Millioneninvestition, Mini-Rendite

Das Totilas-Projekt stockt

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Totilas oder Matthias Rath - wer ist wirklich der Chef? (Foto: dpa)
22.08.2011 | 14:13 Uhr
Der Plan klang so verheißungsvoll: Das beste Pferd der Welt kaufen, einen talentierten Reiter daraufsetzen - und schon gibt es Gold. Aber so einfach ist es mit Totilas nicht. Matthias Rath bekommt das teuerste Dressurpferd der Welt bei der EM nicht in den Griff und muss auch Namenswitze ertragen.

"Champion" prangte auf Matthias Raths blauem T-Shirt, mit dem er seine Trainingsrunden in Rotterdam drehte. "Champion" stand auch auf der Kleidung seiner zahlungskräftigen Stiefmutter, die dem 27-Jährigen das teuerste Dressurpferd der Welt unter den Sattel geschoben hat. Ein Champion, das hat das Wochenende in den Niederlanden für jedermann gezeigt, ist Rath freilich noch lange nicht. Das Millionen-Projekt mit dem Codenamen Wunderpferd steht nach der ernüchternden Europameisterschaft vielmehr vor dem frühen Scheitern.

"Allein dass ich hier bin, ist schon ein Erfolg", wiederholte Rath in Rotterdam mehrfach. Doch diese Worte des jungen Reiters, der seit dem Totilas-Transfer von einem eigenen PR-Mann durch die Turnierwelt begleitet wird - sie klangen wie auswendig gelernt. Und sie hörten sich in etwa so glaubwürdig an, als wenn Bayern München sich über die pure Selbstverständlichkeit des Klassenverbleibs freuen könnte.

Viel Geld, wenig Ertrag

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Paul Schockemöhle hatte einen guten Plan, aber damit noch keinen Erfolg. (Foto: dpa)

Als Paul Schockemöhle vor rund zehn Monaten den teuersten Wechsel der Dressurgeschichte abwickelte und das dreifache Weltmeister-Pferd in den Niederlanden für rund zehn Millionen Euro erstand, da klang der Plan so verlockend einfach: Das beste Pferd der Welt kaufen, einen talentierten Reiter draufsetzen - und schon regnet es wieder Goldmedaillen für die deutsche Dressur, deren legendäre Siegesserien seit ein paar Jahren beendet sind.

Tatsächlich gab es in Rotterdam nur ein teuer erkauftes Silber in der Teamwertung, zweimal Blech im Einzel sowie den kostenlosen Ratschlag des niederländischen Nationaltrainers Sjef Jansen. "Die Kombination passt so nicht. Das muss repariert werden, das ist noch ganz viel Arbeit", sagte der Bondscoach. Und er klang dabei überhaupt nicht schadenfreudig, sondern eher mitleidig. Denn der nicht zu Sentimentalität neigende Jansen trauert dem Verlust von Totilas noch immer nach: "Natürlich, er war für uns ja fast eine Garantie für Gold-Medaillen."

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Die Einzigartigkeit ist weg

Totilas hat durch neue Top-Pferde seine Einzigartigkeit verloren, unter dem Sattel von Rath aber vor allem seinen Zauber. Im Grand Prix widersetzte der Hengst sich mehrfach dem jungen Mann. "Auch bei so einem Pferd muss der Reiter zeigen, wer der bestimmende Teil ist. Das war nicht so der Fall", kritisierte Schockemöhle. In der Kür zog Rath die Zügel an, beraubte dem vierbeinigen Partner damit allerdings seiner Leichtigkeit und seiner Brillanz. "Matthias ist noch jung. Das wird eine Lehre sein", sagte Schockemöhle, der nicht an einen Reiterwechsel denkt: "Möglich wäre das, aber aus meiner Sicht ist das nicht notwendig."

Das Fatale für Rath ist, dass alle Welt weiß, zu welchen erstaunlichen Leistungen der schwarze Schönling mit dem richtigen Reiter imstande ist. Dass jeder Pferdesport-Interessierte sich erinnert, dass Edward Gal den Hengst tanzen ließ und dreimal WM-Gold gewann. Und dass jeder nachlesen kann, dass Gal bei der vorherigen EM in Windsor die Kür mit 90,750 Prozentpunkten gewann und der neue Reiter sich nun mit 81,696 bescheiden musste.

90,750 zu 81,696 - das sind in der Dressur ganze Welten. Oder - um beim Fußball-Vergleich zu bleiben - das ist wie eine 0:7- oder eine 0:8-Niederlage der Bayern. Wohlgemerkt: Nach dem Kauf des wertvollsten Kickers der Welt.

Planloser Rath

Rath, so wurde in Rotterdam gekalauert, wirke rat(h)los. Der Reiter aus Kronberg sagte, er müsse das "erstmal verarbeiten" und wolle "in Ruhe weiterarbeiten". Das eigentliche Ziel seien ja die Olympischen Spiele: "Das haben wir immer gesagt." Nur: Der Druck, dem er in Rotterdam offensichtlich nicht standhalten konnte, wird in London kein bisschen kleiner sein.

Für Schockemöhle dürfte sich die Investition, zumindest aus wirtschaftlicher Sicht, trotzdem gelohnt haben. Rund die Hälfte der bisher einmaligen Kaufsumme soll der Pferdehändler von Raths Stiefmutter Ann Kathrin Linsenhoff erhalten haben. Und die Einnahmen aus der Zucht, der Preis für Totilas-Samen, die werden kaum weniger werden, nur weil Rath nicht so erfolgreich wie Gal reitet. Das Pferd hat schließlich schon bewiesen, was es kann.

Verwendete Quellen: Michael Rossmann, dpa