Panorama

Manager von ReinigungsfirmaZwei Festnahmen im Eier-Skandal

10.08.2017, 15:56 Uhr
Video poster

Auf der Suche nach den Schuldigen im Fipronil-Skandal durchsuchen Ermittler Wohnungen und Büros. In der Nähe von Utrecht in den Niederlanden nehmen sie zwei Manager fest. Ihre Firma Chickfriend soll mit dem Insektizid gearbeitet haben.

Im Skandal um mit Fipronil belastete Eier sind in den Niederlanden zwei Manager festgenommen worden. Sie sind Führungskräfte des Unternehmens, das im Zentrum des Falls steht und verbotenerweise das Insektizid zum Reinigen von Hühnerställen benutzt haben soll. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um die niederländische Firma Chickfriend.

Der niederländischen Staatsanwaltschaft zufolge wurden die Manager nach einer Durchsuchung ihrer Wohnungen in der Nähe von Utrecht festgenommen. Ihnen wird eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit durch den Einsatz von Fipronil in Ställen von Legehennen vorgeworfen, außerdem der Besitz verbotener Substanzen. Alle rund 180 niederländischen Eierproduzenten, bei denen mit Fipronil belastete Eier gefunden wurden, waren Kunden der Firma.

Das für die Nutztierhaltung verbotene Fipronil wurde vor allem zur Bekämpfung der für Legehennen gefährlichen Blutlaus eingesetzt. Außerdem wurden Büros von zwei anderen Unternehmen durchsucht, die als Zulieferer in den Eier-Skandal verwickelt gewesen sein sollen. Dabei wurden auch Bankunterlagen und Computer beschlagnahmt.

In den Niederlanden gab es den Behördenangaben zufolge Durchsuchungen an insgesamt acht Orten. Auch in Belgien gab es eine Reihe von Durchsuchungen. Die Ermittlungen waren zwischen den Strafverfolgungsbehörden beider Länder abgestimmt, hieß es. Nach Angaben des niederländischen Bauernverbandes beträgt der durch den Eier-Skandal entstandene Schaden für die Geflügelhalter mindestens 150 Millionen Euro.

Auch Hersteller von Desinfektionsmittel unter Verdacht

Im Visier der Ermittler ist zudem ein belgisches Unternehmen, das vermutlich unerlaubt Fipronil dem Desinfektionsmittel Dega 16 beimischte. Ein Anwalt der belgischen Firma Poultry-Vision teilte mit, diese habe das Desinfektionsmittel Dega 16 an Chickfriend verkauft, aber bislang nicht angegeben, woher das Fipronil stammte. Die niederländische Staatsanwaltschaft erklärte, sie ermittle seit Mitte Juli, wie Fipronil in die Lebensmittelkette habe gelangen können. In Belgien wird dies schon seit Anfang Juni untersucht.

Derweil zieht der Eier-Skandal noch größere Kreise: Rund 700.000 Fipronil-Eier gelangten nach Großbritannien. Das seien etwa 33 Mal so viel wie bislang vermutet, erklärte die britische Behörde für Lebensmittelsicherheit (FSA) in London. In ersten Schätzungen waren die Experten noch von 21.000 Eiern ausgegangen. Eine Gefahr für die Gesundheit hält die Behörde für "sehr unwahrscheinlich".

Rückruf auch in Österreich

Auch Österreich ist nun von einem Rückruf betroffen. Zwei Großhändler haben nach Angaben der Lebensmittelaufsicht Oberösterreich Hunderte Kilo gekochter und geschälter Eier aus den Niederlanden an Gastronomen im ganzen Land verkauft. Eine Rückrufaktion laufe, sagte der zuständige Landesrat Rudi Anschober. Für die Chargen der oberösterreichischen Händler hatte es demnach in Deutschland eine Warnung gegeben.

"Es wurden sofort nach Information aus Deutschland die belieferten Abnehmer in ganz Österreich durch die beiden Unternehmen informiert und ein vorsorglicher Rückruf veranlasst", hieß es aus dem Büro Anschobers.

Zudem sind 20 Tonnen mit Fipronil belastete Eier nach Dänemark geliefert worden. Das teilte die dänische Behörde für Lebensmittelsicherheit mit. Eine dänische Firma habe die gepellten und gekochten Eier von einem belgischen Händler bezogen - produziert wurden die Eier den Angaben zufolge aber in den Niederlanden. "Die Eier wurden überwiegend an professionelle Küchen verkauft, aber nicht an normale Verbraucher", sagte Nikolas Kühn Hove, Leiter der Abteilung für Lebensmittelwarnungen.

Quelle: hul/dpa/AFP

GroßbritannienNiederlandeDeutschlandLebensmittelskandale