Dienstag, 16. Januar 2007
Zwanziger: "Sehr bitter": Deisler beendet Karriere
Fußball-Profi Sebastian Deisler vom FC Bayern München beendet mit sofortiger Wirkung seine Karriere. Der 27 Jahre alte Nationalspieler zieht damit einen Schlussstrich unter eine jahrelange Leidenszeit mit zahlreichen Verletzungen und gesundheitlichen Rückschlägen. "Das ist keine Entscheidung, die von heute auf morgen gefallen ist. Sie ist in mir gereift", sagte Deisler am Dienstag in München.
Am Montagabend habe er Bayern-Manager Uli Hoeneß um ein Gespräch gebeten. "Wir haben gekämpft um Sebastian", sagte Hoeneß. "Er ist einer der besten Spieler, die es in Deutschland je gegeben hat. Ich habe bis zuletzt gehofft, dass das alles ein Albtraum ist." Auch der frühere DFB-Teamchef Rudi Völler war erschrocken. "Ich kann es kaum fassen. Das ist furchtbar schade, dass seine Karriere auf diese Art und Weise enden musste", sagte Völler. Sportdirektor Peter Pander von Borussia Mönchengladbach, Deislers erster Bundesliga-Station, sagte: "Er ist ein Gladbacher Junge, das wird vielen Gladbachern Leid tun."
Angst vor neuen Verletzungen
Deisler musste sich in seiner kurzen Laufbahn bereits fünf Knie-Operationen unterziehen und wurde im November 2003 und im Oktober 2004 stationär wegen Depressionen behandelt. Er absolvierte 36 Länderspiele für Deutschland. Kurz nach seinem letzten Länderspiel am 1. März vergangenen Jahres in Florenz gegen Italien (1:4) hatte er sich beim Vereinstraining eine Knorpelabsprengung im rechten Knie zugezogen, die ihn bis Mitte November außer Gefecht setzte. Dadurch verpasste er schon zum zweiten Mal nach 2002 eine Weltmeisterschaft.
"Ich habe kein richtiges Vertrauen mehr in mein Knie", sagte Deisler jetzt. Noch vor einer Woche hatte er im Trainingslager des deutschen Rekordmeisters in Dubai erklärt, nicht ans Aufhören zu denken. "Ich kann spielen, ich stehe auf dem Platz. Es geht immer weiter", sagte er. Deislers Vertrag bei den Bayern lief bis 2009.
Bestürzung beim DFB
Entsprechend überrascht reagierte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff auf den plötzlichen Rücktritt: "Ich hatte in den vergangenen Wochen, auch nach einem Telefonat mit Uli Hoeneß, eigentlich den Eindruck, dass Sebastian wieder eine sehr gute Entwicklung nimmt. Es ist sehr schade, dass er sich zu einem Karriereende entschieden hat. Sebastian verfügt unbestritten über ein riesiges Talent und ich hoffe, dass seine heutige Entscheidung nur eine vorübergehende ist." Deisler sei in der Nationalmannschaft weiterhin herzlich willkommen, sagte Bierhoff - "am liebsten natürlich als Spieler, aber jederzeit auch als Gast".
Mit Bedauern reagierte auch DFB-Präsident Theo Zwanziger auf Deislers Entschluss: "Dass er so früh seine Laufbahn beenden muss, ist natürlich sehr bitter. Besonders für ihn, aber auch für den deutschen Fußball, da es Spieler mit solch überragenden Fähigkeiten eben nur selten gibt." Zwanziger sagte weiter: "Ich wünsche Sebastian Deisler für die Zukunft alles Gute und hoffe, dass er dem deutschen Fußball in irgendeiner Form erhalten bleibt. Vielleicht gibt es ja doch noch eine Wende zum Guten, er ist immer noch jung genug."
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