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Sie waren auf der Flucht oder wurden von den Flammen überrascht: Viele Menschen starben bei dem Waldbrand in ihren Autos.
Sie waren auf der Flucht oder wurden von den Flammen überrascht: Viele Menschen starben bei dem Waldbrand in ihren Autos.(Foto: REUTERS)

Dreitägige Staatstrauer: Viele Tote bei Waldbrand in Portugal

Es ist für Portugal der schwerste Waldbrand seit Jahrzehnten: Nordöstlich von Lissabon bricht ein Feuer aus. Viele Menschen sterben in ihren Autos - vom Flammen umzingelt. Wie Augenzeugen berichten, war die Feuerwehr in der Nacht völlig überfordert.

Nach dem verheerenden Waldbrand in Portugal hat die Regierung eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Die Trauer gilt ab Sonntag, wie die Regierung in Lissabon mitteilt. Die Zahl der Menschen, die bei dem Feuer ums Leben kamen, steigt immer weiter: Nach jüngsten Angaben sind mindestens 62 Menschen gestorben, mehr als 50 weitere wurden verletzt. Unter den Verletzten waren acht Feuerwehrleute, wie Innenstaatssekretär Jorge Gomes erklärte.

Das Feuer weitet sich aus, Winde erschweren die Löscharbeiten.
Das Feuer weitet sich aus, Winde erschweren die Löscharbeiten.(Foto: REUTERS)

Das Feuer war am Samstagnachmittag in der Region Leiria nahe der Ortschaft Pedrógão Grande im Zentrum des Landes ausgebrochen und hatte sich mit rasender Geschwindigkeit in vier Richtungen ausgebreitet. Der Polizei zufolge war es von einem Blitzschlag ausgelöst worden. Über dem betroffenen Gebiet hatte sich ein Gewitter entladen, ohne dass es dabei regnete. "Alles deutet ganz klar auf natürliche Ursachen hin", sagte der Direktor der Kriminalpolizei, José Almeida Rodrigues. "Wir haben in Zusammenarbeit mit der Nationalgarde sogar den Baum gefunden, der von einem Blitz getroffen wurde."

Viele Menschen starben in ihren Autos, als das Feuer ihnen den Weg abschnitt. Ob sie vor den Flammen flüchteten oder von dem Brand überrascht wurden, ist laut Innenstaatssekretär Gomes unklar. Nach Angaben von Augenzeugen war die Feuerwehr zunächst völlig überfordert. "Als die Flammen in der Nacht unseren Häusern immer näherkamen, habe ich stundenlang keinen einzigen Feuerwehrmann gesehen", sagte eine ältere Frau in der betroffenen Region dem Fernsehsender RTP. Ähnlich äußerten sich auch andere Menschen bei RTP. Der Bürgermeister von Pedrógão Grande, Valdemar Alves, hatte bereits in der Nacht eine "ungenügende Zahl von Einsatzkräften" beklagt.

Deutschland bietet Hilfe an

Schließlich sind rund 900 Feuerwehrleute mit fast 300 Löschfahrzeugen sowie zwei portugiesische Löschflugzeuge sind gegen die Flammen im Einsatz. Starke Winde erschweren die Löscharbeiten. Der Brand wütet nach Behördenangaben noch immer an vier Fronten, an zweien davon mit "großer Wucht". Die Europäische Union sagte angesichts der besorgniserregenden Situation ihre Hilfe zu. "Es wird alles getan werden, um den Behörden und den Menschen in Portugal in dieser Zeit der Not zu helfen", erklärte der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides.

Auf Bitte Portugals würden über die Nothilfekoordinierung der EU Löschflugzeuge organisiert. Frankreich habe sofort drei Maschinen zugesagt, die nun rasch entsandt würden. Zusätzlich helfe Spanien ebenfalls mit Flugzeugen. Stylianides drückte seine Trauer um die Opfer und sein Mitgefühl für die Betroffenen aus.

Auch Bundeskanzlerin Merkel drückte Portugals Regierung ihre Anteilnahme aus. Sie bot deutsche Hilfe an, falls diese benötigt werden. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel äußerte sich "tief bestürzt". Es seien "erschütternde Bilder von eingekesselten Dörfern und Menschen, die dem Inferno auf der Flucht in ihren Autos zum Opfer gefallen sind", teilte Gabriel mit.

"Ein echtes Inferno"

Mehr als 20 Ortschaften sind betroffen. Es gebe einige Dörfer, die "von den Flammen völlig eingekesselt" seien, sagte Bürgermeister Valdemar Alves. "Das ist ein echtes Inferno, so etwas haben wir noch nie gesehen." Hunderte Bewohner wurden zunächst in Not-Zelten untergebracht, viele von ihnen wurden wegen Rauchgas-Vergiftungen behandelt. "Wir tun alles Mögliche und Unmögliche, um das Feuer zu löschen", sagte Innenstaatssekretär Gomes. Allerdings hänge der Rauch über der Region sehr tief. Hubschrauber und Löschflugzeuge könnten deshalb nicht gut arbeiten.

Staatsoberhaupt Marcelo Rebelo de Sousa war in der Nacht zur Unglücksstelle geflogen und sprach dort von einer "beispiellosen Situation". Der sozialistische Ministerpräsident António Costa, der die Entwicklung die gesamte Nacht von der Zentrale des Zivilschutzes in Carnaxide bei Lissabon aus verfolgte, sagte, er sei vom "Ausmaß der Tragödie schockiert".

Der Kreis Pedrógão Grande hat auf 128 Quadratkilometer Fläche lediglich rund 4000 Einwohner, die sich in erster Linie der Land-, aber auch der Textilwirtschaft widmen. Die nahezu unberührte Natur mit Lagunen und Stauseen zog in den vergangenen Jahren immer mehr Wanderer und Wassersportler an.

Einen ähnlich schlimmen Waldbrand hatte es in Portugal zuletzt vor einem halben Jahrhundert gegeben. 1966 starben bei einem siebentägigen Feuer in Sintra in der Nähe von Lissabon 25 Menschen, allesamt Angehörige des Militärs.

Quelle: n-tv.de

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