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Begriff "Nafris" inakzeptabel: Grünenchefin kritisiert Kölner Polizei

Die Polizei rühmt sich, mit scharfen Kontrollen in Köln Straftaten verhindert zu haben. Aus der Politik kommt scharfe Kritik. Nicht nur die Opposition wirft den Sicherheitskräften Diskriminierung und "Entmenschlichung" ganzer Bevölkerungsgruppen vor.

Grünen-Chefin Simone Peter hat das Vorgehen der Polizei in Köln in der Silvesternacht gegen Hunderte Nordafrikaner kritisiert. Das Großaufgebot der Polizei in der Stadt habe Gewalt und Übergriffe zwar deutlich begrenzt, sagte Peter der "Rheinischen Post". "Allerdings stellt sich die Frage nach der Verhältnis- und Rechtmäßigkeit, wenn insgesamt knapp 1000 Personen alleine aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt wurden."

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Die Beamten hatten nach Angaben des Kölner Polizeipräsidenten Jürgen Mathies rund 650 Nordafrikaner schon bei der Fahrt in die Innenstadt an Bahnhöfen gestoppt. Viele andere mussten sich darüber hinaus - anders als Besucher, die in den Augen der Beamten nicht "nordafrikanisch aussahen" - intensiven Kontrollen unterziehen. Bei den überwiegend jungen Männern sei eine "Grundaggressivität" festgestellt worden, es sei mit Straftaten zu rechnen gewesen, rechtfertigte Mathies das Vorgehen. Die Personalien seien überprüft und Platzverweise erteilt worden. "Es ging darum, konsequent zu verhindern, dass es noch einmal zu vergleichbaren Handlungen kommt, wie im vergangenen Jahr", sagte Mathies.

Nach den zahlreichen Übergriffen auf Frauen in Köln im vergangenen Jahr wollte die Polizei in der Domstadt unbedingt verhindern, dass sich so etwas wiederholt. Nach ihrer eigenen Einschätzung gelang dies "durch konsequentes Einschreiten", so Mathies. In der Silvesternacht vor einem Jahr hatte es in Köln und anderen Städten massenhaft sexuelle Übergriffe auf Frauen gegeben. Die Verdächtigen und Verurteilten waren überwiegend Nordafrikaner. Polizeipräsident Mathies verwahrte sich in diesem Zusammenhang gegen den Vorwurf des "racial profiling", womit ein gezieltes polizeiliches Vorgehen nach ethnischen Gesichtspunkten bezeichnet wird.

Polizeichef: Hätten "Nafris" besser nicht getweetet

Grünen-Chefin Peter schloss sich zudem der Kritik an der Verwendung des Begriffs "Nafris" für Nordafrikaner an, wie ihn die Kölner Polizei auf Twitter am Silvesterabend benutzt hatte. "Völlig inakzeptabel ist der Gebrauch von herabwürdigenden Gruppenbezeichnungen wie 'Nafris' für Nordafrikaner durch staatliche Organe wie die Polizei", sagte Peter.

Der SPD-Politiker und frühere Chef der Piratenpartei Christopher Lauer nannte den von der Polizei verwendeten Begriff "in hohem Maße entmenschlichend". "Wenn die nun in der Silvesternacht hunderte Menschen so bezeichnen, ist das eine pauschale Verurteilung einer ganzen Bevölkerungsgruppe nur nach dem Aussehen." Wörtlich hatte die Kölner Polizei am Samstagabend getwittert: "Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft."

Am Sonntag hatte sich Polizeipräsident Mathies auch dazu geäußert. Seiner Einschätzung nach hätte der Begriff "Nafri" besser nicht nach außen verwendet werden sollen. Eine Häufung an Straftaten von Personen aus dem nordafrikanischen Raum lasse sich aber nicht bestreiten, und dafür müsse dann polizeiintern auch ein Begriff gefunden werden.

Mathies betonte, dass die allermeisten in Deutschland lebenden Nordafrikaner natürlich keine Straftäter seien. Rückendeckung bekam die Kölner Polizei vom Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. "Die Sicherheitskräfte in Köln haben hervorragende Arbeit geleistet und schwere Straftaten verhindert", sagte er der "Huffington Post". Auch den Vorwurf des "racial profiling" wies er zurück.

Quelle: n-tv.de

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