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Blick auf die Bahnstrecke von Wroclaw nach Walbrzych: Bei Kilometer 65 soll angeblich eine Geheimweiche liegen (Archivbild).
Blick auf die Bahnstrecke von Wroclaw nach Walbrzych: Bei Kilometer 65 soll angeblich eine Geheimweiche liegen (Archivbild).(Foto: dpa)

"Kommt alle mit einem Spaten": Anwohner wollen "Nazi-Zug" suchen

Aufruhr in der polnischen Provinz: Die Sache mit dem "Nazi-Zug" voller Gold lässt Schatzjägern und Aktivisten keine Ruhe. Im Internet taucht ein Appell auf, der Anwohner zu einer spontanen Grabungsaktion am Gleiskilometer 65 aufruft.

Gibt es den deutschen Panzerzug aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wirklich? Seit den ersten Gerüchten um einen angeblich in einem unterirdischen Tunnel verborgenen Nazi-Zug voller Gold oder anderer Wertgegenstände kommen die Gemeinden rund den vermeintlichen Fundort im niederschlesischen Walbrzych nicht zur Ruhe.

Sie glauben fest an ihren Zug: Die angeblichen Entdecker Andreas Richter und Piotr Koper (v.l.).
Sie glauben fest an ihren Zug: Die angeblichen Entdecker Andreas Richter und Piotr Koper (v.l.).(Foto: picture alliance / dpa)

Am kommenden Wochenende könnte die Suche vor Ort eine neue Stufe erreichen: Eine Gruppe von Anwohnern ruft bei Facebook zu einer Art Kundgebung auf, um endgültig Aufklärung über den sogenannten "Goldzug" zu fordern. Bei dem für Sonntag geplanten Happening am mittlerweile berühmten Gleiskilometer 65 an der Strecke zwischen Walbrzych und Wroclaw (Breslau) wollen die Aktivisten den sofortigen Beginn von Ausgrabungsarbeiten verlangen.

Gibt es den Tunnel?

"Kommt alle mit einem Spaten", heißt es in dem Aufruf. Bis zum Donnerstagabend kamen die Veranstalter bei Facebook allerdings nur auf 188 Zusagen - bei mehr als 2000 online ausgesprochenen Einladungen. "Wir fühlen, dass wir etwas tun müssen", erklärte Rafal Okupniarek, Organisator des Happenings, im Sender "Radio Wroclaw" das Vorhaben. Mit der Kundgebung will er vor allem erreichen, dass die Behörden den Weg für Grabungsarbeiten freimachen.

"Seit dem Krieg sind 70 Jahre vergangen, und wir wissen immer noch nicht, was sich in dem Tunnel befindet", meinte Okupniarek. Die beiden Männer, die den Zug entdeckt haben wollen, Piotr Koper und Andreas Richter, wollten eigentlich noch im März mit Grabungen auf eigene Kosten beginnen. Die erforderlichen Genehmigungen stehen allerdings noch aus. Sprengstoffexperten des polnischen Militärs hatten das fragliche Gebiet zuvor nach Sprengfallen und Munitionsresten abgesucht und schließlich freigegeben.

Wem gehört das "Gold"?

Seit den ersten Berichten über ihren angeblichen Fund Mitte August ist die Region wie verändert: Alte Legenden und vage Hinweise auf unterirdische Hohlräume aus den letzten Kriegstagen vermischen sich mit Gerüchten und begeistertem Wunschdenken. Im Ort Walbrzych, dem früheren Waldenburg, kursieren mündlich überlieferte Berichte, in denen sogar von zwei Zügen die Rede ist, die in den Wirren des Kriegsendes spurlos verschwunden sein sollen.

Für die Region machen sich die Spekulationen schon jetzt in barer Münze bemerkbar: Seit vergangenem Sommer zieht die Geschichte Schaulustige aus dem In- und Ausland an. Sollte sich wirklich "Nazigold" im Boden unter Walbrzych befinden, stünde Polen nicht nur vor einer Aufsehen erregenden Entdeckung, sondern zugleich auch vor einer komplizierten Rechtslage. Zu klären wäre unter anderem, wer tatsächlich Eigentümerrechte an etwaigen Wertgegenständen anmelden könnte. Die Behörden haben bereits unmissverständlich klar gemacht, dass alle Funde im Erdboden zunächst dem polnischen Staat gehören.

Lage des "Projekts Riese"StepMap

Quelle: n-tv.de

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