Dienstag, 12. Februar 2008
Kommentar: Ohrfeigen für den 1. FCN
Die Trennung des 1. FC Nürnberg von Hans Meyer war stillos, keine Frage. Am Sonntagabend schon war die Beurlaubung des Trainers beschlossene Sache, am Montagmittag durfte er noch eine Pressekonferenz absolvieren und sich der Rückendeckung von Präsidium und Aufsichtsrat gewiss sein. Am Montagabend erfuhr er dann, dass er der Hauptdarsteller einer Farce war.
Für die Art und Weise der Trennung werden die Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg jetzt Ohrfeigen bekommen, die Anhänger machten in den Internet-Foren ihrem Unmut bereits eindeutig Luft. Und sie haben auf den ersten Blick guten Grund dazu. Denn mal unabhängig vom Stil: Meyer hat dem Club zwei erfolgreiche Jahre beschert, hat ihn vor dem scheinbar sicheren Abstieg gerettet, hat ihn zum Pokalsieger gemacht und zum UEFA-Cup-Teilnehmer. Respekt!
Meyer hat sich in Nürnberg im übertragenen Sinne ein Denkmal gesetzt. So ein Denkmal stößt man nicht einfach brachial vom Sockel. Aber ein Denkmal ist auch nicht viel mehr als die Erinnerung an die Vergangenheit. Und Denkmäler sind unbeweglich. Fakt ist nun einmal: Nach dem Pokalsieg im vergangenen Mai ist es Meyer nicht gelungen, ein stabiles Mannschaftsgefüge zu formen. Das lag natürlich auch an den Verletzungen wichtiger Spieler, aber nicht nur daran.
Stillosigkeit hin oder her: Hätte der 1. FC Nürnberg auch am 24. Februar das "Endspiel" gegen den direkten Konkurrenten Energie Cottbus nicht gewonnen, wäre Meyer dann wirklich selbst gegangen - oder doch nicht? Wie lange hätten die Club-Verantwortlichen, denen nicht entgangen sein wird, dass einiges schief lief - nicht zuletzt im Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft - warten sollen? Bis Meyer sagt: Äh, mir fällt gerade auf, dass es nicht mehr geht!?
Es war ehrenhaft zu sagen, Meyer dürfe über sein Schicksal selbst bestimmen. Realistisch war es nicht. Meyer selbst hat das ja gewusst. "Ich würde es meinem Arbeitnehmer schwer übel nehmen, wenn er den 'worst case' nicht einkalkuliert und entsprechend vorbereitet ist", hat er noch am Montag gesagt. Für Meyer war der 'worst case' offensichtlich noch nicht eingetreten. Für die Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg offensichtlich schon.
von Thomas Häberlein
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