Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
SA 9° / 23°
SO 12° / 22°
Sport

K.o., Comeback, Happy End: Robben zaubert, Bayern feiert

 
K.o., Comeback, Happy End: Robben zaubert, Bayern feiert

Uli Hoeneß hatte es selbstredend schon vor dem Spiel gewusst, sagte er nach dem Spiel.

Allen gegenteiligen Beteuerungen aus Manchester zum Trotz ging der Bayern-Präsident felsenfest davon aus, dass der im Hinspiel umgeknickte ManU-Stürmerstar Wayne Rooney spielen würde.

Und Rooney spielte im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League zwischen Manchester United und dem FC Bayern. Nicht als Joker, sondern von Beginn an als Sturmführer des englischen Meisters.

Auf der Gegenseite hatten die Bayern vorab ebenfalls eine gute Nachricht zu vermelden. Die nämlich, dass sie den 2:1-Vorsprung aus dem Hinspiel mit Hilfe des niederländischen Dribbelkönigs Arjen Robben zu verteidigen gedachten.

Nach dem Spiel, in dem sich der Niederländer wieder einmal als der bessere Franck Ribery erwies und die Partie entschied, zirpte Robben in die Mikrofone: "Das sind die wichtigen Spiele in der Saison."

Recht hatte Robben! Wie immer in den letzten Wochen ging es für die Bayern auch im alterwürdigen Stadion Old Trafford um "Gladiolen oder Tod", wie es FCB-Erfolgscoach Louis van Gaal zu beschreiben pflegt.

Die bessere Ausgangsposition hatten nach dem Last-Minute-Sieg im Hinspiel die Gäste aus München, den besseren Start erwischten zur Freude von Sir Alex Ferguson die Gastgeber.

Wie schon vor einer Woche gab es rasch eine eiskalte Dusche für den deutschen Rekordmeister. Nach 162 Sekunden brachte der irische Nationalspieler Darron Gibson, der als einer von fünf neuen Spielern in die Startformation von Manchester United gerückt war, die Gastgeber in Führung.

Nach Doppelpass mit Rooney zog der Ire aus 20 Metern trocken ab. Bayern-Keeper Jörg Butt machte keine gute Figur, während er den Ball passieren ließ. Immerhin: Im Hinspiel hatte Butt schon nach 64 Sekunden das erste Mal hinter sich greifen müssen.

Im Unterschied zum Hinspiel, als Manchester nach der frühen Führung keine Tore nachgelegt hatte und dafür noch bestraft worden war, setzten die Gastgeber diesmal konsequent nach.

Gerade einmal sieben Minuten waren gespielt, als Nani auf 2:0 erhöhte ...

... und anschließend durch die englische Frühlingsluft wirbelte.

Der Portugiese lenkte eine Flanke von Antonio Valencia aus fünf Metern virtuos mit der Hacke ins Netz. Butt war ohne Abwehrchance, seine drei Spalier stehenden Feldspieler-Kollegen ebenso beeindruckt wie Linksverteidiger Holger Badstuber, der Valencia zuvor nicht am Flanken hindern mochte.

Sir Alex Ferguson lächelte kaugummikauend vor sich hin, ...

... Bayern-Coach Louis van Gaal quälte ein Gesichtskrampf.

Der löste sich auch in der Folgezeit nicht, weil Badstuber auf links einfach kein Land gegen Valencia sah und ein ums andere Mal vorgeführt wurde. Dass der Rest des Bayern-Teams ebenfalls nicht mitzuspielen gedachte, machte die Sache nicht besser.

Einzig Abwehrchef Daniel van Buyten zeigte Engagement. Der Belgier war bemüht, Wayne Rooney den lädierten Knöchel kaputt zu treten, blieb dabei jedoch ebenso erfolglos wie seine Teamkollegen beim Versuch, …

… Manchesters Angriffsbemühungen zu stoppen. Durch die Mitte, über die Außen – Angriffswelle auf Angriffswelle rollte auf das Bayern-Tor zu.

