Panorama
Auch in Saint Malo, westlich von Mont-Saint-Michel, sind die Tide-Beobachter aus dem Häuschen.
Auch in Saint Malo, westlich von Mont-Saint-Michel, sind die Tide-Beobachter aus dem Häuschen.(Foto: picture alliance / dpa)

Am Tag nach der Sonnenfinsternis: Jahrhundertflut lockt Tausende an

Im Nordwesten Frankreichs übt ein seltenes Naturspektakel enorme Anziehungskräfte aus: An der weltberühmten Klosterinsel Mont-Saint-Michel versammeln sich Tausende, um den Anstieg des Meeresspiegels zu erleben - den sogenannten Tidenhub.

Zahlreiche Schaulustige haben am frühen Morgen an dem weltbekannten Klosterfelsen Mont-Saint-Michel in der Normandie ein Naturspektakel der besonderen Art erlebt. Gegen 07.45 Uhr erreichte eine erwartete "Jahrhundert-Tide" ihren ersten Höhepunkt.

Video

Fernsehbilder zeigten den Mont-Saint-Michel völlig vom Festland abgeschnitten. Eine spezielle Sonne-Mond-Konstellation, die auch zu der partiellen Sonnenfinsternis über Europa führte, hob den Unterschied zwischen Flut und Ebbe auf etwa 14 Meter und damit so hoch wie ein vierstöckiges Gebäude. Das Schauspiel des bemerkenswerten Tidenhubs sollte sich dann am Abend wiederholen.

Rund 10.000 Menschen hatten sich seit Freitagabend in Sichtweite der französischen Weltkulturerbe-Insel versammelt. Die Polizei hatte eigenen Angaben zufolge Schwierigkeiten, die Menschenmassen zurückzuhalten, die in den letzten Minuten vor der Flut noch Fotos machen wollten. Kenner der Küstenverhältnisse vor Ort hatten im Vorfeld vor unvorsichtigen Ausflügen in die Überflutungszone gewarnt. Schon mit einer regulären Flut, so heißt es am Klosterberg, kämen die Wassermassen schneller als ein Mensch laufen kann.

Schon in Zeiten normaler Gezeiten ein Magnet für Touristen: Kunstkenner, Naturliebhaber und Esoteriker verehren den Mont-Saint-Michel als "magischen Ort".
Schon in Zeiten normaler Gezeiten ein Magnet für Touristen: Kunstkenner, Naturliebhaber und Esoteriker verehren den Mont-Saint-Michel als "magischen Ort".(Foto: REUTERS)

Die festungsartig ausgebaute Klosteranlage aus dem frühen Mittelalter ist mit dem Festland nur durch einen schmalen Fahrdamm verbunden. Der Berg zählt aufgrund seiner besonderen Lage und Geschichte zu den "magischen Orten" Frankreichs.

Weltweites Phänomen

Der sogenannte Tidenhub - der Unterschied zwischen Ebbe und Flut - erreichte bei dem Naturereignis mehr als 14 Meter. Zum Vergleich: Das ansteigende Wasser würde damit ein vierstöckiges Haus vollständig überdecken. Eine solche Springflut wird auch an Küstenorten in Großbritannien, Kanada und Australien erwartet. Der Begriff Jahrhundertflut ist dabei nicht ganz zutreffend; tatsächlich kommt ein vergleichbares Naturereignis aber alle 18 Jahre vor.

Schon zu normalen Zeiten ist der Tidenhub hier deutlich höher als anderswo in Frankreich. Die Brücke, die das Unesco-Weltkulturerbe mit dem Festland verbindet, war am Samstag komplett bedeckt. Der Wissenschaftler Eric Langlois vom Nationalen Hydrographischen Dienst erklärte das Phänomen so: "Jetzt kommt ein Moment, in dem die Sonne und der Mond in einer Linie mit der Erde sind." Der Effekt der Anziehungskräfte der beiden Himmelskörper verstärke sich, sagte Langlois.

Die nächsten vergleichbaren Fluten werden für März 2033 und März 2051 erwartet. Das Ereignis ist am Mont-Saint-Michel bestens zu beobachten, weil dort die Halbinsel Cotentin am höchsten Punkt der Normandie und die bretonische Küste eine Art Trichter für das Meerwasser bilden.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen