Leiter der T-Mobile-Kontrolleure

"Nicht auf Testosteron getestet"

18.07.2007 | 12:28 Uhr
Walter Schmidt ist seit Anfang 2007 mit seinen Mitarbeitern für das interne Dopingkontrollsystem beim Team T-Mobile zuständig.

Prof. Dr. Walter Schmidt von der Uni Bayreuth ist seit Anfang 2007 mit seinen Mitarbeitern für das interne Dopingkontrollsystem beim Team T-Mobile zuständig. Bei der Tour de France, wo Schmidt den deutschen Radrennstall begleitet, erfuhr er von der positiven A-Probe von T-Mobile-Profi Patrik Sinkewitz auf Testosteron.

Frage: Herr Prof. Schmidt, Patrik Sinkewitz ist bei einer Trainingskontrolle in der A-Probe positiv auf Testosteron getestet worden. Muss man jetzt sagen, das interne Kontrollsystem des Teams T-Mobile ist gescheitert?

Schmidt: "Nein, denn in unserem System wird nicht auf Testosteron getestet. Es geht bei uns um Blutmanipulation. Einen anderen Anspruch haben wir nie erhoben. Der Test auf Substanzen wie Testosteron obliegt den Anti-Doping-Organisationen."

sid: Was ist dann das Ziel Ihrer Kontrollen?

Schmidt: "Wir haben ein Screening-Verfahren und messen die Hämoglobin-Menge im Körper. Es geht um die Frage, ob die über einen längeren Zeitraum konstant ist oder größeren Schwankungen unterliegt. Dies wäre unnatürlich und würde gezielte Dopingtests zur Folge haben."

Frage: Das interne System sollte doch aber auch abschrecken, was es allerdings nicht getan hätte, wenn die B-Probe die A-Probe bestätigt?

Schmidt: "Unser Konzept ist engmaschig, wirkt aber nur abschreckend für Blutmanipulationen, nicht bei anderen Dopingformen. Das wissen die Fahrer natürlich. Trotzdem wäre ich sehr enttäuscht, wenn sich das Ergebnis der A-Probe bestätigen würde."

Frage: Wofür nehmen Sportler eigentlich Testosteron?

Schmidt: "Man sagt, es sei immer dann sinnvoll, wenn es um Muskelaufbau geht. Außerdem soll es die Regenerationsfähigkeit verbessern."

Interview: Christian Klaue, sid