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Sonntag, 23. April 2017

Weidel und Gauland: AfD geht mit Spitzen-Duo in Wahlkampf

Von Benjamin Konietzny, Köln

Die AfD einigt sich bei ihrem Parteitag auf ein Spitzen-Duo. Es besteht aus einem stramm rechten AfD-Mitbegründer und einer weltläufigen Wirtschaftsliberalen.

Die AfD zieht mit dem stellvertretenden Parteichef Alexander Gauland und Vorstandsmitglied Alice Weidel als Spitzenkandidaten in den Bundestagswahlkampf. Für das Duo stimmten beim Parteitag in Köln knapp 68 Prozent der Delegierten. Parteichefin Frauke Petry hatte nach ihrer Niederlage bei der Debatte um die Ausrichtung der Partei bekräftigt, sie stehe nicht für eine Spitzenkandidatur zur Verfügung.

Alice Weidel bildet einen Kontrast zum engstirnigen Wutbürger-Klischee, das der AfD anhaftet. Die 38-Jährige studierte mit einem Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung Volkswirtschaft und BWL, arbeitete anschließend bei Allianz Global Investors und Goldman Sachs in Frankfurt, bevor sie sechs Jahre beruflich in China verbrachte. Inzwischen hat sie sich darauf spezialisiert, Start-Ups zu beraten und zu gründen.

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In ihrer Rede nach der Wahl sagte Weidel, über die Spitzenkandidatur sei zuletzt viel gestritten worden. Doch "irgendwann muss auch Schluss sein". Die AfD solle jetzt vereint in den Wahlkampf ziehen. Den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer bezeichnete Weidel als "Nebelkerze". In Anspielung auf das Terrorattentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt sagte Weidel, es sei ein Skandal, dass christliche Feste inzwischen "mit Polizei, mit Maschinengewehren und LKW-Sperren" geschützt werden müssten.

Sie gilt als strenge Wirtschaftsliberale, die seit je her die Euro-Rettngspolitik kritisiert. Innerhalb der AfD hat sich die geborene Westfälin, die mit ihrer Lebensgefährtin in Überlingen am Bodensee lebt, auf Wirtschaft und Finanzen spezialisiert und leitet den Bundesfachausschuss Euro und Währung. Sie plädiert dafür, den Euro "geordnet abzuwickeln" und die "Insolvenzverschleppung" in Griechenland zu beenden.

Politisch liegt Weidel deutlich näher am Lager Petrys als am rechtsnationalen Flügel um Höcke und Poggenburg. Nach Höckes umstrittener Rede in Dresden forderte sie seinen Parteiausschluss. Flüchtlingsfeindliche Parolen sind ihr dennoch nicht fremd: Die bei der Altersvorsorge benachteiligten Arbeitnehmer müssten "mit ihren Steuergeldern einem Millionenheer von ungebildeten Migranten aus dem Nahen Osten und Afrika eine Rundumsorglos-Vollversorgung finanzieren", kritisierte sie im vergangenen Jahr.

Auch ihre Reaktion auf das türkische Verfassungsreferendum zugunsten Erdogans war unmissverständlich. Die "fünfte Kolonne" des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan solle "dahin gehen, wo es ihnen offensichtlich am besten gefällt und wo sie auch hingehören: in die Türkei".

Alexander Gauland war bei der Frage nach Spitzenkandidaten oder einem Spitzenteam gesetzt. Gauland genießt in der Partei trotz umstrittener Äußerungen hohes Ansehen und ist einer der einflussreichsten Köpfe der Partei. Gauland war lange Jahre CDU-Mitglied, Staatssekretär in Hessen, Herausgeber der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" und war lange selbst als Publizist tätig. Gauland hatte die AfD gemeinsam mit dem ausgetretenen Ex-Parteichef Lucke gegründet.

Anders als Petry und anders als Weidel steht Gauland für einen Oppositionskurs der Partei. In der Vergangenheit hat er wiederholt mit zynischen Äußerungen provoziert. Die Flüchtlingskrise verglich er mit einem "Wasserrohrbruch" und die Grenzöffnung für Flüchtlinge im September 2015 nannte er ein "Geschenk" für die AfD. Unmut hat er aber auch etwa durch Äußerungen über den Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng auf sich gezogen. Er wurde mit den Worten zitiert, die Leute fänden den dunkelhäutigen Innenverteidiger "als Fußballspieler gut, aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben". Später sagte Gauland, die deutsche Fußballnationalmannschaft sei "schon lange nicht mehr deutsch" im "klassischen Sinne".

Auch innerhalb der AfD hat er sich mit seinen Äußerungen Ärger eingehandelt. Es gibt Berichte, wonach Gauland vom Bundesvorstand ermahnt worden sei, "unnütze Provokationen durch verfehlte Sprachbilder" zu vermeiden. Alice Weidel soll das Papier mitunterzeichnet haben. Von einem Zwist zwischen den beiden ist jedoch nichts zu spüren. Gauland lobte Weidel als "bestens geeignet" für eine Spitzenkandidatur.

Gauland versuchte nach der Wahl, Petry eine Brücke zu bauen. Er sprach sie direkt an und sagte, sie habe wohl am Samstag, als ihr Vorschlag für eine Kurskorrektur abgelehnt worden war, einen "schweren Tag" gehabt, "aber wir brauchen Sie in der Partei".

Quelle: n-tv.de

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