewinnen die Nordlichter den Pokal der Pokalsieger.

Zu den wichtigen Spielern gehört neben Rune Bratseth, Manfred Burgsmüller und Karl-Heinz Riedlle ein gewisser Thomas Schaaf, der später auch als Trainer in Bremen Erfolge feiert.

Rehhagel, der heute mit 390 Siegen der erfolgreichste Bundesliga-Trainer ist, liegt vor allem die Arbeit mit den schwierigen Spielertypen.

Außer Mario Basler sind es Anfang der 90er vor allem die Stars aus den neuen Bundesländern, die in der Bundesliga zu den größten Aufsteigern gehören.

Doch während sich die "Ossis" wie Andreas Thom und Ulf Kirsten bei Bayer Leverkusen in die Stammelf spielen und ihren Einsätzen für die Nationalelf der DDR weitere in der deutschen Nationalmannschaft hinzufügen, …

… haben es die Ost-Klubs in der Bundesliga nicht leicht. Dynamo Dresden steigt 1995 nach vier Spielzeiten aus der Bundesliga ab. Der VfB Leipzig verschwindet bereits nach einer Saison wieder (1993/1994).

Hansa Rostock spielt nach dem direkten Wiederabstieg 1992 zwischen 1995 und 2005 sowie in der Saison 2007/2008 in der Bundesliga. Energie Cottbus kann sich zwischen 2000 und 2009 immerhin für sechs Spielzeiten in der Liga halten.

Verrückte Dinge ereignen sich in der Liga auch in den 90ern. Durch ein Kopfballtor von Guido Buchwald ...

... entscheidet der VfB Stuttgart 1992 erst in der 86. Minute des 34. Spieltags die Meisterschaft.

Legendär ist auch das sogenannte "Phantomtor" aus dem Jahr 1994. Im Spiel zwischen dem FC Bayern und dem 1. FC Nürnberg rollt der Ball in der 26. Minute knapp am Gehäuse vorbei. Doch Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers entscheidet auf Tor.

Dank des "Phantomtors" von Thomas Helmer gewinnen die Bayern mit 2:1. Doch der DFB erklärt das Tor später für ungültig. Im Wiederholungsspiel gewinnen die Münchner locker mit 5:0.

In den 90ern mischt auch Borussia Dortmund ganz oben mit. 32 Jahre nach der letzten Deutschen Meisterschaft - noch zu Oberliga-Zeiten - holen die Dortmunder 1995 und 1996 den Titel.

Der BVB profitiert dabei vor allem von den Rückholaktionen der deutschen Legionäre, wie zum Beispiel Matthias Sammer, ...

… Stefan Reuter, Jürgen Kohler und ...

… Andreas Möller ("Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber.").

Auch dank eines Tores des 19-jährigen Lars Ricken …

… gewinnt die Borussia 1997 die Champions League.

Im selben Jahr holt auch der Erzrivale aus Gelsenkirchen einen Pokal, die Schalker gewinnen im UEFA-Cup-Finale gegen Inter Mailand.

Aufsehen erregen in diesen Jahren auch andere Figuren, die das Geschehen auf oder abseits des Platzes prägen: zwei Blondschöpfe …

… mit besonders großem Ehrgeiz; ...

... der über Jahre erfolgreiche deutsch-brasilianisch-bulgarische Offensivmotor des VfB Stuttgart, der als magisches Dreieck in die Geschichte eingeht, …

… zeitweilig trainiert von einem jungen Mann aus dem Schwarzwald mit keckem Kurzhaarschnitt ...

... oder auch ein Italiener, der die wohl beeindruckendste Wutrede der Liga-Geschichte vorträgt: "Ich habe fertig".

Hinzu kommen weitere testosterongetränkte Männer ...

... mit Stumpen, ...

... Zigarette, ...

… üppig beladenen Biertabletts oder ...

… einflussreichen Freunden.

Nichts zu vergessen sind natürlich die …

… Nationalspieler von morgen.

Auch die 90er Jahre sind reich an Überraschungen.

