Immer wieder Cordoba

Österreich wird "närrisch"

13.06.2008 | 15:23 Uhr
Eines ist klar. "Man will natürlich jedes Spiel gewinnen, aber ganz besonders gegen Deutschland. Ich möchte dieses Spiel unbedingt gewinnen", sagte Josef Hickersberger - gleich nach der Auslosung der EURO 2008 im vergangenen Dezember.

Eines ist klar. "Man will natürlich jedes Spiel gewinnen, aber ganz besonders gegen Deutschland. Ich möchte dieses Spiel unbedingt gewinnen", sagte Josef Hickersberger - gleich nach der Auslosung der EURO 2008 im vergangenen Dezember. Danach kam der Teamchef der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft auch auf Cordoba zu sprechen, logisch, aber er klang schon damals so, als wolle er darüber gar nicht reden: "Ich war dabei, aber damit hat es sich schon. Es bringt uns nichts, wenn wir uns immer an dieses Cordoba erinnern."

Das wird in den kommenden Tagen natürlich ein frommer Wunsch sein, weil selbst im Radio jede Meldung über "das Team"/"unser Team" mit dem Hinweis versehen wird: "... 30 Jahre nach Cordoba ... ". Das Spiel muss gewonnen werden, und diesmal geht's ja sogar um was. Der "Hicke" wiederum mag den Namen "dieser argentinischen Stadt" nicht mehr in den Mund nehmen. Aber er kann nichts daran ändern: Was für Deutschland die "Schmach von Cordoba", das bleibt für Österreich auf immer und ewig das "Wunder von Cordoba".

Sternstunde des österreichischen Fußballs

Wobei die Verklärung zum "Wunder" verwundern mag - für Österreich ging es am 21. Juni 1978 in besagter argentinischer Stadt um nichts mehr. Die Rot-Weiß-Roten um Hans Krankl, Herbert Prohaska, Bruno Pezzey oder Hickersberger waren ausgeschieden, sie wurden am Ende WM-Siebte. Die deutschen Weltmeister von Bundestrainer Helmut Schön hätten bei einem Sieg um Platz drei gespielt.

Die Erinnerung an das 3:2 (0:1) ist in Österreich niemals verblasst, wohl auch, weil "wir seitdem ja nichts mehr gewonnen haben", wie Andreas Herzog, ehemaliger Bundesliga-Profi und "Co" von Hickersberger meint. Das, fordert auch Herzog, "muss jetzt endlich mal aufhören." Für den damaligen zweifachen Torschützen Hans Krankl ist das "Wunder von Cordoba" freilich heute noch eine "Sternstunde des österreichischen Fußballs, die in wunderschöner Erinnerung bleibt". Und nun aber nach Wiederholung schreit.

"Nur eine sportliche Niederlage"

Auch die historische Bedeutung des Sieges wurde ausführlich beschrieben. Als Referenz diente die Niederlage von Österreich und seiner Verbündeten (u.a. Bayern) gegen die Preußen in der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866 gegen die Preußen: Sie beendete die Vorherrschaft von Österreich über die deutschen Länder. Nach der sportlichen deutschen Niederlage von Cordoba schrieb dann etwa die FAZ: "1866: Preußen schlägt unter Moltke Österreich bei Königgrätz ... jetzt haben Krankl und Co. die Scharten ausgewetzt."

Für den damaligen Bundestrainer Schön war die "Schmach von Cordoba" nun kein "nationales Unglück" für Deutschland, "nur eine sportliche Niederlage". Das sahen und sehen die Österreicher ganz anders, noch immer erfasst sie Schadenfreude.

Der österreichische Kabarettist und Sportreporter Werner Schneyder forderte gar: "Die 'Schlacht von Cordoba' muss in die Geschichtsbücher", schließlich sollten Spätgeborene erfahren, worauf es im Leben ankomme, nämlich: "Den Deutschen Tore zu schießen", also reinzuhauen.

"I wer' narrisch"

Unvergesslich bleibt Cordoba für die Österreicher aber vor allem auch durch die Radio-Reportage von Edi Finger senior, der sich zu Spielbeginn über einen "Kurzschluss im Kopfhörer" aufregte und später "I wer' narrisch" plärrte. In der Schlussphase der Begegnung kommentierte er emotionaler als Helmut Zimmermann, der das deutsche "Wunder von Bern" bei der WM 1954 übertrug - fast schon hysterisch schilderte Finger, der 1989 verstarb, ab dem 3:2 durch Hans Krankl in der 88. Minute das "Wunder von Cordoba":

"Da kommt Krankl, in den Strafraum - Schuss - Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor! I wer' narrisch. Krankl schießt ein - 3: 2 für Österreich! Meine Damen und Herren, wir fallen uns um den Hals, der Kollege Rippel, der Diplom-Ingenieur Posch - wir busseln uns ab. ... Und warten's noch ein bisserl, warten's no a bisserl, dann können wir uns vielleicht ein Vierterl genehmigen. Also das, das musst miterlebt haben. ... I glaub jetzt hammas gschlagn! ... aber Burschen jetzt follts net um hinten, bleibts aufrecht stehn ... Eine Möglichkeit für Abramczik. Und!? Daneeeeben! Also der Abraaaamczik - obbusseln möcht' i den Abramczik dafür. Jetzt hat er uns gehooolfn. Allein vor dem Tor stehend. Der braaave Abramczik hot daneben gschossn. Der Orme wird si' ärgern. ... Und jetzt trau i mi scho gar net mehr hinschauen. Ausigschossen ins Out. ... Und jetzt ist auuus! Ende! Schluss! Vorbei! Aus! Deutschland geschlagen meine Damen und Herren, nach 47 Jahren kann Österreich zum ersten Mal wieder Deutschland besiegen!"

Fußball-WM 1978 in Argentinien, 2. Finalrunde in Cordoba, 21. Juni 1978:

Österreich - Deutschland 3:2 (0:1)

Österreich: Koncilia - Pezzey - Sara, Obermayer, Strasser - Hickersberger, Krieger, Prohaska, Kreuz - Krankl, Schachner (71. Oberacher) - Trainer: Helmut Senekowitsch.

Deutschland: Maier - Dietz - Vogts, Rüssmann, Kaltz - Bonhof, Beer (46. Hansi Müller), Rummenigge, Abramczik - Hölzenbein, Dieter Müller (61. Fischer). - Trainer: Helmut Schön.

Schiedsrichter: Abraham Klein (Israel)

Tore: 0:1 Rummenigge (19.), 1:1 Vogts (59., Eigentor), 2:1 Krankl (66.), 2:2 Hölzenbein (68.), 3:2 Krankl (88.)

Zuschauer in Cordoba: 38.318 (Stadion Chateau Carreras)