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De Maizière lässt prüfen: Asylbewerber sind nicht krimineller

Flüchtlinge klauen, betrügen und vergewaltigen. Das glauben viele Menschen in Deutschland, auch wegen entsprechender Gerüchte. Das Innenministerium macht deshalb eine Datenabfrage. Das Ergebnis ist je nach Standpunkt spektakulär bis wenig überraschend.

Das Bundesinnenministerium sieht keinen Anstieg von Straftaten wegen des Zuzugs von Asylbewerbern. Das geht aus einer Lageübersicht hervor, die das Bundeskriminalamt (BKA) mit den Polizeien der Länder im Auftrag des Ministeriums erstellt hat. Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte, diese ersten verfügbaren Daten zeigten, "dass Flüchtlinge im Durchschnitt genauso wenig oder oft straffällig werden wie Vergleichsgruppen der hiesigen Bevölkerung. Der Großteil von ihnen begeht keine Straftaten, sie suchen vielmehr in Deutschland Schutz und Frieden".

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In einer Mitteilung des Ministeriums heißt es, die hohen Flüchtlingszahlen hätten Auswirkungen auf das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung. Die Datenerhebung soll laut de Maizière dazu dienen, "Gerüchten über den Anstieg von Straftaten den Boden zu entziehen und belastbare Informationen zu erhalten".

Die Daten wurden von den Bundesländern angefordert, in denen rund 70 Prozent der Flüchtlinge leben. Angesichts der hohen Zahl von Flüchtlingen sei zwar die Gesamtzahl der Straftaten gestiegen. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Bevölkerung inklusive Flüchtlingen gebe es aber keinen Anstieg der Straftaten.

Zwei Drittel der erfassten Delikte sind laut Innenministerium Vermögens- und Fälschungsdelikte sowie Diebstahl. Der Anteil der Sexualstraftaten betrug weniger als ein Prozent. Mord und Totschlag machen weniger als 0,1 Prozent der Taten aus. De Maizière sagte, jede Straftat sei zwar eine zu viel. Jedoch gebe es keinen Grund für übertriebene Sorgen.

Keine Grundlage für Vergewaltigungsmythen

Interessant an den Zahlen ist, dass sogenannte asylkritische Gruppen häufig behaupten, männliche Asylbewerber würden deutsche Frauen belästigen und vergewaltigen. Ein niedersächsischer AfD-Politiker, Uwe Wappler, behauptete im Oktober, ein zwölfjähriges Mädchen sei "im Bereich Unterweser" vergewaltigt worden. Auf Nachfrage eines ARD-Teams wusste er keine Antwort und gab später zu, den Fall hätte es doch nicht gegeben. Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke machte bei einem seiner umstrittenen Auftritte in Erfurt Stimmung, indem er behauptete, blonde Frauen könnten sich nicht mehr auf die Straße trauen.

Die Datenerhebung des BKA brachte auch zutage, dass die Delikte innerhalb der Erstaufnahmeeinrichtungen stark angestiegen seien. Grund hierfür könne die starke Belegung in den Einrichtungen sein, heißt es. Die Auswertung brachte außerdem Erkenntnisse zur Herkunft der Tatverdächtigen. Überrepräsentiert seien Migranten aus Serbien, dem Kosovo und aus Mazedonien. Gleichzeitig träten Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak kaum in Erscheinung.

Quelle: n-tv.de

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