Montag, 16. Juli 2007
"Schnellster auf keinen Beinen": Pistorius will nach Peking sprinten
Oscar Pistorius will nach Peking sprinten - auf zwei Unterschenkel-Prothesen. Er fühlt sich selbst als "der Schnellste auf keinen Beinen", hat der 20 Jahre alte Südafrikaner einmal gesagt. Und er will unbedingt bei den Olympischen Spielen 2008 in der chinesischen Hauptstadt starten - aber nicht etwa bei den Paralympics, wie vor drei Jahren in Athen, sondern Seite an Seite mit den Konkurrenten, die von der Natur alle Gaben erhalten haben.
Frech wie Oskar legte sich Pistorius sogar mit dem Leichtathletik- Weltverband IAAF an, um sein Startrecht zu erzwingen. Im Alter von elf Monaten mussten dem Südafrikaner, der ohne Zehen, Fußballen und Wadenbeine geboren wurde, beide Unterschenkel amputiert werden. Als erster Sprinter mit einer solchen Behinderung möchte er an Olympischen Spielen teilnehmen - mit der Staffel seines Landes. Das Kräftemessen mit den Nicht-Behinderten verwehrt ihm die IAAF jedoch, weil er sich durch seine Karbonfieber-Prothesen Vorteile verschaffen könnte. Zudem verbiete eine Regel "Hilfsmittel" bei Wettkämpfen.
Am Sonntagabend feierte Pistorius beim Grand Prix in Sheffield als Siebter in einem hochkarätigen Starterfeld über 400 Meter zunächst einen weiteren Achtungserfolg - wenig später wurde er aber aus zunächst unbekannten Gründen disqualifiziert. Das Rennen gewann der US-Amerikaner Angelo Taylor in 45,25 Sekunden; Olympiasieger Jeremy Wariner (USA) gab kurz nach dem Start auf.
Zwei Tage zuvor war der Südafrikaner bei der Golden Gala in Rom Zweiter im B-Lauf über 400 Meter (46,90) geworden. Die IAAF hatte ihm eine Ausnahmegenehmigung erteilt und war mit der Kamera "für Studienzwecke" dabei.
"Ich finde, es ist lächerlich, wenn wir annehmen, dass diese Athleten einen Vorteil haben", sagte die derzeit beste 400-Meter- Sprinterin Sanya Richards (USA), die wie im Vorjahr noch im Rennen um den Jackpot der Golden League ist. "Ich hoffe, er macht seine Sache gut und rennt schnell." Auch Italiens neuer Weitsprung-Star Andrew Howe machte sich für Pistorius stark: "Er hat es verdient zu starten. Er hat jedes Recht dazu. Behinderte Athleten müssen doch viel härter arbeiten als wir."
Im Weltverband gibt es geteilte Meinungen, die IAAF will im August über einen Olympia-Start von Pistorius entscheiden. Bis dahin wird er weiterhin viereinhalb Stunden täglich trainieren. Der junge Südafrikaner ist schnell, aber nicht ungeduldig, die Zukunft gehört ihm: "Wenn es 2008 nicht klappt, dann eben 2012." Und seine beiden Paralympics-Medaillen von Athen - Gold über 200 und Bronze über 100 Meter - kann ihm keiner mehr nehmen.
Von Ralf Jarkowski, dpa
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