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Blitzlichtgestalt des deutschen Fußballs: Loddarmaddäus ist 50

 
Blitzlichtgestalt des deutschen Fußballs: Loddarmaddäus ist 50

Wenn ein einstiger Weltstar von sich sagt, dass sich die eigenen Eltern für ihn schämen, muss in seinem Leben etwas schiefgelaufen sein.

Und in der Tat: Im Liebesleben von Lothar Matthäus ist in den vergangenen Jahren so einiges zu Bruch gegangen, und die Öffentlichkeit durfte gewissermaßen durchs Schlüsselloch Anteil nehmen.

Gerede bleibt da nicht aus, schon gar nicht bei einem, der selbst gern und viel und zu allem redet. Im vergangenen Jahr erzählte Matthäus schließlich, das Getuschel mache seinen Eltern in ihrem Heimatort zu schaffen. Nun, zu seinem 50. Geburtstag, verschont der Fußballweltmeister seine Eltern mit tratschträchtigen Skandälchen. Ganz brav wollte er am Sonntag mit den engsten Freunden in den Ehrentag hineinfeiern.

"Ich wollte eigentlich nichts machen, weil ich nicht so viel Wert auf Jahrestage lege", erzählte er. Der gebürtige Erlanger entschloss sich aber doch zum Reinfeiern mit 60 bis 80 Freunden in München.

Seinen runden Geburtstag am Montag verbringt Matthäus dann auf Flughäfen und in der Luft. Er muss sich auf den Weg zur von ihm trainierten Fußball-Auswahl Bulgariens machen, tut das aber sehr gern. "Herr Matthäus ist ja ein Kosmopolit", sagt sein Manager.

Den Geburtstag feierte er in München. In der bulgarischen Hauptstadt Sofia habe er eine Wohnung, seinen Hauptwohnsitz nach wie vor in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Viel unterwegs ist Matthäus immer, auch beruflich. In der Bundesliga ist nach wie vor kein Verein bereit, ihm seine Mannschaft anzuvertrauen.

In die Wiege ist Matthäus das Weltmännische nicht gelegt worden, als er am 21. März 1961 in Erlangen als Sohn des Hausmeisters des Sportartikelherstellers Puma, Heinz Matthäus, und dessen Frau Katharina zur Welt kam.

"Ich komme aus einem einfachen Haus, ich musste immer schon mit den Ellenbogen kämpfen", beschrieb der Franke Lothar Matthäus seine Kindheit. Doch auch in einem einfachen Haus herrscht Stolz: Wegen des Arbeitgebers des Vaters kam für Matthäus nur ein Fußballverein infrage, der seine Spieler mit Puma-Schuhen ausrüstete.

So wurde 1979 nach dem Hauptschulabschluss und einer Ausbildung zum Raumausstatter ...

... Borussia Mönchengladbach sein erster Verein – es war der Start in eine Fußballkarriere voller Superlative. Er gehörte schon zur Europameister-Mannschaft von 1980 …

… und wurde der erste Feldspieler, der an fünf Weltmeisterschaften teilnahm.

Er ist deutscher Rekord-Nationalspieler, war Kapitän der Weltmeistermannschaft von 1990.

Er war Weltfußballer und Europas Fußballer des Jahres, ...

... sammelte mit Gladbach, Bayern München und Inter Mailand Titel …

… und ist einer von nur vier Ehrenspielführern der deutschen Nationalmannschaft.

Eigentlich gehört er in eine Reihe mit Fritz Walter, Uwe Seeler und Franz Beckenbauer, eigentlich ist er zu ehren und zu bewundern für seine Leistungen. Dennoch sitzt er nicht wie drei anderen auf dem deutschen Fußball-Olymp.

Seither sind die von Paparazzi fotografierten Liebschaften Matthäus' Schlagzeilenfüller. Die aktuelle Flamme heißt Ariadne, ist Psychologie-Studentin und 23 Jahre alt. Der dreifache Vater sprach zuletzt sogar davon, dass er sich noch einmal ein Baby vorstellen könne.

Da war die Tinte unter den Unterlagen für die Scheidung von der ebenfalls 23-jährigen Liliana gerade trocken.

Nach Jugendliebe Silvia, Moderatorin Lolita Morena und der Serbin Marjiana war Liliana Matthäus' vierte Frau.

Liliana und "Loddar" hatten am Neujahrstag 2009 in Las Vegas unter Wasserfontänen geheiratet. Doch nur kurze Zeit später begannen beide einen Rosenkrieg mit öffentlichem Zoff, Trennungsankündigungen und Liebescomebacks - und beruflichen Nachteilen für Matthäus.

