Panorama
Eines der ersten Bilder von der brennenden Ölplattform. Das Foto wurde am 21. April von einem Hubschrauber der US-Küstenwache aus gemacht.
Eines der ersten Bilder von der brennenden Ölplattform. Das Foto wurde am 21. April von einem Hubschrauber der US-Küstenwache aus gemacht.(Foto: Reuters)
Samstag, 24. Juli 2010

Explodierte Ölplattform: "Der Alarm war abgestellt"

Bei einer Befragung durch US-Ermittler sagt ein Techniker von der "Deepwater Horizon", der Alarm auf der gesunkenen Ölplattform sei schon seit einem Jahr abgestellt gewesen. In der Nacht der Katastrophe habe es keinen Alarm gegeben. Ein Unwetter stoppt derweil den Kampf gegen die Ölpest.

Auf der im Golf von Mexiko gesunkenen Ölplattform "Deepwater Horizon" war nach Darstellung eines Technikers ein Notalarm mit Absicht abgestellt worden. Die Manager der Ölplattform hätten verhindern wollen, dass die Mannschaft nachts durch einen Fehlalarm geweckt werde, sagte Plattform-Cheftechniker Mike Williams vor Ermittlern im US-Bundesstaat Louisiana. Der Alarm hätte die aufsteigende Wolke entflammbaren Methangases melden können, so Williams.

Nach seiner Darstellung war das Alarmsystem so eingestellt, dass aufsteigende Gase zwar registriert wurden, jedoch kein akustisches oder sichtbares Signal losging. Williams sagte, er habe dies bereits vor etwa einem Jahr entdeckt und sich daraufhin nach dem Grund erkundigt. Als Erklärung habe man ihm gesagt, "dass sie nicht wollten, dass die Leute um drei Uhr morgens wegen falschen Alarms geweckt werden". In der Nacht des Feuers sei kein Alarm zu hören oder zu sehen gewesen. Bei der Explosion der Plattform am Abend des 20. April starben elf Menschen.

Im Gegensatz zu Williams haben jedoch mehrere Mitarbeiter des Bohrturms gegenüber Ermittlern angegeben, Alarmsignale gehört zu haben. Transocean, das die Plattform für BP betrieb, teilte mit, der Alarm sei nach üblicher Praxis eingestellt gewesen.

IEA fordert Kontrolle der Ölkonzerne

Bislang hält die Kappe. Entwarnung gibt es jedoch noch nicht.
Bislang hält die Kappe. Entwarnung gibt es jedoch noch nicht.(Foto: REUTERS)

Der Grund für die Explosion der Plattform, die zwei Tage später zum Untergang der Bohrinsel führte, ist noch immer unklar. Angesichts der verheerenden Ölkatastrophe vor der US-Küste fordert mittlerweile selbst die Internationale Energieagentur (IEA) eine stärkere Überwachung der Ölmultis. "Wir brauchen neue Regeln und am dringlichsten eine bessere Überwachung der Ölkonzerne durch staatliche Aufsicht", sagte IEA-Chefvolkswirt Fatih Birol der "Berliner Zeitung".

Birol sprach sich zugleich aber auch dafür aus, neue Tiefseeprojekte anzugehen. "Wir dürfen nicht vergessen, dass ein sehr großer Teil der neuen Ölquellen, die sich noch anzapfen lassen, um unseren steigenden Bedarf zu decken, unter dem Meer liegen", sagte er. Ohne die Erschließung neuer Tiefseevorkommen steige die Abhängigkeit von "sehr wenigen Staaten im Nahen Osten", die über "enorme Vorräte" verfügten. Das habe Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit.

"Bonnie" stoppt Kampf gegen Ölpest

Derweil ist der Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko wegen eines nahenden Unwetters zum Erliegen gekommen. Tropensturm "Bonnie" schwächte sich allerdings zu einem Tief ab, wie das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami mitteilte. Eine Sturmwarnung bestehe aber weiterhin für Teile der US-Küste, berichtete der Fernsehsender CNN.

Einsatzleiter Admiral Thad Allen hatte den Abzug der meisten Schiffe nahe der Unglücksstelle angeordnet. "Jetzt ist es unsicher, daher verlassen wir die Region", sagte Allen am Freitag (Ortszeit). Insgesamt werde der Kampf gegen die Ölpest durch das Unwetter vermutlich um 10 bis 14 Tage zurückgeworfen.

Das Nationale Hurrikan-Zentrum geht davon aus, dass erste Vorboten der Schlechtwetterfront am späten Samstagabend (Ortszeit) die Region der Umweltkatastrophe vor der US-Küste erreichen. Die Hurrikan-Saison dauert von Juni bis November.

Die Kappe, die das Ölleck in 1500 Meter Tiefe seit einer Woche erfolgreich abdichtet, soll bis auf weiteres verschlossen bleiben, hieß es. Eine Beobachtung der Abdeckung ist wegen "Bonnie" aber nicht möglich.

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Quelle: n-tv.de

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