Das Glück der Münchner war, dass Manchester im Abschluss zu unkonzentriert zu Werke ging und trotz der vielen Chancen zunächst keinen Schuss aufs Tor brachte. Das änderte sich erst in der 41. Minute, als erneut Nani zur Stelle war und mit dem dritten ManU-Schuss aufs Bayern-Tor den dritten Treffer für die Gastgeber erzielte.

Nach einem Einwurf von Gibson hatte sich Valencia auf dem rechten Flügel durch die Bayern-Abwehr getankt, war in die Mitte gezogen …

… und hatte mit Glück und Geschick auf den freistehenden Nani gepasst. Der jagte den Ball aus 16 Metern unter die Torlatte. Das Spiel, in dem Manchester zuvor bei der Chancenverwertung gesündigt hatte, schien endgültig entschieden.

Entschieden auch deshalb, weil Bayerns Hinspiel-Erlöser Ivica Olic zwei Minuten zuvor mit der ersten Bayern-Chance des Spiels am herausstürmenden ManU-Keeper Edwin van der Sar gescheitert war …

… und Manchester diesen Fehler im Stile einer Spitzenmannschaft und in Person von Nani prompt bestraft hatte.

Doch nur zwei Minuten nach dem 0:3 schenkte der zuvor gescheiterte Olic den Bayern im Stile eines Spitzenstürmers wieder Hoffnung.

Nach einer Kopfballverlängerung des ansonsten unauffälligen Thomas Müller in den ManU-Strafraum setzte sich Olic mit robustem, aber fairem Körpereinsatz gegen Michael Carrick durch …

… und überwand den das kurze Eck abdeckenden van der Sar mit einem gekonnten Schuss ins lange Eck.

Plötzlich fehlte den schon geschlagenen Bayern nur noch ein Tor, um doch ins Halbfinale einzuziehen. "Das Tor gibt Hoffnung für die zweite Halbzeit", hoffte Bayerns-Sportdirektor Christian Nerlinger in der Pause. Alles war wieder möglich.

Die Hoffnung war den Bayern nach Wiederanpfiff anzusehen. Das Team von Louis van Gaal, der im zweiten Durchgang auf Mario Gomez im Sturm setzte, war plötzlich das dominierende Team im Old Trafford und drängte vehement auf den Ausgleich.

Als der 19-jährige Brasilianer Rafael in der 50. Minute nach einem Foul an Ribery und dessen vehementer Forderung nach einer Karte tatsächlich mit Gelb-Rot vom Platz musste, kippte die Partie endgültig.

Mit Rafael ging der Mann vom Platz, …

… der Bayerns vermeintlichen Superstar Ribery zuvor super aus dem Spiel genommen und dem Franzosen an dessen 27. Geburtstag keinen Zentimeter Platz geschenkt hatte. Folge: Ribery hatte im ersten Durchgang eine indiskutable Leistung geboten, sich damit aber auch nicht negativ von seinen Teamkollegen abgehoben.

Dass Ribery in der Folge mehr Platz im Mittelfeld bekam, war auch einem taktischen Wechsel von United-Trainer Alex Ferguson geschuldet.

Der nahm in 56. Minute mit Rooney seinen einzigen Stürmer vom Feld ...

... und ersetzte ihn durch Abwehrspieler John O'Shea. Die ManU-Marschroute für die verbleibende Spielzeit war damit klar: hinten sicher stehen und vorn vielleicht einen Konter zur Entscheidung nutzen.

Das Planspiel mit der sicheren Defensive klappte zunächst insofern, da es bei einem Bayern-Treffer blieb. Wie schon im Hinspiel fehlten den Bayern gegen die Mannschaft von Sir Alex Ferguson ...

... trotz der Flügelzange Robben und Ribery die kreativen Ideen, um die ManU-Abwehr auszuspielen.

