Donnerstag, 27. November 2003
In Stuttgart schwindet die Geduld: Kuranyi soll sich entscheiden
Die Liebesbezeugungen aus der Fankurve waren das einzige Erfolgserlebnis für Kevin Kuranyi. Der umworbene Stürmer hatte die Streicheleinheiten auch nötig, denn der Poker um die Vertragsverlängerung beim VfB Stuttgart über 2005 hinaus verunsichert den 21-Jährigen zunehmend.
Nach seinen zwei vergebenen Torchancen beim 1:0 (1:0) gegen die Glasgow Rangers am Mittwochabend sandte Kuranyi verhaltene Signale an die VfB-Vereinsführung. "Vielleicht passiert es ja so wie Andreas Hinkel", sagte er in Anspielung auf dessen in der vergangenen Woche bekannt gegebene Vertragsverlängerung bis 2007. "So weit weg sind wir gar nicht. Vielleicht versucht der VfB, sein Angebot noch ein bisschen aufzustocken."
VfB-Teammanager Felix Magath jedenfalls drängt auf eine schnelle Lösung. "Ich hoffe nur, dass er möglichst bald eine Entscheidung fällt. Dieser Zustand geht schon zu lange. Es wäre gut für ihn und die Mannschaft, wenn das Thema geklärt wäre", sagte Magath.
Er bringt bereits offen Miroslav Klose als möglichen Kuranyi-Nachfolger ins Spiel. Die zwei vergebenen Chancen Kuranyis aber wollte auch Magath nicht überbewerten: "Das ist bei Torjägern normal. Kevin ist ein feiner Kerl, der sich für die Mannschaft zerreißt."
Seine Teamkollegen erhöhen derweil sanft den Druck und raten dem Nationalspieler zum Bleiben. "Wo soll er jetzt eigentlich hingehen? Sportlich gibt es derzeit nichts Besseres", sagte Hinkel und war sich darin mit Torwart Timo Hildebrand einig. "Es gibt keine Alternative zum sportlichen Erfolg. Es wäre dumm, in so jungen Jahren schon wegzugehen."
Kuranyi hält sich den Zeitpunkt für eine Entscheidung weiter offen. Weitere Gespräche mit dem Verein sind erst nach dem DFB- Pokalspiel am Dienstag bei Borussia Mönchengladbach geplant. "Es gibt so viele Leute, die bis 2005 einen Vertrag haben, sogar der Trainer. Aber jeder redet nur über mich. Es gibt noch viele Dinge, die geklärt werden müssen."
Beeindruckt hat den Stürmer das Verhalten der Stuttgarter Anhänger. Noch am Samstag beim 3:1 gegen Hannover war Hinkel wegen seiner Vertragsverlängerung stürmisch bejubelt, Kuranyi dagegen auch mit Pfiffen bedacht worden. Nun wurden dem Deutsch-Brasilianer Sprechchöre und viel Körperkontakt am Zaun der Cannstatter Kurve zuteil: "Das tat gut. Es freut mich, wenn die Fans hinter mir stehen." Doch nicht nur die Geduld von Magath, sondern auch die der VfB-Anhänger ist nicht unendlich.
Marc Zeilhofer, dpa
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