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Auf einem Acker bei Trelans in Südfrankreich suchen Unfallermittler und Gerichtsmediziner in den Trümmern der Maschine nach Hinweisen auf die Absturzursache.
Auf einem Acker bei Trelans in Südfrankreich suchen Unfallermittler und Gerichtsmediziner in den Trümmern der Maschine nach Hinweisen auf die Absturzursache.(Foto: REUTERS)

Geheimer Notenbank-Flug?: Algerien verliert Militärmaschine

Ein mysteriöser Flugzeugabsturz in Südfrankreich stellt Experten vor Rätsel: Stundenlang suchen Bergungskräfte nach den Insassen. Erst am Tag nach dem Absturz können sie die Leichen aller entdecken. Die Ladung und die Unfallursache werfen weitere Fragen auf. An Bord der Maschine: Spezialpapier für die algerische Zentralbank.

"Sehr robust und verlässlich": Eine C295 fällt nicht einfach so vom Himmel (Archivbild einer baugleichen Maschine).
"Sehr robust und verlässlich": Eine C295 fällt nicht einfach so vom Himmel (Archivbild einer baugleichen Maschine).(Foto: airbusmilitary.com)

Der Absturz einer algerischen Militärmaschine in Südfrankreich bleibt auch am Tag nach dem Unglück vollkommen rätselhaft. Der Flugzeughersteller Airbus Military schickte ein Expertenteam an die Unfallstelle im Departement Lozère. Die werkseigenen Unfallermittler sollten helfen, die Ursache des Unglücks zu klären, teilte eine Sprecherin mit.

Bei dem Absturz der zweimotorigen Frachtmaschine vom Typ C295 kamen alle sechs Insassen ums Leben. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich schwierig, weil die Trümmer über mehrere Stunden in Flammen standen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden zunächst vier Leichen aus den Überresten der Militärmaschine geborgen. Zwei weitere Insassen fanden die Bergungskräfte erst deutlich später.

Die Ladung der Maschine und ihr Auftrag ließen bei Behörden und Beobachtern jedoch umgehend alle Alarmglocken schrillen: Das Militärflugzeug war auf dem Weg von Paris nach Algier und sollte unter anderem Spezialpapier für die Herstellung von Banknoten transportieren.

An Bord des Flugzeugs sollen sich nach Angaben des algerischen Verteidigungsministeriums fünf Armeeangehörige und ein Vertreter der algerischen Zentralbank, der Banque d'Algérie, befunden haben. Die Entsendung eines Notenbankers als Begleitung deutet womöglich auf den Transport von Wertgegenständen oder andere besonders schützenswertem Materialen hin. Denkbar wäre zum Beispiel die Überführung von Devisen in Form von Bargeld oder der Transport von Gold aus den algerischen Währungsreserven.

Nur ein Körper im Cockpit

Die mit zwei Turboprop-Triebwerken ausgestattete C295 war am Morgen in Algier gestartet und nach der Beladung in Paris auf dem Rückweg in die Heimat. Gegen 16.00 sei die Frachtmaschine der algerischen Armee schließlich in der Nähe des Dorfes Trélans niedergegangen und am Boden zerschellt, teilten die französischen Behörden mit.

Nach den Löscharbeiten hätten die Rettungskräfte eine Leiche im Cockpit und drei weitere im Rumpf der zweimotorigen Maschine entdeckt, sagte der Staatsanwalt von Mende, Samuel Finielz, bei einer Pressekonferenz in Trélans. Der Ort liegt in einer abgelegenen Gegend der Region Languedoc-Roussillon. Das Dorf selbst zählt weniger als 120 Einwohner. Die nächstgelegenen Städte sind Rodez im Westen und Millau im Süden.

Unklar blieb, was zu dem unvermittelten Absturz beigetragen haben könnte, und ob die Maschine nicht vielleicht doch bereits in der Luft auseinandergebrochen sei. Über Verbleib und Zustand von Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder lagen zunächst keine Erkenntnisse vor. Stutzig dürfte Luftfahrtexperten machen, dass sich zum Zeitpunkt des Aufpralls anscheinend nur eine Person in der Pilotenkabine befand.

Suche in einer abgelegenen Region

Offen blieb zunächst auch, ob die Piloten mit der zivilen Flugsicherung in Kontakt standen, und ob es vor dem Absturz Hinweise auf etwaige technische Probleme an Bord gegeben hat.

Der Mehrzweckflieger C295 ist eine Entwicklung des spanischen Flugzeugbauers Casa und gilt bislang als gutmütige und sehr zuverlässige Maschine. Aufgrund seiner Auslegung als taktischer Lufttransporter und Aufklärer kommt die C295 zur Not auch mit kurzen und holprigen Start- und Landepisten zurecht.

Mit einer Zuladung von bis zu neun Tonnen Fracht und einer Spannweite von knapp 26 Metern kann die 24,5 Meter lange und maximal 23,2 Tonnen schwere Maschine bis zu elf Stunden in der Luft bleiben.

Der Hersteller Casa gehört mittlerweile zum europäischen Luftfahrtkonzern EADS. Die Sparte Airbus Military beschreibt das Flugzeug als "sehr robust und verlässlich".

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Quelle: n-tv.de

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