Chancen entsprangen weniger schönen Kombinationen und gelungenen Spielzügen, sie wurden vielmehr mit großem Willen, bravouröser Moral und unbedingter Einsatzbereitschaft erzwungen. Die besten Gelegenheiten boten sich Ribery, der den Ball van der Sar in die Arme schoss, und Mario Gomez, der über das Tor köpfte.

Zwangsläufig blieb die Entscheidung dem Mann vorbehalten, der die Bayern schon im Viertelfinale gegen Florenz weitergeschossen und ihnen im Pokal-Halbfinale auf Schalke das Finalticket gebucht hatte: Arjen Robben.

Nach einer feinen Eckballvariante, bei der Ribery den Ball dem an der Strafraumgrenze sträflich freistehenden Niederländer passgenau auf den Fuß spielte, ...

... vollendete der Flügelstürmer mit einem formvollendeten Volleyschuss ins linke untere Toreck.

"Bei dem Schuss hat einfach alles gepasst. Aber Schlechte können das nicht", lobte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer den Niederländer später für sein Traumtor, auf das das dezimierte Manchester keine Antwort mehr fand.

Matchwinner Robben verriet nach dem epischen Match in Manchester und dem ersten Champions-League-Halbfinaleinzug der Bayern seit 2001, dass er zum Zeitpunkt seines Tores eigentlich gar nicht mehr auf dem Platz hätte stehen sollen.

"Das sind die wichtigen Spiele in der Saison. Meine Wade war gut, der Doktor sagte aber, ich sollte nach 60 Minuten runter. Ich habe ihm gesagt, warte noch."

Ebenfalls nicht unzufrieden war Bayern-Trainer Louis van Gaal, zumindest mit der Leistung nach der Pause: "Natürlich bin ich stolz. Das war unglaublich, was wir in der zweiten Halbzeit geleistet haben."

"Ich bin glücklich, dass Ivica Olic vor der Pause noch so ein schönes Tor gemacht hat. In der zweiten Halbzeit haben wir dann überragend gespielt. Wir haben gespielt wie eine große Mannschaft."

"Das Tor von Robben war unglaublich."

Nach den desaströsen ersten 41 Minuten, die an den FC Bayern unter Jürgen Klinsmann erinnerten, ging van Gaal mit seiner Mannschaft gewohnt hart ins Gericht: "Die erste Halbzeit war nicht so gut, das müssen wir verbessern. Wir müssen aber von der ersten Minute an da sein."

Etwas prägnanter brachte Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer auf den Punkt, dass die Bayern natürlich auch dank ihrer großen Moral und Laufbereitschaft, aber vor allem dank enormen Glücks weitergekommen waren.

Zu diesem Glück gehörte auch, dass Bayerns Holger Badstuber für ein rotwürdiges Foul in der 54. Minute nur Gelb gesehen hatte.

Also sprach Beckenbauer: "ManU war eigentlich in allen Belangen überlegen. Entscheidend waren dann das Tor von Olic und der Platzverweis. Dann kam das Traumtor von Robben. Besser kann man es nicht machen."

Das kaiserliche Fazit: "Das ist eine der schönsten Niederlagen in der Geschichte des FC Bayern."

Insgesamt spielten die Bayern in der Königsklasse jetzt schon rund 45 Millionen Euro ein, die sie mit Blick auf die neue Saison dringend zur Verstärkung der erneut wackligen Abwehr und zur Verpflichtung eines guten Torwarts nutzen sollten.

Neben dem Traum vom Champions-League-Sieg am 22. Mai in Madrid haben die Münchner noch beste Chancen auf die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokalsieg im Finale gegen Werder Bremen.

Ein gutes Omen für die Champions League ist, dass die Bayern bei ihrem letzten Triumph in der "Königsklasse" vor neun Jahren im Viertelfinale ebenfalls ManU ausgeschaltet hatten.

Bei diesen Aussichten wird es auch Bayerns Vorstandschef Kalle Rummenigge verschmerzen können, dass er Uli Hoeneß nach der verlorenen Rooney-Wette nun ein Abendessen für 10 Personen schuldet. Es dürfte ein Festschmaus werden.

Bilderserie versenden
Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.