Tödlicher Sturz beim Giro d'Italia

Belgischer Radprofi stirbt

09.05.2011 | 18:10 Uhr
Schock beim Giro d'Italia: Der 26-jährige belgische Radprofi Wouter Weylandt stirbt nach einem schweren Sturz. Der Fahrer vom Team Leoprad verunglückt auf einer Abfahrt, Ärzte können ihn nicht mehr retten. Die Siegerehrung wird abgesagt.

Der Radsport steht nach dem Tod des belgischen Sprinters Wouter Weylandt unter Schock. Der 26-Jährige ist beim Giro d'Italia nach einem schrecklichen Sturz während der dritten Etappe seinen schweren Kopfverletzungen erlegen. Trotz 40-minütiger Wiederbelebungsversuche noch an der Unfallstelle, 24 Kilometer vor dem Zielort Rapallo, kam für den Teamkollegen von Fabian Wegmann jede Hilfe zu spät. "Er hatte einen Schädelbasisbruch und schwere Gesichtsverletzungen", sagte Rennarzt Giovani Tredici. Weylandt ist der vierte Tote in der Geschichte der Italien-Rundfahrt. 2010 hatte er die dritte Etappe des Giro gewonnen.

"Wouter Weylandt war schon bewusstlos, als wir eintrafen. Wir haben 40 Minuten lang versucht, ihn zu reanimieren. Aber es war nichts mehr zu machen", so der Rennarzt. Der Sprecher von Weylandts Luxemburger Team Leopard Trek, Tim Vanderjeugd, versuchte nach eigenen Angaben vorerst vergeblich, die schwangere Ehefrau Weylandts unmittelbar nach dem tödlichen Unfall zu informieren. Das Paar erwartet im Herbst sein Kind.

Trauer und Schock

Der Präsident des Welt-Radverbandes UCI, Pat McQuaid, sprach den Angehörigen, dem Team und allen Freunden Weylandts "im Namen der gesamten Radsport-Familie" sein Mitgefühl aus. Aber auch den Kollegen beim Giro, die ihre Trauer überwinden und das Rennen fortsetzen müssten, wie der Ire betonte. Weylandts Teamkollegen ließen zunächst offen, ob sie beim Giro weiterfahren werden.

"Das Team befindet sich in einem Zustand von Schock und Trauer. Wir sind mit unseren Gedanken und dem tiefsten Beileid bei der Familie und den Freunden von Wouter", wurde Teammanager Brian Nygaard bei "cyclingnews.com" zitiert. "Das ist ein schwerer Tag für den Radsport und für unser Team, und wir sollten alle Halt und Unterstützung bei den Menschen suchen, die uns nahe stehen." Der britische Rennfahrkollege und Sprint-Rivale Mark Cavendish twitterte: "Meine Gedanken sind bei seiner Familie." Auch der siebenmalige Tour-de-France-Gewinner Lance Armstrong reagierte geschockt.

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Unfallursache unklar

Den Rettungskräften und Fernsehzuschauern boten sich schreckliche Bilder. Einen Tag nach seinem neunten Rang bei der längsten Etappe des diesjährigen Giros zum Jubiläum der Vereinigung Italiens vor 150 Jahren lag Weylandt regungslos auf dem Asphalt. Er blutete stark im Gesicht. Belgische Medien berichteten, Weylandt sei auf der Abfahrt des Passo del Bocco gegen eine Mauer geprallt.

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Im vergangenen Jahr hatte Weylandt die dritte Giro-Etappe gewonnen. (Foto: dpa)

Die genaue Unfallursache und der Hergang des Sturzes waren aber unklar. Noch am Montagabend eröffnete der Stellvertretende Staatsanwalt von Chiavari, Francesco Brancaccio, ein Ermittlungsverfahren zur Klärung des Unfallhergangs. Er ordnete auch die Autopsie des Leichnams im Krankenhaus von Lavagna an. "Weylandt wurde das Opfer eines Sturzes, dessen Ablauf gerade rekonstruiert wird", schilderte Tredici. Weylandt galt als starker Sprinter, leistete lange Zeit aber Helferdienste für seinen einstigen Teamkollegen, Ex-Weltmeister Tom Boonen. Die Ehrung für Etappensieger Angel Vicioso aus Spanien und den neuen Träger des Rosa Trikots, David Millar aus Schottland, wurde abgesagt.

Den letzten Todesfall hatte der Giro 1986 zu beklagen. Damals war Emilio Ravasio ums Leben gekommen. 2005 kam es bei der Asturien-Rundfahrt zum bis dahin letzten tödlichen Rennunfall im Radsport, als der Italiener Alessio Galletti zusammenbrach. 2003 führte der tödliche Sturz des Kasachen Andrej Kiwiljow bei der Fernfahrt Paris-Nizza zur Einführung der Helmpflicht. 1995 starb der italienische Olympiasieger Fabio Casartelli ebenfalls ohne Kopfschutz nach einem Sturz während der Tour de France in den Alpen.

Verwendete Quellen: dpa