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Demonstranten werfen in Tunis mit Steinen auf Polizisten: Die Unruhen haben das gesamte Land erfasst.
Demonstranten werfen in Tunis mit Steinen auf Polizisten: Die Unruhen haben das gesamte Land erfasst.(Foto: dpa)

Zwei Tote und Dutzende Verletzte: Gewaltsame Proteste erschüttern Tunesien

Fünf Jahre ist es her, dass der "arabische Frühling" in Millionen Tunesiern die Hoffnung auf ein besseres Leben weckten: Nun verlieren sie die Geduld. Weil Wirtschaft und Arbeitsmarkt noch immer am Boden liegen, kommt es im ganzen Land zu Krawallen.

Nach den schlimmsten sozialen Unruhen seit Beginn des arabischen Frühlings vor fünf Jahren hat die tunesische Regierung eine Ausgangssperre für das gesamte Land angeordnet. Seit Tagen brodelt es nicht mehr nur in Tunis und der Provinz Kassérine. Auch in den Städten Jendouba und Bizerte griffen Demonstranten nach Angaben des Innenministeriums Polizisten an und steckten deren Wagen in Brand. Landesmedien berichteten, in einem ärmeren Viertel von Tunis seien in der vergangenen Nacht Läden und zwei Banken geplündert worden. Die Bilanz der letzten Tage: zwei Tote und Dutzende Verletzte.

Demonstranten in Kassérine: mit dem Bild des toten Tunesiers.
Demonstranten in Kassérine: mit dem Bild des toten Tunesiers.(Foto: dpa)

In Kassérine hatte die Polizei am Mittwochabend zuvor mit Tränengas und Wasserwerfern auf die Proteste reagiert. Zudem berichteten Augenzeugen von Schüssen, die in die Luft abgegeben worden seien. Ein Polizist war bei den Zusammenstößen getötet worden. Der 25-Jährige war mit seinem Auto umgekippt, als er Demonstranten auseinandertreiben wollte. Das Innenministerium bestätigte seinen Tod - und sprach von "Extremisten", die an der Demo teilgenommen hätten.

In der gleichnamigen Provinz im Westen des Landes hatten die Proteste gegen die Regierung aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage und hohen Arbeitslosigkeit begonnen. Auslöser war der Tod eines 28-jährigen Mannes, der aus Protest gegen eine abgelehnte Jobbewerbung auf einen Strommast geklettert war und dabei einen tödlichen Schlag erlitten hatte. Seither kam es in Kassérine immer wieder zu Protesten. Allein am Dienstag waren bei einem Polizeieinsatz 20 Demonstranten und drei Polizisten verletzt worden.

Regierung verspricht Besserung

Um den Konflikt zu beruhigen, versprach die Regierung, 5000 neue Arbeitsplätze in der Region zu schaffen und Sozialwohnungen zu bauen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt in Tunesien ist mit einer geschätzten Arbeitslosenquote von 15 Prozent angespannt. Bei Menschen mit einem Universitätsabschluss liegt die Quote sogar bei 32 Prozent.

Vor fünf Jahren hatten Massenproteste in Tunesien zum Sturz des Machthabers Zine el Abidine Ben Ali geführt und einen Flächenbrand in der arabischen Welt entfacht. Damals war der Tod eines arbeitslosen Gemüsehändlers, der sich aus Verzweiflung selbst verbrannt hatte, der Auslöser für die Unruhen.

Quelle: n-tv.de

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