Freitag, 07. April 2006
Kahn "maßlos enttäuscht": Lehmann steht im Tor
Jens Lehmann von Arsenal London steht bei der Fußball-WM im Tor der deutschen Nationalmannschaft. "Das war die schwierigste Entscheidung meiner Amtszeit", erklärte Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Aber er sehe "den Jens einfach einen Tick stärker für die Aufgabe, die auf uns zukommt".
Lehmanns Rivale Oliver Kahn vom deutschen Rekordmeister Bayern München erklärte nach einer Unterredung mit der Führung seines Klubs: "Ich bin über diese Entscheidung von Jürgen Klinsmann sehr überrascht und maßlos enttäuscht. Ich werde mich nun in den kommenden Wochen voll auf meine Aufgaben beim FC Bayern, in der Bundesliga und im DFB-Pokal konzentrieren. Über meine weitere Zukunft in der deutschen Nationalmannschaft werde ich mir in den kommenden Wochen Gedanken machen und mich zu gegebener Zeit dazu äußern." Offenbar zieht der 36-Jährige nun auch einen Rückzug aus der Nationalmannschaft in Betracht.
Über die Torhüter-Frage war seit Wochen in deutschen Medien erbittert diskutiert worden. In zahllosen Beiträgen wurden Stärken und Fehlgriffe Kahns im Vergleich zur Leistung Lehmanns analysiert.
Klinsmann begründete die vorgezogene Entscheidung in der Torwartfrage damit, dass der Druck in den vergangenen Tagen zugenommen habe. Torwart-Trainer Andreas Köpke erklärte, letztlich gebe es nur minimale Unterschiede in der Beurteilung beider Torhüter. "Wir sind jedoch davon überzeugt, dass Jens Lehmann besser zu unserer Spielphilosophie passt", ergänzte er.
DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder rief die Öffentlichkeit dazu auf, "diese Entscheidung mitzutragen und Jens Lehmann bei der Weltmeisterschaft zu unterstützen". Der DFB stehe voll und ganz hinter der Entscheidung der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft. Dabei werde nicht verkannt, dass Oliver Kahn sich außergewöhnliche Verdienste um den deutschen Fußball erworben habe.
Für Kahn endet durch seine Zurückstufung in der Nationalelf seine knapp achtjährige Zeit als deutsche Nummer eins. Debütiert hatte er am 23. Juni 1995 beim 2:1 gegen die Schweiz. Seither nahm Kahn an drei Welt- und drei Europameisterschaften teil, als Nummer eins bei einer WM und bei zwei EM-Endrunden. 2002 hatte der 494-malige Bundesligaspieler maßgeblichen Anteil an der Vize-Weltmeisterschaft, im Finale gegen Brasilien leitete ein Patzer jedoch die 0:2-Niederlage ein.
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