Politik
Mehrere Gegendemonstrationen versuchten, die Legida-Demo zu stören.
Mehrere Gegendemonstrationen versuchten, die Legida-Demo zu stören.(Foto: dpa)

Nur 15.000 Teilnehmer in Leipzig: Legida verfehlt das selbst gesteckte Ziel

Die Legida-Demo fällt kleiner aus, als von den Organisatoren angekündigt. Bis zu 13.000 Menschen ziehen durch die Stadt, um gegen die "Islamisierung des Abendlandes" zu protestieren. Die Pegida-Organisatoren in Dresden distanzieren sich.

Die Teilnehmerzahlen sprechen eine klare Sprache: Dem islamkritischen Legida-Bündnis ist es nicht gelungen, die angekündigte Zahl an Unterstützern zur Demonstration in Leipzig zu mobilisieren. Von den erwarteten bis zu 40.000 Menschen bringt Legida weniger als die Hälfte auf die Straße. Die Angaben schwanken: Die Nachrichtenagentur dpa berichtete zunächst von 13.000, n-tv-Reporter Thomas Präkelt sprach von "5000 bis 10.000" Teilnehmern.

Video

Die Stadt bezifferte die Zahl der Legida-Anhänger auf 15.000 und orientierte sich damit an den Angaben der Polizei. "Die Zahl 40.000 können wir streichen", sagte ein Polizist. Die Gegendemonstranten waren mit offiziell mehr als 20.000 deutlich in der Überzahl.

Die Legida-Gegner begleiteten den Demonstrationszug der Islamkritiker mit Protesten. Anhänger der Legida-Bewegung wurden mit Trillerpfeifen und "Haut ab, haut ab"-Rufen empfangen und teils am Fortkommen gehindert. Die Polizei sprach von einer angespannten Stimmung.

Die Leipziger erlebten einen Januarabend im Ausnahmezustand: Die Eingänge des Leipziger Hauptbahnhofs waren mit Sperrgittern verrammelt, die meisten Geschäfte in der Innenstadt hatten bereits lange vor Ladenschluss zu. Seit dem Nachmittag kreiste ein Polizeihubschrauber über der Stadt. Der zweite Aufmarsch des islamkritischen Legida-Bündnisses versetzte die Stadt sichtlich in Aufruhe.

Die Polizei versuchte mit dem größten Einsatz in der Geschichte Leipzigs seit 1989, Legida-Anhänger und Gegendemonstranten auseinanderzuhalten und offene Begegnungen der beiden Lager zu verhindern. Rund 4000 Polizisten aus dem gesamten Bundesgebiet waren zeitweise im Einsatz. 19 Gegenveranstaltungen waren angemeldet. Die Stadt Leipzig war von insgesamt bis zu 100.000 Demonstranten - also Befürwortern und Gegnern von Legida - ausgegangen.

Legida wird die angekündigte Menge an Sympathisanten wohl nicht auf die Straße bekommen.
Legida wird die angekündigte Menge an Sympathisanten wohl nicht auf die Straße bekommen.(Foto: AP)

Ein Teil der Legida-Gegner hatte zu Blockaden aufgerufen. Doch so weit kam es am Abend nicht. Die Legida-Unterstützer konnten durch Leipzig ziehen, allerdings unter strengen Auflagen und nur auf einem Teil des Leipziger Innenstadtrings. Eigentlich wollten die Islamkritiker über den ganzen Ring marschieren - den Ort der historischen Montagsdemonstrationen 1989. Doch das war aus Sicherheitsgründen unmöglich, wie zuletzt auch die Gerichte bestätigen.

Am Ende des Legida-Aufzuges kommt es doch noch zu Tumulten, es fliegen Böller und Flaschen. Auch Journalisten wurden angegriffen - aus welchem Lager, ist laut Polizei noch unklar. "Es ist tatsächlich so, dass wir im Abgang Probleme bekommen haben, die Lager zu trennen", sagt ein Polizeisprecher. Das sei aber trotz der massiven Sicherheitsvorkehrungen zu befürchten gewesen.

