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Grabkreuz nahe der Gemeinschaftsgrabstelle der Opfer des Germanwings-Absturzes in den französischen Alpen.
Grabkreuz nahe der Gemeinschaftsgrabstelle der Opfer des Germanwings-Absturzes in den französischen Alpen.(Foto: dpa)

Neuer Bericht zum Germanwings-Absturz: Experten stellen Schweigepflicht infrage

Wie liefen die letzten Minuten des Germanwings-Absturz vor einem Jahr ab? Ein neuer Bericht französischer Experten räumt mit bisherigen Annahmen auf und stellt gleichzeitig schwierige Fragen.

Französische Flugunfall-Experten haben nach dem Germanwings-Absturz vor knapp einem Jahr Vorschläge zur medizinischen Kontrolle von Piloten erarbeitet. Sie wurden in Bonn Angehörigen der Todesopfer vorgestellt. Der "Bild"-Zeitung zufolge wird zum Beispiel empfohlen, die ärztliche Schweigepflicht auf den Prüfstand zu stellen, damit Erkrankungen von Menschen in verantwortungsvollen Positionen frühzeitig erkannt und behandelt werden können.

Nach Erkenntnissen der Ermittler war der Copilot, der am 24. März 2015 eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen absichtlich zum Absturz gebracht hatte und 149 Menschen mit in den Tod riss, psychisch krank gewesen. In seinem Fall seien mehrere Ärzte über eine erneut aufgetretene depressive Episode informiert gewesen, schreibt die Zeitung. Sie hätten wegen ihrer Schweigepflicht aber weder die Lufthansa noch das Luftfahrtbundesamt informiert.

Am Sonntag wollen die Experten der Untersuchungsbehörde BEA in Paris ihren Abschlussbericht der Öffentlichkeit vorstellen. Am Samstag wurden bereits Angehörige in Bonn informiert. Die Frage, warum der Copilot überhaupt fliegen durfte, nahm einen breiten Raum bei dieser Veranstaltung ein. Die BEA informierte in diesem Zusammenhang zum Beispiel darüber, dass die Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen des Copiloten, die bei Germanwings eingingen, nicht an den flugmedizinischen Dienst der Lufthansa weitergeleitet worden seien.

Klopfen kam nicht von der Bordaxt

So habe es auch keine Möglichkeit für den medizinischen Dienst gegeben, nachzufragen, warum er krank war. Angehörige nannten Aussagen der Flugunfall-Experten beruhigend, nach denen kurz vor dem Aufprall der Maschine der Autopilot so eingestellt gewesen sei, dass die Passagiere das als normalen Sinkflug empfinden mussten. Auch sei ein auf dem Stimmrekorder zu hörendes heftiges Klopfen an die Cockpittür nicht von der Bordaxt gekommen.

Außerdem habe der ausgesperrte Flugkapitän nicht in Richtung des Copiloten geschrien. Für die Angehörigen der Verstorbenen ist es von großem Interesse, wie die letzten Minuten vor dem Aufprall abliefen. Im Bericht werden den Informationen zufolge auch Alternativen für den Türmechanismus der Cockpittür diskutiert. Der Copilot hatte sie verriegelt, als der Pilot das Cockpit kurz verließ. Sie hätte nur von ihm wieder geöffnet werden können.

Ein Mandant des Mönchengladbacher Anwalts Christof Wellens berichtete diesem, dass die Angehörigen "wenig Neues erfahren" hätten. Es sei ein sachlicher Bericht über die Untersuchungsergebnisse abgegeben worden. Wellens, der nach eigenen Angaben 34 Familien von Opfern vertritt, hatte am Freitag kritisiert, dass keine Anwälte zu der Informationsveranstaltung zugelassen wurden. 16 der 34 Familien hätten den Wunsch gehabt, dass er sie bei der Veranstaltung vertrete. Die BEA ist dabei nicht für die juristische Aufarbeitung oder mögliche Schuldfragen zuständig, sondern für die sogenannte Sicherheitsuntersuchung.

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Quelle: n-tv.de

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