Die wohl größte gelingt Otto Rehhagel – übrigens zusammen mit dem jungen Michael Ballack. Direkt nach dem Wiederaufstieg führt der Coach den 1. FC Kaiserslautern zum Meistertitel.

Bis 2008 ist die SpVgg Unterhaching der Bundesligist mit der kleinsten Einwohnerzahl. 1999 steigt die Mannschaft aus der 20.000-Einwohner-Gemeinde in die Liga auf. Im gleichen Jahr beenden die Oberbayern die Meisterschaftshoffnungen von Bayer Leverkusen.

Unterhaching gewinnt mit 2:0 gegen Leverkusen. Michael Ballack, Torben Hoffmann und Bernd Schneider sind nicht gerade begeistert.

Die ganze Liga spottet über "Vizekusen". Leverkusen wird auch in den Folgejahren ganz gerne mal Zweiter: 1999, 2000 und 2002 in der Bundesliga, 2002 außerdem in der Champions League und im DFB-Pokal.

Weniger tragische als negative Schlagzeilen macht der Verein im Oktober 2000. Christoph Daum, der die Mannschaft seit 1996 als größten Jäger des FC Bayern konkurrenzfähig macht, wird fristlos entlassen. Eine Haaranalyse weist dem Trainer Kokainkonsum nach. Auch den Bundestrainer-Job, den Daum zum 1. Juni 2001 übernehmen soll, tritt er nicht an.

Der FC Bayern startet überaus erfolgreich ins neue Jahrzehnt. Im Mai 2001 gewinnt der Klub die Champions League.

Das ist nicht der einzige Titel: Durch ein Freistoßtor des Schweden Patrik Anderson hatten die Bayern ...

... dem FC Schalke zuvor bereits die sicher geglaubte erste Meisterschaft weggeschnappt. Das nennt man wohl Bayern-Dusel.

Zwischen 2002 und 2005 sowie zwischen 2007 und 2010 ...

... werden jeweils ausländische Spieler die Torschützenkönige der Liga.

Die Bundesliga ist inzwischen längst eine internationale Spielklasse geworden. In den 00er Jahren ist etwa jeder zweite Bundesliga-Spieler Ausländer. 1963 beträgt die Quote noch zwei Prozent, über 40 Jahre später fast 50 Prozent.

Eduard Geyer, Trainer des FC Energie Cottbus, schickt am 6. April 2001 im Spiel gegen den VfL Wolfsburg elf Ausländer auf den Platz.

Seit der Saison 2006/2007 können Spieler aus dem nicht-europäischen Ausland uneingeschränkt eingesetzt werden. Jeder Klub muss jedoch mindestens zwölf deutsche Spieler unter Vertrag haben.

Kommerziell bricht die Bundesliga alle Rekorde. Die Kosten der Fernsehrechte explodieren. Teilen sich ARD und ZDF die Verwertungsrechte in der Saison 1965/1966 noch für schlappe 650.000 D-Mark, ...

... müssen die ARD und der Bezahlsender Sky heute 440 Millionen Euro berappen.

Auch die Gehälter der Spieler sind heute nicht mehr mit den Anfangsjahren der Liga zu vergleichen. Topspieler wie Seeler und Overath sollen in den 60ern umgerechnet 7200 Euro im Jahr verdient haben. Schweinsteiger, Lahm und Ribery kassieren heute jeweils bis zu zehn Millionen Euro.

Auch dank modernster Fußball-Arenen mit Fassungsvermögen von über 80.000 Plätzen überspringt die Liga im Jahr 2003 die Zehn-Millionen-Zuschauer-Marke. 1963 waren es noch 5,9 Millionen, ...

... 50 Jahre später (Saison 2012/2013) sind es bereits fast 14 Millionen. 45.000 Zuschauer verfolgen heute durchschnittlich die Spiele im Stadion.

Die Fans feiern meist friedliche, ...

... leidenschaftliche und ...

... rauschende Fußballfeste.

Doch die Grenzen zwischen bedingungsloser Solidarität ...

... und Feindseligkeit sind oft fließend.

In der jüngeren Vergangenheit gibt es immer häufiger Vorfälle, ...

... die das Erlebnis Fußball schmälern und ...

