Kopflos, trostlos, hilflos: Geradezu ohnmächtig erlebte Werder Bremen die 0:3-Demontage durch das Mittelmaß-Team von Panathinaikos Athen, ergab sich der sportlichen Demütigung und zerfiel in seine Einzelteile. Entsprechend erschreckend fiel die Analyse von Nationalspieler Per Mertesacker aus: "Es gab mehrere Szenen, die dafür ein eindeutiges Signal geben, dass wir nicht zusammen agieren. Das ist das Schlimmste für eine Mannschaft."
Die in der Champions League weiter sieglosen Werderaner stecken derart tief in der Krise, dass nach dem Debakel sogar das in Bremen eigentlich undenkbare passierte und die Trainer-Frage gestellt wurde.
So etwas hat es in der vermeintlichen Fußball-Idylle der Hansestadt in der nunmehr neunjährigen Schaaf-Ära noch nicht gegeben: Manager Klaus Allofs musste sich Fragen nach Konsequenzen für den Trainer gefallen lassen. "Bevor da irgendwelche Missverständnisse aufkommen", sagte Allofs, "ich weiß, was Thomas Schaaf trainiert, mit welcher Akribie er arbeitet. Da sehe ich überhaupt keine Schuld und keine Veranlassung, über seine Position nachzudenken. Ich bin von seiner Arbeit absolut überzeugt. Das ist nicht der Ansatz."
Meilenweit hinter den Ansprüchen
Die Trainer-Frage verdeutlicht aber nur die Schwere der Probleme, die Tiefe der Verunsicherung und die Höhe der Ansprüche im fünften Jahr Champions League. "Wir quälen uns", sagte Schaaf. Er kritisierte, "dass wir brav nebenher gelaufen sind statt anzugreifen. Wir schauen, bis der Ball im Netz ist." Und Franz Beckenbauer kommentierte im Premiere-Studio fast mitleidig: "Das war ein bisschen eine Vorführung. Das tut schon weh."
Das 0:3 gegen Athen ist von der Wirkung her schlimmer als das 2:7 in Lyon im März 2005, weil sich die Bremer inzwischen auf einem viel höheren Niveau wähnten und sich die teuerste Mannschaft der Vereinsgeschichte leisten. Dennoch wurde das Team von den - nach Champions-League-Maßstäben - höchst durchschnittlichen und bis dahin sieglosen Griechen unter den Augen von Griechenlands Nationaltrainer und ehemaligen Werder-Coach Otto Rehhagel auseinandergenommen.
Kein Zusammenhalt spürbar
Bezeichnend war, dass die pfeifenden Werder-Fans nach der Pause eine Halbzeit ohne eine einzige Werder-Chance sahen und stattdessen die Treffer von Evangelos Mantzios (58.), Georgios Karagounis (70.) und Alexandro Tziolis (83.) ertragen mussten. "Ein katastrophales Spiel", klagte Allofs, "ich kann mich nur bei denen entschuldigen, die das Spiel miterleben mussten." Er könne sich an kein Spiel "erinnern, dass wir so ohne Gegenwehr, ohne Mumm beendet haben".
Nach dem Strohfeuer beim 5:1 gegen Berlin in der Bundesliga zerbrach Werder gegen Athen, stemmte sich nicht gegen die Niederlage und erwies sich als Ansammlung von Individualisten. "Es war deutlich zu sehen, dass wir nicht geschlossen dahinter stehen, was wir tun", kritisierte Mertesacker, "wir müssen zeigen, dass wir zusammenstehen, aber das habe ich heute nicht gespürt."
Allofs droht der Mannschaft
Allofs beklagte, dass "jeder zu sehr mit sich selbst beschäftigt" sei und deutete personelle Konsequenzen für die Mannschaft an. "Man muss sehen, ob das in der Zusammensetzung noch so funktioniert oder ob wir etwas anderes machen müssen", sagte er. Und: "Wenn die Spieler einige Dinge in absehbarer Zeit nicht verstehen wollen, dann muss man sich von den Spielern trennen."
Werder ist Letzter der Gruppe B, könnte aber mit zwei Siegen bei Famagusta und daheim gegen Inter Mailand das Achtelfinale erreichen. "Die Chance ist noch da, wir können noch etwas reißen", sagte Schaaf, fügte aber an: "Mit so einer Leistung allerdings nicht.