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Gauck und seine Lebensgefährtin (halb verdeckt hinter Gauck) werden von General Burkhard Pototzky (l.) in Afghanistan begrüßt.
Gauck und seine Lebensgefährtin (halb verdeckt hinter Gauck) werden von General Burkhard Pototzky (l.) in Afghanistan begrüßt.(Foto: REUTERS)

Weihnachtsbesuch bei den Soldaten: Gauck fliegt nach Afghanistan

Unangekündigt besucht Bundespräsident Gauck die Bundeswehr in Afghanistan. Wie schon Verteidigungsminister de Maizière fliegt er mit der Regierungsmaschine direkt nach Masar-i-Scharif, um die verbesserte Sicherheitssituation zu unterstreichen.

Bundespräsident Joachim Gauck hat vor deutschen und internationalen Soldaten in Afghanistan eine realistische Einschätzung der Lage des Landes gefordert. Er wünsche sich weder Schwarzmalerei noch Schönfärberei, sondern Realismus, sagte Gauck bei seinem ersten Besuch in Afghanistan im deutschen Hauptquartier bei Masar-i-Scharif. In Deutschland müsse ehrlich über den Einsatz gesprochen werden, forderte er.

Der Bundespräsident dankte Soldaten und Helfern für ihr Engagement und schloss laut vorab verbreitetem Redemanuskript auch Familien und Freunde der in Afghanistan stationierten Deutschen ein. Eine Woche vor Weihnachten sei dieser Dank besonders groß. Aus Gaucks Umgebung hieß es, es habe dem Bundespräsidenten viel daran gelegen, die deutschen Truppen noch vor den Festtagen zu besuchen.

"Bewusst von einem Erfolg sprechen"

In Afghanistan herrschten immer noch kriegsähnliche Zustände, so Gauck. Der internationale Einsatz sei nicht am Ziel, aber er wolle bewusst von einem Erfolg sprechen, meinte Gauck weiter. Man höre in Deutschland von verwundeten oder getöteten Soldaten, nicht aber von zivilen Errungenschaften wie Stromanschlüssen und Schulabschlüssen.

Seine eigene Lebensgeschichte habe gezeigt, dass ohne Mut und Ausdauer der gesellschaftliche Wandel nicht zu erreichen sei, sagte Gauck. Der Einsatz der Soldaten sei Ausdruck einer in unserer Gesellschaft nicht selbstverständlichen Bereitschaft zum Dienen und zur Hingabe. Militärisches Handeln könne aber nur Räume sichern, die dann mit friedlichem demokratischem Leben gefüllt werden müssten.

Der Bundespräsident war am Abend (Ortszeit) mit einem zivilen Airbus A310 der Bundesregierung im nordafghanischen Masar-i-Scharif eingetroffen. Die Reise war aus Sicherheitsgründen vorher nicht angekündigt worden. Gauck wurde von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt und vom Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, begleitet. Er will mehrere Tage in Afghanistan bleiben.

Verbesserte Sicherheitslage

Der Kommandeur des ISAF-Regionalkommandos, Generalmajor Erich Pfeffer, gab Gauck zunächst einen Überblick über die militärische Lage. Im Camp Marmal bei Masar-i-Scharif sind etwa 2000 Bundeswehr-Soldaten stationiert. Es ist das größte Feldlager der Bundeswehr außerhalb Deutschlands. Insgesamt sind dort mehr als 5000 Soldaten der Nato-geführten Schutztruppe ISAF im Einsatz, darunter Militärs aus den USA, Norwegen, Schweden und 16 anderen Ländern.

Auch Gaucks Vorgänger Christian Wulff und Horst Köhler hatten jeweils einmal während ihrer Amtszeit Afghanistan besucht, zuletzt Wulff im Oktober 2011. Derzeit sind noch gut 4500 deutsche Soldaten in dem Land am Hindukusch stationiert, ihre Zahl soll im kommenden Jahr weiter reduziert werden. Bis Ende 2014 soll die Verantwortung für die Sicherheit an die afghanischen Streitkräfte übertragen werden.

Im November war Verteidigungsminister Thomas de Maizière erstmals mit einem zivilen Regierungs-Airbus direkt nach Masar-i-Scharif geflogen. Davor mussten Regierungsmitglieder und andere hochrangige Besucher immer im usbekischen Termes in eine Militärmaschine umsteigen. Der Direktflug soll auch die Fortschritte in der Sicherheitslage im Norden Afghanistans unterstreichen. Seit Sommer 2011 ist dort kein Bundeswehr-Soldat mehr ums Leben gekommen.

Quelle: n-tv.de

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