Brandanschläge im Zugverkehr

Es kam zu mehreren Handgemengen. Im Bereich des Hauptbahnhofs hätten Gegendemonstranten versucht, eine Polizeisperre zu durchbrechen, hieß es aus Polizeikreisen. Es habe mindestens eine Festnahme gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Es sollen auch mehrere Beamte verletzt worden sein. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete zudem von Übergriffen von Legida-Demonstranten auf eine Journalistin. Auch andere Medien berichteten von Drohungen gegen Pressevertreter.

Zu der geringen Teilnehmerzahl bei Legida könnten zwei Brandanschläge auf Kabelschächte entlang der Bahnstrecke Dresden-Leipzig beigetragen haben. Im Leipziger Hauptbahnhof musste fast die Hälfte der Gleise gesperrt werden. Mehrere Züge - auch aus Dresden - wurden in einem Vorort gestoppt. Nach der Absage der Pegida-Kundgebung am Montag in Dresden wurde erwartet, dass sich zahlreiche Islamkritiker auf den Weg zu der Kundgebung in Leipzig machen wollten.

Stadt macht Legida Auflagen

Viele Geschäfte im Stadtzentrum hatten wegen der Demonstration vorzeitig geschlossen. Nach Polizeiangaben wurden Einsatzkräfte entlang der Aufzugsstrecke beim Hauptbahnhof mit Flaschen und Feuerwerkskörper beworfen. In der Südvorstadt wurden zwei Müllcontainer in Brand gesteckt.

Am Nachmittag hatte das Leipziger Verwaltungsgericht eine Auflage der Stadt bestätigt, nach der die Legida-Demonstranten nicht auf dem gesamten Leipziger Stadtring, sondern nur eine verkürzte Route nehmen dürfen. Ursprünglich wollte die Bewegung die historische Strecke der Montagsdemonstrationen vom Wendeherbst 1989 laufen. Die Stadt begründete ihre Auflage mit der Sicherheitslage durch die zu erwartende Menschenmenge.

Die Stadt selbst geht auf Distanz zum Aufmarsch des Legida-Bündnisses und will am Abend die Außenbeleuchtung markanter Gebäude abschalten. Etwa am Gewandhaus und am City-Hochhaus sollten die Strahler ausgestellt werden, wie ein Stadtsprecher sagte. Das weltberühmte Gewandhaus, an dem der Legida-Zug am Abend vorbeigehen sollte, bezog schon am Nachmittag Position: "Gewandhausorchester und Gewandhaus: tolerant, aufgeklärt, weltoffen" stand auf einem Transparent, das an der Fassade aufgehängt wurde.

Lutz Bachmann tritt zurück

Nur wenige Stunden vor Beginn der Demo in Leipzig gab der bisherige Organisator der Pegida-Demonstrationen, Lutz Bachmann, seinen Rücktritt bekannt. Zuvor waren offen rassistische Facebook-Kommentare sowie ein Foto von Bachmann, auf dem er sich mit Hitler-Bart und -Scheitel zeigt, öffentlich geworden.

In der Mitteilung, die Pegida dazu an die Medien gab, distanzierte sich das Bündnis von seinem Leipziger Ableger. Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel monierte, die Legida-Organisatoren hätten bisher keine klare Erklärung abgegeben, "dass sie den Forderungskatalog von Pegida Dresden übernehmen". "Alles, was heute Abend in Leipzig gesagt und gefordert wird, ist nicht mit uns abgesprochen. Das kann sich für die einheitliche Wahrnehmung unserer Bewegung als kontraproduktiv erweisen. Daher prüfen wir eine Unterlassungsklage", so Oertel.

Sachsens Verfassungsschutz hatte zuvor vor Legida gewarnt. Legida gebärde sich im Vergleich zu Pegida entschlossener und viel radikaler. In Leipzig hätten parteigebundene Rechtsextremisten, Angehörige der Kameradschaftsszene und rechtsextremistische Hooligans mehrfach gemeinsame Sache gemacht. Diese Kräfte versuchten jetzt, im Rahmen von Legida eine Plattform zu finden.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen