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In einem Interview rechtfertigt der Brandenburger AfD-Chef den Angriff auf eine Journalistin mit der "unausgewogenen" Berichtserstattung.
In einem Interview rechtfertigt der Brandenburger AfD-Chef den Angriff auf eine Journalistin mit der "unausgewogenen" Berichtserstattung.(Foto: dpa)

Übergriff auf ZDF-Kamerateam: Maas wirft AfD Demokratiefeindlichkeit vor

Sympathien für Journalisten sagt man Pegida-Anhänger ohnehin nicht nach. Die Kritik an der "Lügenpresse" gipfelt nun im tätlichen Angriff auf eine ZDF-Reporterin. Die AfD äußert dafür Verständnis - das ruft den Justizminister auf den Plan.

Bundesjustizminister Heiko Maas wirft der rechtspopulistischen AfD eine demokratiefeindliche Haltung zur Presse vor. Wer versuche, tätliche Übergriffe auf Medien zu rechtfertigen, verlasse den Boden des Grundgesetzes, erklärte der SPD-Politiker mit Blick auf Äußerungen des stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland.

Der Brandenburger AfD-Chef hatte Rempeleien gegen ein ZDF-Team durch AfD-Anhänger bei einer Kundgebung in Cottbus mit einer nach seiner Ansicht einseitigen Berichterstattung über die Flüchtlingskrise gerechtfertigt. "Warum sind Menschen gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen?", sagte Gauland in einem ZDF-Interview. "Da kann man halt deutlich sagen, dass diese Menschen, die hier auf die Straße gehen, dieses Willkommensfernsehen, was zum Teil über ARD und ZDF läuft, nicht sehen und hören wollen."

"Angriff auf Demokratie"

Bei der Kundgebung in Cottbus skandierten Teilnehmer den Slogan "Lügenpresse, Lügenpresse" und versuchten, die Kameraaufnahmen zu verhindern. Dabei rempelten mehrere Teilnehmer die ZDF-Journalistin Britta Hilpert an und schubsten sie. Die Polizei musste die Angriffe unterbinden. Maas kritisierte den Zwischenfall: "Jeder Angriff auf Journalisten ist ein Angriff auf unsere Demokratie."

Auch der Deutsche Journalisten Verband kritisiert den Vorfall. Ein Sprecher sagte dem "Deutschen Handelsblatt": "Das ist eine vergiftete Entschuldigung." ARD und ZDF berichteten umfassend und ausgewogen, so der Sprecher Hendrik Zörner. Er erhebt außerdem Vorwürfe gegen Alexander Gauland: "Mit seiner dümmlichen Kritik am angeblichen Willkommensfernsehen heißt Gauland die Gewalt gegen Journalisten indirekt gut".

Die AfD kommt morgen in Hannover zu ihrem Parteitag zusammen. Im Mittelpunkt steht neben Satzungsfragen die sogenannte Herbstoffensive. Darin fordert die AfD unter anderem einen Einreisestopp für Asylbewerber, 48-stündige Schnellverfahren für bereits nach Deutschland gelangte Migranten und eine Verschärfung des Asylrechts.

Quelle: n-tv.de

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