Als sie im Ziel die "3" vor ihrem Namen und ihrer Zeit aufleuchten sah, jubelte Maria Höfl-Riesch - dann atmete sie tief durch. Einmal, weil "ich schon ganz schön platt war", aber vor allem, weil ihr der dritte Rang bei der Weltcup-Abfahrt in Cortina d'Ampezzo fast wie eine Erlösung vorkommen musste. "Das tut der Seele gut", sagte Höfl-Riesch mit einem Lächeln, "speziell, wenns vorher nicht so gut gelaufen ist, ist das eine Erleichterung."
Und gut gelaufen war es für die Gesamtweltcupsiegerin bislang nicht in diesem Winter. Als im Ziel die "3" aufleuchtete, lag Höfl-Riesch 0,40 Sekunden hinter Daniela Merighetti aus Italien, die in ihrem 165. Weltcup-Rennen erstmals die Schnellste war. Dahinter platziert hatte sich schon Lindsey Vonn aus den USA, die auf der zwischenzeitlich heftig vom Winde umwehten "Olimpia delle Tofane" 0,21 Sekunden langsamer war als die Siegerin. Riesenslalom-Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg belegte bei ihrem ersten Abfahrtsrennen in Cortina Rang 13 und war damit "schon ganz zufrieden".

Das galt auch für Höfl-Riesch, die betonte: "Mit dem Ergebnis bin ich auf jeden Fall zufrieden." Sie habe schon ein paar Fehler gemacht, berichtete sie, "aber es ist gut zu wissen, dass ich auch mit einer nicht perfekten Fahrt vorne dabei sein kann". Noch immer beeinflusst von den Nachwirkungen einer schweren Erkältung, die sie zur Start-Absage am vergangenen Wochenende in Bad Kleinkirchheim gezwungen hatte, fuhr Höfl-Riesch erst zum dritten Mal in dieser Saison auf das Siegertreppchen.
Schwarze Abfahrtsserie beendet
Das war ihr zuvor nur im Slalom gelungen - Ende November in Aspen erreichte sie Rang drei, kurz vor Weihnachten in Flachau Rang zwei. Beinahe elf Monate hat es nun gedauert, ehe die Doppel-Olympiasiegerin in einer Abfahrt wieder ganz vorne mit dabei war. "Das ist für mich natürlich ein Supertag", versicherte sie.
Im vergangenen Jahr hatte Höfl-Riesch die Abfahrt in Cortina immerhin gewonnen auf dem Weg zum Gesamtweltcup, der dritte Rang unter einem stahlblauem Himmel in den Dolomiten schien ihr freilich nicht weniger wertvoll zu sein. Gesundheitliche Probleme, Trainingsrückstand - und trotzdem gut dabei: "Ich bin mit dem Rennen sehr glücklich", betonte sie. Dennoch will und muss sie nach wie vor mit ihren Kräften haushalten. Das sogenannte Hangbefahren für den Super-G am Sonntag ließ sie am Nachmittag sausen, sagte aber auch: "Es geht mir von Tag zu Tag besser."
Merighetti begeistert sich selbst

Kaum beruhigen konnte sich unterdessen die Siegerin. Daniela Merighetti hatte es in zuvor neun Jahren Weltcup erst einmal aufs "Stockerl" geschafft, gleich in ihrer ersten Saison im schwedischen Åre. Im Riesenslalom.
"Es ist unglaublich, es ist mein Tag", sagte sie, dann fiel ihr Blick auf den linken Daumen. Der ist gebrochen, am Montag wird die 30-Jährige operiert: "Aber ich fahre ja mit den Beinen und nicht mit den Händen."



