
Wie bei der Europameisterschaft 2005 in England (4 Tore) war die 30-Jährige vom FCR Duisburg auch in Finnland die beste Angreiferin und trug mit ihren sechs Treffern maßgeblich zum siebten Titelgewinn der DFB-Auswahl bei.
Ein halbes Dutzend Tore bei einem EM-Turnier ist bisher noch keiner Spielerin zuvor gelungen. "Ich bin wahnsinnig stolz und werde das wohl erst in ein paar Tagen realisieren. Besser hätte das Turnier für mich nicht laufen können", sagte die Gewinnerin des "Goldenen Schuhs", die auch als "beste Spielerin" des Endspiels ausgezeichnet wurde. Bescheiden teilte sie den persönlichen Erfolg aber mit ihren Kolleginnen. "Ohne solch ein Team wäre das alles nicht möglich gewesen."
Ständiger Unruheherd
Ein Tor gegen Frankreich (5:1), den Siegtreffer gegen Island (1:0), beide Tore zum 2:1-Erfolg über Italien im Viertelfinale und als Zugabe der "Doppelpack" beim 6:2-Finalsieg gegen England - die Bundesliga-Torschützenkönigin bewies auch auf der europäischen Bühne ihre Extraklasse. Grings war ein ständiger Unruheherd im gegnerischen Strafraum und stellte mit ihrer Kaltschnäuzigkeit im Abschluss auch die als "hängende Spitze" agierende Kapitänin Birgit Prinz (1. FFC Frankfurt) in den Schatten.

Grings hat nun wie Rekordnationalspielerin Prinz insgesamt zehn EM-Tore auf dem Konto. Bei der DFB-Spielführerin platzte erst im Finale ihrer fünften EM der Knoten, ihr gelang ebenfalls zwei Tore. Damit liegt das deutsche Sturmduo in der ewigen Bestenliste nur noch knapp hinter der legendären DFB-Torjägerin Heidi Mohr (11 EM-Tore).
Comeback einer "Abtrünnigen"
Dass Grings in Finnland ein derart erfolgreiches Comeback feiern würde, hatte vor einem Dreivierteljahr niemand vermutet. Denn nach diversen Verletzungen und einem heftigen Disput mit Silvia Neid spielte die Duisburgerin in den Überlegungen der Bundestrainerin lange keine Rolle. Vor Olympia 2008 stellte ihr Neid dann erstmals das Comeback in Aussicht. Doch Grings schlug diese Tür zu, indem sie zwei Leistungstests verpasste und ihre Unterlagen für Peking nicht einreichte. "Da habe ich angenommen, dass die kein Interesse hat", so Neid damals.
Doch Ende 2008 wurden in einem Dreier-Gespräch unter Mitwirkung von FCR-Trainerin Martina Voss alle Unstimmigkeiten beseitigt. Neid "begnadigte" die in Galaform befindliche Torjägerin, die Duisburg auch zum UEFA-Cup-Triumph schoss. "Inka hatte mich um ein Gespräch gebeten. Wir haben offen und ehrlich miteinander geredet, und sie hat sich für ihr Fehlverhalten entschuldigt", betonte Neid. Und sie berief die "Abtrünnige" in diesem Frühjahr erstmals wieder in den DFB-Kader.
Eine Entscheidung, die Neid nicht bereut. "Sie hat sich bei uns glänzend wieder eingefügt, ist auch menschlich gereift und zu einer absoluten Führungsspielerin geworden. Ich bin sehr froh, dass sie zurückgekehrt ist und dann in solch einer Form", sagte Neid nach dem Finale.


