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Sport

Der Fußball-Gott wird Fußball-Trainer: Diego Maradona

 
Diego Armando Maradona ist ein Fußball-Mythos.

Diego Armando Maradona ist ein Fußball-Mythos.

Und neuer Coach der argentinischen Nationalmannschaft.

"Vielleicht bin ich derzeit der Letzte in der Kandidatenliste, aber ganz sicher bin ich die erste Wahl in den Herzen der Argentinier", machte Maradona vor einigen Wochen Werbung in eigener Sache - mit Erfolg.

Tatsächlich wurde seine Ernennung im fußballverrückten Argentinien mit gemischten Gefühlen aufgenommen, ...

... obwohl der "Goldjunge" dort nicht nur von den Fans der Boca Juniors vergöttert wird.

Bei einer Schnellumfrage der Online-Ausgabe der Zeitung "Clarín" klickten fast 75 Prozent der Teilnehmer die Option "nicht zufrieden" mit der Entscheidung an.

Am liebsten wäre den Fans der "Albiceleste" ein erfahrenerer Kandidat wie zum Beispiel Carlos Bianchi gewesen - und ein seriöserer.

Der schlichte Grund: Bei Maradona liegen Genialität ...

... und Größenwahn, ...

... glänzende Siege ...

... und bittere Pleiten, ...

... sportliche Höchstleistungen, ...

... und Kokain- und Alkoholexzesse dicht beisammen.

2007 wurde er von argentinischen Medien voreilig für tot erklärt, ...

... jetzt ist er Nationalcoach.

Immer geht es mit Maradona ...

... in atemberaubender Fahrt auf ...

... und ab.

Der Aufsteiger aus ärmsten Verhältnissen, der mit 18 schon Millionär war, hat kaum eine Gelegenheit ausgelassen, sich das Leben zur Hölle zu machen.

Am 30. Oktober 1960 erblickt er das Licht der Welt. Er wächst in den Slums im Umland von Buenos Aires auf.

Schon früh zeigt sich, was für ein Ausnahmetalent er ist. Mit neun Jahren tritt er in die Jugendmannschaft "Los Cebollitos" der Argentinos Juniors ein. Das Team bleibt in Folge 136 Spiele ungeschlagen.

Mit gerade einmal 16 Jahren wird er zum ersten Mal in der argentinischen Nationalmannschaft eingesetzt. 1979 gewinnt Maradona den Jugend-Weltcup. Bei dem Turnier in Japan wird er auch zum besten Spieler gewählt.

Die Karriere des "Goldjungen" geht immer weiter steil bergauf. 1981 spielt er für Boca Juniors, einen der renommiertesten Clubs Argentiniens.

1982 in Spanien nimmt Maradona erstmals an einer Weltmeisterschaft teil.

Bei der Veranstaltung, die eigentlich seinen endgültigen Durchbruch zum Weltstar bringen soll, wird der "Wunderknabe" und "Protagonist des schönen Fußballs" (Menotti) von den Gegnern erbarmungslos gejagt ...

... und getreten.

Schließlich verliert er die Nerven und fliegt im Spiel der zweiten Finalrunde gegen Brasilien vom Platz - und mit seiner Mannschaft vorzeitig aus dem Turnier.

Noch im selben Jahr wechselt er für die damalige Rekordsumme von umgerechnet rund 10 Millionen Euro zum FC Barcelona. Zwei Jahre später verpflichtet ihn der SSC Neapel - wieder für eine Rekordsumme (umgerechnet etwa 12 Millionen Euro).

Längst gilt Maradona als einer der genialsten Fußballspieler aller Zeiten.

Dabei glänzt er auf dem Platz nicht nur durch sein außergewöhnliches spielerisches Können, ...

... sondern auch durch seine Schlitzohrigkeit. Den Beweis dafür liefert er im Viertelfinale der WM 1986 in Mexiko gegen England, als er den Ball unbemerkt vom Schiedsrichter mit der Hand ins Tor befördert.

Es sei die "Hand Gottes" gewesen, wird er später über den Regelverstoß sagen.

Sein Treffer zum 2:0 im selben Spiel, ein Sololauf durch die englische Abwehr, wird von der FIFA zum "Tor des Jahrhunderts" gewählt.

Am Ende des Turniers hat Maradona den Olymp seiner Karriere erklommen.

Er feiert mit Argentinien den Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft, die Zeitschrift "Sport" schreibt: "Wohl noch nie hat ein einzelner Spieler einem Welttitel-Turnier derart klar und überlegen seinen Stempel aufgedrückt.".

Maradona wird zum Idol von Fußball-Fans ...

... auf der ganzen Welt.

In seiner argentinischen Heimat wird er verehrt wie ein Gott.

