Gegen Portugal rückt der bisherige EM-Joker wieder in die Startelf.
Donnerstag, 19. Juni 2008
"Offene und ehrliche Art": Angie schwärmt von "Schweini"
Die Bundeskanzlerin drückt Bastian Schweinsteiger beim EM-Viertelfinale gegen Portugal ganz besonders die Daumen. Denn der Mittelfeldspieler von Bayern München ist in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft offenbar der Lieblingsspieler von Angela Merkel.
"Die Kanzlerin schätzt die offene und ehrliche Art von Herrn Schweinsteiger", teilte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm nach dem 1:0 der DFB-Auswahl gegen Österreich mit, das Schweinsteiger wegen seiner Rotsperre gemeinsam mit der deutschen Regierungschefin auf der Ehrentribüne verfolgt hatte.
"Sie ist völlig normal"
"Sie hat Ahnung vom Fußball und ist völlig normal", beschrieb "Schweini" anschließend die Kanzlerin, die er bereits vor zwei Jahren während der WM in Deutschland persönlich kennenlernen durfte. Gegen die Portugiesen will der 23-Jährige aber nicht nur Angela Merkel eine Freude machen, sondern auch dem für dieses Spiel gesperrten Bundestrainer Joachim Löw, der ihm trotz seines unnötigen Platzverweises in der Nachspielzeit gegen Kroatien das Vertrauen ausgesprochen hat.
"Wie er gegen Kroatien gespielt hat, das hat mir gefallen. Er war aktiv und hat für Belebung gesorgt", erklärte der Coach, der fest daran glaubt, dass die Wut über die Rote Karte beim einsichtigen Schweinsteiger zusätzliche Kräfte freisetzen wird.
"Ich will Schwung und positive Elemente in unser Spiel bringen und der Mannschaft helfen, das Halbfinale zu erreichen. Wenn wir gewinnen, will ich meinen Teil dazu beigetragen haben", erklärte Schweinsteiger voller Selbstbewusstsein vor seinem ersten Einsatz bei der EURO 2008 von Beginn an. Wenn er diese Vorgaben erfülle, habe er nach eigener Interpretation auch die "Bringschuld" eingelöst, die Löw von ihm nach dem Platzverweis eingefordert habe.
Bringschuld einlösen
Dabei kommt Schweinsteiger, der zum EM-Start ins zweite Glied gerückt war, die Bewährungschance gegen die Portugiesen gerade recht. "Ich glaube nicht, dass wir Angst haben. Wenn, dann müsste jemand anderes Angst haben", sagte er vor dem Match mit einem spitzbübischen Lächeln und spielte damit auf Portugals Torwart Ricardo an.
Denn im kleinen Finale der WM 2006 gegen den Vize-Europameister (3:1) hatte der 23-Jährige in Stuttgart den Keeper von Betis Sevilla mit drei Weitschüssen düpiert - nur zwei wurden ihm allerdings als Treffer anerkannt. Drei Monate später erzielte er für den FC Bayern ebenfalls aus der Distanz gegen Ricardo und dessen früheren Arbeitgeber Sporting Lissabon in der Champions League den 1:0-Siegtreffer.
"Natürlich spielt das eine Rolle"
Dass Ricardo beim Anblick Schweinsteigers automatisch ins Zittern gerät, hofft auch Jens Lehmann. "Ich kenne sonst keinen Fall, in dem ein Torhüter eine gleiche Anzahl identischer Tore von einem Spieler kassiert hat", erklärte der deutsche Schlussmann vor dem Match.
"Natürlich spielt das im Kopf eine Rolle bei der Vorgeschichte", behauptet Schweinsteiger, der seiner persönlichen Erfolgsquote gegen Portugals Keeper aber nicht allzu viel Bedeutung beimessen wollte. Denn auch er weiß: Bis auf die Tore gegen Ricardo ist ihm während und nach der WM nicht viel gelungen.
"Wichtiger Teil der Mannschaft"
Schweinsteiger selbst, der es in jungen Jahren schon auf 53 Länderspiele und 13 Treffer in der DFB-Auswahl gebracht hat, sieht sich aber trotz neuer Konkurrenz im Mittelfeld weiter als "wichtiger Teil der Mannschaft".
Er gab aber zu, dass er zu Turnierbeginn wegen seiner Nichtberücksichtigung schon "frustriert und enttäuscht" gewesen sei. Aber eigentlich war alles halb so wild: "Es war so in Ordnung. Ich habe schöne Hotels gesehen und gutes Essen bekommen." Da war er wieder, der typische Schweinsteiger.
von Jürgen Zelustek und Thomas Niklaus, sid
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