"Die Tratschereien wegen der jungen Dame haben mich einen Job gekostet", klagte er im August in einem insgesamt bemerkenswerten Interview im "Stern", nachdem ein Engagement als Nationaltrainer Kameruns schon vor Vertragsunterzeichnung geplatzt war.

Die Frau des Staatspräsidenten fand Matthäus' private Turbulenzen demnach abschreckend und legte ihr Veto ein. So kam es, dass die siebte Station in der bisher zehnjährigen Trainerkarriere von Matthäus statt Kamerun Bulgarien heißt.

"Ein Leben jenseits der Schlagzeilen, das stelle ich mir schön vor", verriet er dem "Stern" auch, "manchmal, ganz selten, frage ich mich, vielleicht wäre ich ohne den Ball glücklicher."

Es sind aber nicht nur die Frauengeschichten, die Matthäus regelmäßig im Weg stehen. Auch sein endloser Redefluss, immer ehrlich die Meinung zu allem zu sagen ("Ich benutze kein Botox, ich färbe mein Haar nicht. Ich bin kein Fan von Wellness"), …

… zu polarisieren und Fettnäpfchen sicher zu finden ist nicht gerade förderlich. An Bemerkungen über die Männlichkeit eines farbigen Mannschaftskameraden erinnert man sich, ...

... ebenso an einen erbitterten Streit mit Uli Hoeneß und finanzielle Forderungen nach dem Abschiedsspiel.

Zuletzt spielte er in Grosny Fußball mit Tschetscheniens umstrittenem Republikchef Ramsan Kadyrow, der in Auftragsmorde verwickelt sein soll. Etwas Verwerfliches konnte er daran nicht finden.

Matthäus leidet - wie Boris Becker - unter der offensichtlichen Schwierigkeit, eine befriedigende Aufgabe und Bestätigung im Leben nach dem Profisport zu finden: Anerkennung für aktuelle Leistungen und nicht für die gloriose Vergangenheit zu bekommen.

Und deshalb die umso verzweifeltere Suche danach - und sei es durch immer neue, immer jüngere Bekannte weiblichen Geschlechts.

Zudem hat Lothar Matthäus irgendwann in seiner Karriere beschlossen, bestimmte Boulevardmedien zu involvieren, zu informieren.

Das verschaffte ihm eine starke Lobby in diversen Konflikten, es führte indirekt sogar dazu, dass er noch mit 39 Jahren bei der EM 2000 in der Nationalmannschaft spielte.

Es ist auch ein Grund dafür, dass es beruflich nicht recht vorangeht. Kein deutscher Bundesligist traut sich, den Trainer Lothar Matthäus zu verpflichten - obwohl zahlreiche glaubhafte Zeugen aus der Branche berichten, dass Matthäus ein exzellenter Fachmann sei.

Doch wer den Fußballlehrer Lothar Matthäus verpflichtet, der holt immer auch die öffentliche Figur "Loddarmaddäus" (und damit den Boulevard) mit in den Verein. Eine Trennung ist unmöglich. Er würde Internes ausplaudern und ein zu starkes Machtbewusstsein haben, sind weitere Vorbehalte gegen Matthäus.

Der beklagt, dass er oft zu Unrecht mit verschiedenen Vereinen in Verbindung gebracht wird. "Mein Name wird immer wieder irgendwo positioniert. Das schadet meinem Namen", betont Matthäus.

Dass er noch kein Engagement als Coach bei einem Topclub bekommen hat, bringt Matthäus nicht aus der Ruhe.

"Man muss sehen, wer mir künftig Vertrauen entgegenbringt und die Qualität meiner Arbeit erkennt", sagt er und betont: "Ich bin optimistischer Realist."

Seine Erfolge als Coach sind überschaubar: Belgrad führte er in die Champions League, als ungarischer Nationaltrainer leistete er Pionierarbeit. Dennoch legt er Wert auf die Feststellung: "Überall, wohin ich zurückkehre, bringt man mir großen Respekt entgegen. Ich kann mir nichts vorwerfen."

Am 26. März muss er mit seiner Mannschaft gegen die Schweiz gewinnen, um noch eine Chance auf die Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 zu wahren.

Wenn er seinen Spielern sein Motto "Immer nach vorne schauen und niemals aufgeben" nahegebracht hat, könnte es vielleicht etwas werden.

Dann erfüllt sich für ihn womöglich auch ein anderer Wunsch, bei dem ihm bislang sein Privatleben etwas im Wege stand.

"Man sollte mir ein wenig mehr Respekt entgegenbringen für das, was ich geleistet habe."

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