Mit der WM 1990 beginnt Maradonas langsamer Abstieg. Verletzungsbedingt kann er nicht an frühere Leistungen anknüpfen. Das Finale geht gegen Deutschland verloren.

1991 wird er erstmals des Dopings überführt. Es folgen eine 15-monatige Sperre, ein Gastspiel beim FC Sevilla und die Rückkehr nach Argentinien.

1994 in den USA erlebt Maradona seine vierte Weltmeisterschaft - für zwei Spiele.

Erneut des Dopings überführt, wird er für den Rest des Turniers ausgeschlossen.

Der absolute Tiefpunkt.

Den Mythos, den er durch seine sportlichen Leistungen geschaffen hatte, droht Maradona durch seine Drogenexzesse in der Folgezeit zusehends selbst zu zerstören.

2000 entgeht der Argentinier nach der Einnahme einer Überdosis Kokain nur knapp dem Tod.

Die Ärzte stellen eine Schädigung des Herzens fest. Maradona unterzieht sich einer Entziehungskur.

Die Ära des Fußballstars Maradona endet endgültig 2001 ...

... mit einem Abschiedsspiel in Buenos Aires.

Auch danach scheint Maradona nicht von seiner Drogensucht loszukommen.

Nach dem Ende seiner Profikarriere geht es turbulent weiter. Wegen Kokainkonsums schrammt er einige Male knapp am Tode vorbei, ?

? verbringt Wochen in Krankenhäusern, ...

? macht eine Entziehungskur auf Kuba ...

... bei seinem guten Freund Fidel Castro, ...

? wird so fett, ...

... dass er kaum noch sprechen kann.

2005 lässt er sich dann in Kolumbien operativ den Magen verkleinern ...

... und speckt von 123 auf 73 Kilogramm ab.

Als Moderator seiner eigenen TV-Show "La Noche del 10" feiert er schließlich ein umjubeltes Comeback in der Öffentlichkeit, ?

? aber nur ein paar Monate später wird das Programm, in dem er mit Fußballern und Prominenten talkt, wieder abgesetzt.

Das extreme Pendeln zwischen himmelhoch jauchzendem Übermut ...

... und verzweifelter Niedergeschlagenheit ist auch vielen seiner Landsleute nicht fremd.

Aber der Rummel um Maradona nimmt bisweilen groteske Ausmaße an.

So gibt es ein Maradona-Museum, ein Maradona-Musical und sogar eine Maradona-Kirche, in der das "Diego Unser" gebetet wird.

"Ich glaube, er hält sich für einen Gott, und das könnte einer der Gründe für seine Probleme sein", sagt der Leiter der Klinik Güemes in Buenos Aires, Héctor Pezzella, in der sich Maradona 2007 behandeln lassen muss.

Wieder einmal.

Dass er einer der größten Fußballer aller Zeiten ist, steht außer Frage. "Im Laufe der Zeit wird man sagen, dass Maradona für den Fußball das war, was Rimbaud für die Dichtkunst und Mozart für die Musik war", sagt Eric Cantona schon 1995 über ihn.

Als Trainer hat der frühere Star von Boca Juniors, des SSC Neapel und des FC Barcelona allerdings bisher nicht viel vorzuweisen. Mehrmals versucht sich Maradona erfolglos bei argentinischen Zweitligisten.

Am schlimmsten war es 1995 beim Traditionsclub Racing. Dort lässt er sich praktisch nie auf der Trainerbank sehen, taucht ab und wird Wochen später vom Drogenkonsum arg mitgenommen in einem Mittelklassehotel gefunden.

Viele Argentinier verbindet angesichts der zahllosen Skandale eine Hassliebe mit ihrem neuen Fußball-Nationaltrainer.

Julio Grondona, der mächtige Präsident des Nationalen Fußballverbandes AFA, meint, schon seit 1979 habe er davon geträumt, dass Maradona einmal Nationaltrainer werde.

Der beim FC Barcelona unter Vertrag stehende Superstar Lionel Messi gibt zu Protokoll, es sei immer der Traum seiner Mutter gewesen, dass Maradona sein Trainer sei.

Ob es auch Messis Traum war, bleibt offen. Maradona hatte ihn vor gar nicht langer Zeit als Egoisten beschimpft.

Andere Kicker wie der frühere Boca-Star Carlos Tevez ...

... oder Maradonas Schwiegersohn in spe, Sergio Aguero, werden sich definitiv freuen.

Doch nicht nur viele Fans, ...

... auch die Medien sind skeptisch. Manche glauben: "Diego setzt den Mythos Maradona aufs Spiel."

Dass Maradona bereits erklärt hat, "auf dem Rasen gilt mein Kommando", dürften viele als Warnung verstehen. (alle Bilder dpa, AP, Reuters)

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