
Nachdem "K.o.-Monster" Arthur Abraham auch seinen bislang härtesten Gegner 14 Sekunden vor dem Schlussgong auf die Bretter geschickt hatte, genoss der Deutsch-Armenier im Bisonfell-Mantel die Ovationen der 14.000 Fans. Weder die Tiefschläge seines Gegners noch die verschlafenen ersten Runden und schon gar nicht seine zerrissene Hose hatten Abraham aus dem Konzept gebracht - und das war wie fast immer bei Kämpfen von "König Arthur" auf ein furioses Finale ausgerichtet.
"Ich habe ihn schlagen lassen, bis er müde war, und auf meine Chancen gewartet. Dann kamen die letzten Sekunden und bumm - und es war Schluss", sagte der Ex-Weltmeister nach dem spektakulären K.o.-Sieg zum Auftakt des Super-Six-Turniers der weltbesten Supermittelgewichtler in seiner Wahlheimat Berlin gegen den erwartet starken Jermain Taylor. Der Amerikaner wurde nach dem schweren Niederschlag durch eine krachende Rechte zur Vorsicht ins Krankenhaus gebracht.
Taktikfuchs mit hartem Punch
Für Abraham war der 31. Sieg im 31. Profikampf ein weiterer Meilenstein in seiner Karriere. Der 29-Jährige mit der beeindruckenden K.o.-Quote von 80 Prozent bewies nach seinem Wechsel aus dem Mittelgewicht, wo er zuletzt dominiert und angesichts fehlender Gegner seinen IBF-Weltmeistertitel niedergelegt hatte, dass seine explosive Schlagkraft auch den schwereren Jungs zum Verhängnis werden kann. "Er hat mich mit seinem harten Punch kalt erwischt", sagte Taylor, der einst im Mittelgewicht alle vier WM-Gürtel der größten Box-Verbände hielt.

Abrahams Trainer Ulli Wegner machte vor allem das taktische Verhalten seines Schützlings stolz. "Raffiniert war er ja schon immer, jetzt ist er auch noch schlau geworden", sagte Wegner. Nach klaren Treffern in der 9. Runde setzte Abraham nicht wild nach, sondern sparte seine Kräfte. "Er war zu diesem Zeitpunkt locker, weil er wusste, dass er vorne liegt", sagte der Coach.
Nach den ersten vier Runden dürfte Abraham jedoch auf den Punktzetteln der drei Ringrichter zurückgelegen haben. "Ich bin ein Spätstarter. Außerdem hatten wir nur zehn Minuten Zeit fürs Aufwärmen. Ich musste mich also im Ring warmmachen", meinte der gebürtige Armenier, der zum Ende auch mit seiner im Schritt offenen Hose zu kämpfen hatte, die mit einem Tape nur notdürftig zusammengehalten wurde.
"Wie in Hollywood"

Den Veranstaltern war der spannende Kampfverlauf nur recht. Promotor Kalle Sauerland, der die Idee für die revolutionäre Turnierserie hatte, sprach begeistert von einer Dramaturgie "wie in einem Hollywood-Drehbuch" und ergänzte: "Einen besseren Auftakt hätten wir uns nicht wünschen können." Auch die Fans in der Berliner Arena und die Zuschauer vor den Bildschirmen ließen sich anstecken. Trotz der mitternächtlichen Übertragungszeit verfolgten im Schnitt 6,02 Millionen Menschen in der ARD den Kampf.
Abraham führt dank seines K.o.-Sieges die Turnier-Wertung mit drei Punkten an. Der britische WBC-Champion Carl Froch, der in seiner Heimatstadt Nottingham den Amerikaner Andre Dirrell knapp nach Punkten besiegte, hat zwei Zähler auf dem Konto. Zum Abschluss der ersten Runde stehen sich am 21. November der dänische WBA-Weltmeister Mikkel Kessler und Athen-Olympiasieger Andre Ward (USA) gegenüber.
Abraham trifft in seinen beiden letzten Vorrunden-Duellen zunächst auf Dirrell (23. Januar 2010 in den USA) und dann auf Froch (Sommer 2010). Die vier punktbesten Boxer ziehen ins Halbfinale ein. Der Superchampion wird Mitte 2011 gekürt. "Wir wollen das Turnier gewinnen", sagte Wegner entschlossen.