... die Sicherheit im Stadion beeinträchtigen.

Ein Großaufgebot an Polizisten ist heute bei vielen Spielen üblich.

In der Diskussion um die Sicherheit in Bundesliga-Stadien ...

... wird inzwischen sogar ein Stehplatz-Verbot diskutiert.

Die Bundesliga schreibt nicht nur Erfolgsgeschichten. Sie hat ihre eigenen Probleme und Tabuthemen.

Sebastian Deisler, der in der Saison 2003/2004 aufgrund von Depressionen einige Monate aussetzt, beendet 2007 seine Karriere - im Alter von nur 27 Jahren.

Im November 2009 steht Fußball-Deutschland unter Schock: Robert Enke, Nationalspieler und Torhüter von Hannover 96, wirft sich vor einen fahrenden Zug.

Später wird bekannt, dass Enke unter Depressionen gelitten hat.

Der Fall Robert Enke, aber auch der Suizid-Versuch ...

... des Schiedsrichters Babak Rafati werfen Fragen auf. Ist der öffentliche Druck im deutschen Profi-Fußball zu groß? Ganz Deutschland diskutiert über die Vorfälle, ...

... der Alltag in der Bundesliga geht hingegen weiter. Dank der großzügigen Unterstützung ihres Mäzens, dem SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp, gelingt der TSG 1899 Hoffenheim zwischen 2006 und 2008 der direkte Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga.

Unter Trainer Ralf Rangnick wird Hoffenheim auf Anhieb Herbstmeister. Am Ende liegt der Liga-Neuling aus dem 3300-Seelen-Dorf auf Platz sieben.

Gestützt von der brachialen Finanzkraft von VW führt Felix Magath - inzwischen gestandener Trainer - ...

... den VfL Wolfsburg 2009 völlig überraschend zur Deutschen Meisterschaft.

Dann wechselt Magath zu Schalke. Als auch das grandiose Erfolgstrio aus Edin Dzeko, Zvjezdan Misimovic und Grafite zerbricht, ist der Zauber beim Auto-Klub schnell verflogen.

Im März 2011 kommt Magath zurück und rettet die Wölfe vor dem Abstieg.

Doch an den einstigen Erfolg kann er nicht anknüpfen.

Im Oktober 2012 stehen die Wölfe auf dem letzten Tabellenplatz. Magath, der vor allem für sein knochenhartes Konditionsprogramm bekannt ist, fliegt.

Sie fragen sich, was mit den Bayern ist? Die Münchner schauen ein paar Jahre lang sprichwörtlich in die Röhre. Nach 2008 holt der Rekordmeister nur noch einen Meistertitel. Das liegt auch an ...

... Borussia Dortmund. Mitte der 00er Jahre liegt der BVB noch am Boden. Nach der Deutschen Meisterschaft im Jahr 2002 investiert Borussia Dortmund viel Geld: in Spielertransfers, Gehälter und Stadionumbau.

Doch der Erfolg bleibt aus. Die Schulden steigen fast bis in den dreistelligen Millionenbereich. Präsident Gerd Niebaum und Manager Michael Meier verlassen Anfang 2005 den Verein. Nur dank einer radikalen Sparkur rettet der Verein seine Existenz.

Mit der Verpflichtung von Trainer Jürgen Klopp kehrt der Erfolg zurück.

2011 und 2012 holt ...

... die jüngste Meister-Mannschaft der Bundesliga-Geschichte die Schale nach Dortmund.

Respekt!

Sie halten ja schon ganz schön lange durch.

Aber, versprochen: ...

... Jetzt geht's erst ...

... richtig los.

Dranbleiben lohnt, ...

... denn jetzt kommen ...

... die verrücktesten Typen dieser Liga.

Kategorie Eins: Frisuren.

Ganz kalt, nicht nur auf dem Kopf.

Wärmer: Frank Edmond vom VfB Leipzig präsentiert einen stolzen Vokuhila .

Ui, da hat sich aber jemand schick gemacht.

Gestatten Mike Werner vom FC Hansa Rostock. Besser geht's wirklich nicht.

Da könnt ihr euch ...

... noch so viel in die Haare malen.

