Montag, 16. November 2009
Erika Steinbach: Die Getriebene
Steinbach im August 2006 in der Ausstellung "Erzwungene Wege - Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts".
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Jahrelang hat Erika Steinbach unermüdlich für eine Stätte der Erinnerung an die Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg gekämpft. Doch ob die 66-jährige Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV) im Stiftungsrat des geplanten "Zentrums gegen Vertreibungen" Platz nimmt, ist höchst fraglich. Sie war im Februar angeblich schon einmal zum Verzicht bereit, um die Kontroverse um ihre Person zu entschärfen. Für Polen ist die CDU-Politikerin ein rotes Tuch. Das liegt nach den Worten des FDP-Vorsitzenden und Außenministers Guido Westerwelle hauptsächlich daran, dass Steinbach in den 90er Jahren als CDU-Abgeordnete im Bundestag gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Grenze zu Polen gestimmt hatte.
Steinbach leitet den BdV seit 1998. Sie ist die erste Angehörige der "Kindergeneration" an der Verbandsspitze. 1943 wurde sie in Rahmel nördlich von Danzig im damals von deutschen Truppen besetzten Polen geboren. In Polen wird deshalb immer wieder kritisiert, sie sei keine echte Vertriebene aus den damals rechtmäßig zu Deutschland gehörenden Ostgebieten. Steinbach selbst sagt: "Heimat ist für mich ein unerfülltes Gefühl, das niemals eine Chance hatte zu wachsen."
Nach dem Krieg wuchs Steinbach in Schleswig-Holstein und Hessen auf. Seit 1990 sitzt die verheiratete Verwaltungswirtschaftlerin und Informatikerin im Bundestag. Als BdV-Präsidentin unterscheidet sie sich deutlich von früheren Vertriebenen-Funktionären, die sich mit den verlorenen Ostgebieten nicht abfinden wollten. "Ohne Hitler hätte es keine Vertreibungen gegeben", betont sie immer wieder. Andererseits heizt sie die Stimmung gegen sich mit harschen Äußerungen oft noch an.
dpa
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