Panorama

Hotline der Kirche offenbart neue Fälle: Tausende reden über Missbrauch

Tausende Menschen haben bislang die Hotline für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche genutzt. Dabei seien mehr als 1000 Fälle bekannt geworden, erklärt die Bischofskonferenz in einem Zwischenbericht. Fast 15 Prozent der Opfer gaben an, nicht nur wiederholt, sondern ständig missbraucht worden zu sein. Die Straftaten seien jedoch zumeist verjährt, hieß es.

Der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche, Bischof Stephan Ackermann (rechts), bei der Vorstellung der Telefon-Hotline im März. Neben ihm Andreas Zimmer, Leiter des Arbeitsbereichs Beratungsdienste beim Bistum Trier.
Der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche, Bischof Stephan Ackermann (rechts), bei der Vorstellung der Telefon-Hotline im März. Neben ihm Andreas Zimmer, Leiter des Arbeitsbereichs Beratungsdienste beim Bistum Trier.(Foto: picture alliance / dpa)

Von mehr als 1000 sexuellen Übergriffen haben Anrufer von März bis Mitte Oktober bei der Hotline der Deutschen Bischofskonferenz für Opfer sexueller Gewalt berichtet. Dies geht aus einem Zwischenbericht über die Arbeit der Hotline hervor, den die Bischofskonferenz vorlegte.

664 Nutzer hätten Delikte aus dem kirchlichen Umfeld thematisiert. "432 davon wurden durch Priester oder Ordensleute begangen", hieß es. 393 Sexualdelikte wurden benannt, die nicht im kirchlichen Umfeld verübt wurden. Täter seien etwa Lehrer in staatlichen Schulen und Internaten, Familienangehörige oder Verantwortliche in Vereinen gewesen. Die Taten seien mehrheitlich in den 1950er, 60er und 70er Jahren begangen worden und damit strafrechtlich verjährt.

14,1 Prozent der Opfer ständig missbraucht

Insgesamt seien von März bis Oktober 3431 Gespräche geführt worden. Hinzu kommen 213 Internet-Beratungen. Die bundesweite Hotline ist ein Angebot der Lebensberatung im Bistum Trier im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz.

16,1 Prozent aller Opfer hätten angegeben, einmal missbraucht worden zu sein. 69,8 Prozent seien mehrmals und 14,1 Prozent andauernd missbraucht worden. Rund 97 Prozent der Anrufenden berichteten, zum Tatzeitpunkt katholisch gewesen zu sein. Gut 12 Prozent betonten, dass sie inzwischen aus der Kirche ausgetreten seien.

Forderung nach besserem Schutz

Für die Opfer sexualisierter Gewalt sind die Folgen sehr unterschiedlich. So spannt sich der Bogen von "Personen, die angaben, lebenslang unter Schädigungen durch schwere sexuelle Traumatisierungen zu leiden oder psychiatrische Probleme zu haben, bis zu solchen, deren Verletzungen erkennbar gut geheilt und bewältigt wurden". Bei den von Opfern beschriebenen Täterstrategien habe sich kein grundverschiedenes Profil zwischen kirchlichem und nicht-kirchlichem Bereich gezeigt, gab die Bischofskonferenz an.

Viele Opfer erwarteten eine andere kirchliche "Aufmerksamkeits- und Transparenzkultur". "Immer wieder wurde gewünscht, dass die Kirchenleitung die Straftaten an Kindern in ihrem ganzen Ausmaß und den verheerenden Auswirkungen zur Kenntnis nimmt, die Minderjährigen besser schützt und ihnen Hilfe anbietet", hieß es. Die Hotline sei dabei als Schritt in die richtige Richtung begrüßt worden. "Viele gaben an, zum ersten Mal ihre Scheu und Bedenken zu überwinden und über ihre Erfahrungen zu sprechen." Die Hotline soll bis September 2011 erreichbar bleiben.

Quelle: n-tv.de

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