Von nichts kommt nichts.

Fußballer haben eine Affinität zu Haaren.

Ist das schön wuschig.

Das ist Nils Bahr, Torwart des Hamburger SV. Zehn Bundesligaspiele, naja, aber zweifellos eine tolle Frisur.

Kennen Sie noch Steffen Freund? Der Mann hat sich ...

... gemacht, oder? Zwischen den Bildern liegen 21 Jahre. Freunds bester Spruch: "Es war ein wunderschöner Augenblick, als der Bundestrainer sagte: 'Komm Steffen, zieh deine Sachen aus, jetzt geht's los.'"

Fußballer sind Narzisse, ...

... aber sie brauchen ihre Haare.

Sie wissen ...

... genau, warum.

Er hat wohl Pech gehabt.

Am Schluss ...

... haben sich sowieso ...

... alle ganz fürchterlich lieb.

Elf Freunde sollt ihr sein. Karl-Heinz Rummenigge, Felix Magath und ...

... Giovane Elber haben das irgendwie falsch verstanden.

Ja, schon besser.

Was ist bloß mit Olli los? Familie in der Fußball-Bundesliga? Hat es alles gegeben. Hier eine Auswahl.

Die Zwillinge Erwin (links) und Helmut Kremers wirbeln in den 70ern über die Außenbahnen von Schalke 04.

Die Hoeneß-Brüder dürfen auch nicht fehlen. Physisch ist Dieter (l.) eindeutig überlegen. Er hat auch mehr Bundesligatore geschossen (127) als Uli (86).

Aber der erfolgreichere Manager ist eindeutig der kleinere, aber ältere Uli.

Auch die Försters sind keine Zwillinge. Sie spielen trotzdem am liebsten gemeinsam. Bernd und ...

... Karl-Heinz verleben acht gemeinsame Jahre beim VfB Stuttgart. Mit dem Meistertitel 1984. Was will man mehr?

Die beiden blonden Jungs aus Lippstadt: Das können doch nur die Brüder Rummenigge sein. 1982 bis 1984 spielen sie gemeinsam bei den Bayern. Doch Michael (der kleine) steht eindeutig im Schatten von Kalle, denn der ist auch international ein Superstar.

Und die neueste Ausgabe des Bundesliga-Brüder-Memory: Lars (l.) und Sven Bender. Weiter geht's wenig brüderlich.

Denn jetzt wird's brutal.

Nicht nett, wie Tim Wiese da reintritt in den Ivica Olic.

Sean Dundee erwischt's bei einem der wegen ihrer Verletzungsgefahr berüchtigten Hallenturniere.

Auf die altmodische Art macht's Willi "Ente" Lippens. Bekannt übrigens für seinen guten Humor. Schiedsrichter: "Herr Lippens, ich verwarne Ihnen." Lippens: "Herr Schiedsrichter, ich danke Sie." Folge: eine 14-tägige Sperre.

Wer hat die härtere Stirn? Albert Streit (l.) oder Norbert Meier? Der damalige Duisburg-Trainer jedenfalls nicht - wie von der Kugel getroffen fällt er im Dezember 2005 um. Streit fliegt daraufhin vom Platz.

Am Ende ist es meist keiner gewesen.

Mit manchen Zeitgenossen ...

... sollte man sich besser einfach gar nicht erst anlegen.

Sonst hat das ...

... ernsthafte Konsequenzen, ...

... auf welche Art und Weise auch immer.

Er ist's sicher nicht gewesen.

Das sieht nicht gut aus.

Aber auch wenn das oft gar nicht so aussieht, ...

... im Kern sind sie alle ganz weich.

Die Protagonisten der Fußball-Bundesliga sind meist ganz normale Menschen.

Es ist wie im echten Leben: Hier zählen nur echte Gefühle.

Eines Tages ist es Zeit, Lebewohl zu sagen. Dann verlassen die großen Strategen die Bühne und machen Platz für die Neuen.

Leicht fällt der Abschied nie. Denn dafür war's einfach zu schön, um wahr zu sein. Danke, Fußball-Bundesliga, für 50 geile Jahre! (Text: Christian Rothenberg)

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